Schlaue Kinder
wissen aktuell: Schaltzentrale Gehirn
In den USA explodiert der Markt für frühkindliche Entwicklungsprodukte: IQ-Steigerung im Mutterleib mit einem Sound System für Schwangere, Lernvideos für Babies und Software für Säuglinge. Sogar einen eigenen Fernsehsender gibt es nur für die Kleinsten.
Das wichtigstes Verkaufsargument der Werbeindustrie: verpasste Lernchancen lassen sich nie wieder nachholen... Wie man Dreikäsehochs am besten fördert, wird an der renommierten Yale-Universität untersucht. Die Erkenntnisse der Forscher stellen den Babyprodukten kein gutes Zeugnis aus.
Die Labor-Leiterin Karen Wynn gehört zu den angesehensten Babyforschern. Speziell den pseudo-wissenschaftlichen Werbebotschaften kann sie nicht viel abgewinnen:
"Es gibt keine Belege dafür, dass mehr Stimulation oder spezielle Produkte - etwa zur Steigerung von mathematischen Fähigkeiten oder zum Lesen lernen mit neun Monaten - funktionieren oder hilfreich für die Entwicklung von Babys sind."

In der „Lächel-Studie“ wird das Verhalten gegenüber Fremden untersucht. Abstraktere Konzepte, wie mathematische Fähigkeiten, werden indirekt über Blickpräferenzen erfasst. Neue Bilder oder Töne ziehen Baby-Blicke unwiderstehlich an. Diesen Effekt nutzen auch Lernvideos, doch nicht zum Vorteil der Kleinsten.

Karen Wynn:
Babys zu viele Videos zu zeigen ist mit Sicherheit schädlich. Babys brauchen vor allem vielfältige soziale Stimulation und wenn sie auf ein Video starren, bekommen sie nicht die Interaktion, die sie für ihre Entwicklung brauchen.

Dennoch: fast die Hälfte aller Babys wird in Amerika regelmäßig vor ein Video gesetzt. Der vielbeschworene Mozart-Effekt soll den IQ steigern, ist aber in zahlreichen Studien widerlegt worden. Die mit Abstand populärsten Videos, die Baby Einstein-Serie, sieht auch Betsys vierjährige Tochter seit sie ein halbes Jahr alt ist. Verschiedene Studien belegen die intensive Hirnentwicklung der ersten beiden Jahre. Doch Videos oder Computerspiele braucht es nicht. Das Baby-Gehirn lässt sich viel einfacher stimulieren.

Karen Wynn:
Sorgen Sie einfach für vielfältige Erlebnisse und spielen sie lustige Spielchen mit ihnen wenn sie älter sind. Wenn ein Baby etwas interessant findet, ist das meistens ein guter Hinweis darauf, dass es etwas lernt. Das Tolle an Babys ist gerade, dass sie die Dinge, die für ihre Lernfortschritte am wichtigsten sind auch am spannendsten finden.



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