Was bringt Gehirnjogging im Alter?
wissen aktuell: Schaltzentrale Gehirn
Ein neuer Trendsport begeistert Amerika. In San Francisco hat Amerikas erstes kommerzielles Fitness-Studio für die grauen Zellen eröffnet. Für 60 Dollar pro Monat können Kunden mit diversen Gehirntrainings-Programmen ihre Neuronen zum Schwitzen bringen.
Jan Zivic - Leiterin Gehirnfitness-Studio:
Unsere Zielgruppe sind die Menschen, die gesund sind und es bleiben wollen. Wenn man jemanden fragt: „Wie lange willst Du leben?" - dann ist doch die häufigste Antwort: „Solange mein Gehirn noch funktioniert.
Weltweit werden elektronische Gehirnjogging-Spiele immer beliebter. Angeblich kann man mit ihnen sein geistiges Alter verjüngen. Ihre Vorläufer waren Kreuzworträtsel und Sudoku. Sind sie reiner Zeitvertreib - oder beugen sie wirklich dem geistigen Verfall vor?

Ulman Lindenberger - Direktor MPI für Bildungsforschung, Berlin:
Die Hinweise darauf, dass Sudoku-Spielen ganz allgemein das Arbeitsgedächtnis oder die Wahrnehmungsgeschwindigkeit verbessert, sind bislang noch nicht vorhanden. D.h. das Sudokuspielen führt dazu, dass man im Sudokuspielen besser wird.

Inwieweit können ältere Menschen überhaupt ihr Gehirn trainieren? Im Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung sollen Testpersonen einen virtuellen Zoo besuchen. Und darin möglichst schnell möglichst viele Tiere finden. Das müssen sie sehr oft üben - wochenlang. Die Forschungsfrage lautet: Können auch ältere Menschen sich bei solchen Aufgaben messbar verbessern? Und tatsächlich: Junge und ältere Probanden finden nach mehrwöchigem Training bei einem Zoo-Rundgang deutlich mehr Tiere. Ältere Probanden starten zwar schwächer, zeigen aber: Auch sie können eine Denksport- Aufgabe sehr erfolgreich üben! Zunächst heißt dies jedoch nur, dass sie gelernt haben, sich im virtuellen Zoo zu orientieren.

Ulman Lindenberger:
Es ist klar, dass man in der Aufgabe, mit der man sich viel befasst, die man übt, dass man in dieser Aufgabe besser wird. Das ist das, was wir als das Trainieren von Fertigkeiten bezeichnen würden. Die eigentliche Frage besteht aber darin, ob auch Fähigkeiten trainiert werden. Ob man beispielsweise generell schneller wahrnimmt, wenn man eine Aufgabe übt, in der es darauf ankommt, schnelle Entscheidungen zu treffen.

Nur bessere Grundfähigkeiten - wie etwa ein besseres Gedächtnis oder eine schnellere Wahrnehmung - helfen auch im Alltag. Doch bislang konnten die Berliner Forscher keine Belege dafür finden, dass das Training von Denksportaufgaben solche Fähigkeiten verbessert. Lediglich in einzelnen Fertigkeiten werden Verbesserungen erzielt.

Beispiel: Die Vergleichsaufgabe. Wenn man übt, bei Buchstabenreihen Unterschiede möglichst schnell aufzuspüren, kann man das dann automatisch auch bei Bildpaaren schneller? Die Studien zeigen: das ist keineswegs selbstverständlich.

Florian Schmiedek:
Es ist nicht so, dass wir egal was wir mit unserem Hirn an geistigen Anforderungen versuchen zu meistern, hier einen großen Muskel stärken, der dann für alle möglichen Dinge besser eingesetzt werden kann, sondern dass die Verbesserungen und dann eben auch die Veränderungen im Gehirn, die vonstatten gehen, sehr viel spezifischer sind.

Ein anderes Beispiel: Wer ausgiebig trainiert, sich eine lange Folge von Wörtern zu merken, ist nicht automatisch auch ein Experte darin, sich die Lage von Gegenständen im Raum einzuprägen. Doch genau das ist die Erwartung von älteren Menschen an Gehirnjogging-Programme: Sie möchten nicht einzelne Fertigkeiten trainieren, sondern das Gedächtnis insgesamt.

Florian Schmiedek:
Also zum Beispiel sich Namen zu Gesichtern merken zu können, Telefonnummern merken zu können, sich merken zu können, wo man das Auto am Vortag geparkt hat. Wenn sich Verbesserungen jetzt in all diesen Bereichen ergäben, in diesen spezifischen Leistungen zeigen würden, dann würde man von Verbesserungen auf dem Fähigkeitsniveau sprechen.

Wenn’s Spaß macht - schaden kann Gehirnjogging zumindest nicht.



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12.03.09 / mf
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