Der heilsame Rausch
wissen aktuell: Schaltzentrale Gehirn
Beim Rausch befindet sich das Gehirn im Ausnahme-zustand. An der Medizinischen Hochschule Hannover wird er untersucht. Probanden sehen dreidimensionale Bilder, optische Täuschungen. Erst nüchtern - dann nach Einnahme von psychoaktiven Drogen.
Hinderk Emrich - Psychiater und Neurologe, MH Hannover
Die bewusstseinserweiternden Drogen haben ja nun die Wirkung im Gehirn, dass bestimmte Zensurleistungen geschwächt werden, das heißt, man sieht nicht nur das was man erwartet, sondern ist näher an den realen Sinnesdaten dran. Das heißt die Versuchspersonen, die Drogen einnehmen oder auch in einem psychotischen Schub sind, die sehen dann tatsächlich menschliche Gesichter hohl, was uns anderen sehr schwer fällt.
Auch an der Uniklinik Köln werden halluzinogene Drogen wie LSD an Menschen getestet. In Vorgesprächen wird die seelische Verfassung der Probanden untersucht, um Vorerkrankungen auszuschließen. Das Ziel der Studie ist: Psychosen besser verstehen.

Jörg Daumann - Psychologe, Universitätsklinikum Köln
Ziel unserer Forschung ist, dass wir versuchen, die chemischen Grundlagen einer solchen schizophrenen Psychose nachzubilden bei Freiwilligen, indem wir Substanzen geben, die ähnliche Effekte machen wie, wir sie auch bei einer Schizophrenie zum Beispiel finden. Um auf die, um den biologischen Grundlagen einer Schizophrenie letztlich näher zu kommen.

Trotzdem: Tests am Menschen mit Ecstasy und LSD sind umstritten. Zu Recht. Diese Drogen können auch Psychosen auslösen. Darum muss jede Studie von einer Ethikkommission genehmigt werden.

Hinderk Emrich:
Der Gebrauch solcher Substanzen ist für etwa 95 Prozent der Bevölkerung relativ ungefährlich, führt also vielleicht zu einer gewissen Gewöhnung und Abhängigkeit, aber nicht zu einer schweren psychischen Erkrankung. Die anderen fünf bis zehn Prozent können davon wirklich schwer krank werden, und diese Tatsache muss man als Drogenforscher und Suchtexperte auch immer wieder in der Bevölkerung klar machen: hier ist eine berechtigte Angst.

Was machen die Substanzen mit unserem Bewusstsein? Welche Abläufe im Gehirn verändern sich?

Jörg Daumann:
Eine starke LSD Erfahrung sorgt dafür dass eben nichts mehr so ist wie es so ist. Der Körper ist nicht mehr fest und ist flüssig, der Raum ist nicht mehr drei-dimensional er ist irgendwie ein-dimensional. Und wir können es nicht fassen. Und ich weiß nicht mehr, ob ich tot bin oder lebendig, und das sind alles Erfahrungen natürlich, die sehr Angst einflößend sein können.

Halluzinogene reizen das Nervensystem. Eine Untersuchung im EEG zeigt: auch die natürlichen Reflexe wie das Blinzeln verändern sich im Rausch. Das Gehirn kann unwichtige Reize nicht mehr ausblenden.

Einige Therapeuten gehen noch weiter: Sie wollen sich nicht nur besser in Patienten einfühlen. Sondern mit bewusstseinserweiternden Drogen auch heilen. Seelisch Kranken den Blick nach Innen erleichtern.

Hinderk Emrich:
Jetzt bin ich mal Visionär für die nächsten 20 Jahre. Den Einsatz von psychoaktiven Stoffen sowohl als Designerstoffe, das passiert ja längst, als auch in der Psychotherapie, würd ich sagen ja, bin mir ziemlich sicher in zwanzig Jahren wird man da viel vorurteilsfreier und viel direkter und konkreter drüber reden, auch im Hinblick auf therapeutische Anwendung.

Rauschforschung ist ein Weg, die menschliche Psyche zu ergründen. Doch die Risiken sind hoch.



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