Ein Orgasmus unter Laborbedingungen ist eine echte Herausforderung. Doch nur so können die Sexualtherapeuten untersuchen, welche Komponenten den Orgasmus so einzigartig machen.
Uwe Hartmann -
Sexualmediziner, Medizinische Hochschule Hannover
Wir haben nicht das Sexualzentrum in unserem Gehirn, von dem wir teilweise vor 20 oder 30 Jahren ausgegangen sind. Sondern wir wissen heute, auch aus diesen Studien, wo wir also Menschen in diese PET-Scanner legen oder in die fMRTs, welche Regionen alle bei der sexuellen Steuerung beteiligt sind und auch welche Hormone und anderen Stoffe. Es ist so außerordentlich kompliziert.
Der Orgasmus ist ein Feuerwerk der Hormone. Dabei haben die Forscher eine unerwartete Substanz entdeckt: Prolaktin. Ein Hormon, das normalerweise bei Frauen für die Milchproduktion während der Stillzeit sorgt.
Sein Wert schießt bei Frauen unmittelbar nach dem Orgasmus in die Höhe - bei Männern sogar noch viel stärker. So markant zeigt kein anderer Stoff den Höhepunkt an - und sorgt zugleich für ein angenehmes Ende: Prolaktin macht zufrieden und schläfrig. Ein Effekt, der bei Männern stärker auftritt.
Der Höhepunkt setzt eine weitere Substanz frei: Oxytocin. Es ist eine hirneigene Droge. Sie schafft das Gefühl der Geborgenheit.
Frauen sind nach dem Sex aktiver.
Doch bald beginnt auch bei ihnen der Hormoncocktail zu wirken.
Andreas Bartels -
Neurobiologe, MPI für biologische Kybernetik, Tübingen
Im Volksmund wird ja gesagt, die Liebe macht blind. Was wir gefunden haben interessanterweise war, dass genau die Regionen, die in anderen Studien zuverlässigerweise aktiv sind, wenn man kritisches Urteil anwenden soll, wenn man beispielsweise die Vertrauenswürdigkeit eines Gesichtes beurteilen soll, dass genau diese Regionen deaktiviert sind, wenn man den eigenen geliebten Partner vor sich hat. Und das könnte eine Erklärung, eine mögliche Erklärung dafür sein, dass vielleicht manche Leute, die stark verliebt sind, ihr Urteilsvermögen etwas einschränken ihrem eigenen Partner gegenüber.
Liebe ist eine uralte, biochemische Reaktion. Doch Alltag, Stress und Leistungsdruck führen oft zur Flaute im Bett. Umfragen zufolge breitet sich in den Industrieländern sexuelles Desinteresse aus.
Frust macht sich breit. Probleme beim Sex können Beziehungen zermürben.