Das soll sich ändern und daran ist Peter Tass maßgeblich beteiligt. Der Mediziner, Mathematiker und Physiker beherrscht sowohl die Klaviertasten als auch die Welt der Algorithmen.
Er verknüpfte Neurochirurgie mit Mathematik. Am Forschungszentrum Jülich testen er und Volker Sturm den gemeinsam entwickelten schonenden Hirnschrittmacher.
Die krankhaft synchronisierten Nervenzellen werden hierbei nur durch einen kurzen elektrischen Reiz stimuliert. Er unterdrückt nicht, sondern korrigiert. Die synchronisierten Neuronen lösen sich in kleinere Gruppen auf. Durch ihr ständiges Bestreben, sich aus dieser Formation wieder zu synchronisieren, bewirken sie zunächst selbst den Zustand der Desynchronisation. Erst wenn der synchrone Takt wieder erreicht ist, erfolgt ein neuer Reiz.
Ende 2008 wurde der verbesserte Hirnschrittmacher erstmals bei einem Parkinson-Patienten implantiert und kann nun bei weiteren Erkrankungen eingesetzt werden.
Peter A. Tass -
Neurowissenschaftler, Forschungszentrum Jülich:
Bei all den Erkrankungen, die dadurch gekennzeichnet sind, dass übermäßig starke synchrone Aktivität im Gehirn vorhanden ist, das ist in der Neurologie der Fall bei Bewegungsstörungen, bei Epilepsien, Funktionszuständen nach Schlaganfall und im Bereich der Psychiatrie wären dies z.B. anderweitig nicht behandelbare Depressionen oder Zwangserkrankungen.
Das weckt Hoffnung bei den Betroffenen. Ein weiterer Fortschritt auf dem schier unerschöpflichen Gebiet der Hirnforschung ist gelungen.