Ulman Lindenberger:
Es ist klar, dass man in der Aufgabe, mit der man sich viel befasst, die man übt, dass man in dieser Aufgabe besser wird. Das ist das, was wir als das Trainieren von Fertigkeiten bezeichnen würden. Die eigentliche Frage besteht aber darin, ob auch Fähigkeiten trainiert werden. Ob man beispielsweise generell schneller wahrnimmt, wenn man eine Aufgabe übt, in der es darauf ankommt, schnelle Entscheidungen zu treffen.
Nur bessere Grundfähigkeiten - wie etwa ein besseres Gedächtnis oder eine schnellere Wahrnehmung - helfen auch im Alltag. Doch bislang konnten die Berliner Forscher keine Belege dafür finden, dass das Training von Denksportaufgaben solche Fähigkeiten verbessert. Lediglich in einzelnen Fertigkeiten werden Verbesserungen erzielt.
Beispiel: Die Vergleichsaufgabe. Wenn man übt, bei Buchstabenreihen Unterschiede möglichst schnell aufzuspüren, kann man das dann automatisch auch bei Bildpaaren schneller? Die Studien zeigen: das ist keineswegs selbstverständlich.
Florian Schmiedek:
Es ist nicht so, dass wir egal was wir mit unserem Hirn an geistigen Anforderungen versuchen zu meistern, hier einen großen Muskel stärken, der dann für alle möglichen Dinge besser eingesetzt werden kann, sondern dass die Verbesserungen und dann eben auch die Veränderungen im Gehirn, die vonstatten gehen, sehr viel spezifischer sind.