Unsere Erinnerungen verändern sich jedes Mal, wenn sie abgerufen werden. Weil wir sie im Spiegel der Gegenwart neu bewerten. Sie können intensiver werden oder verblassen. Unser autobiografisches Gedächtnis gleicht einem festen Haus, in dem jeden Tag umgeräumt wird. Gäbe es nicht diese bindende Kraft des Gedächtnisses, dann würde unser Bewusstsein in viele Einzelteile zerfallen.
Hans Markowitsch -
Neuropsychologe, Universität Bielefeld:
Das Gedächtnis integriert uns als Person. Wenn wir also nicht die Möglichkeit hätten stringent über die Zeit unsere Erinnerungen zu rekapitulieren, dann hätte man atomisierte Teile, die jeweils für sich stehen, aber nicht ermöglichen, sich als Individuum zu fühlen.
Tatsächlich muss man ja sagen, mit dem dass unser Gedächtnis sich ständig verändert, unsere Persönlichkeit verändert sich auch. Wir haben aber das Gefühl unser ich ist stabil.
Wenn wir uns auf eine rote Rose konzentrieren, auf ihre Schönheit, ihren Duft, dann sind wir nicht in der Lage, gleichzeitig andere Dinge um uns herum bewusst wahrzunehmen. Bis diese Wahrnehmung dann von der nächsten abgelöst wird, die durch andere Neuronengruppen geformt wird.
Die Ergebnisse der Hirnforschung könnten ein weltanschauliches Vakuum hinterlassen. Und die Neurowissenschaftler werden diese Leere allein nicht füllen können.
Davon ist Wolf Singer vom Max Planck Institut für Hirnforschung in Frankfurt überzeugt.
Denn die Neurowissenschaften werden das Bild von uns Menschen verändern, vielleicht sogar entzaubern. Wenn die biologische Verbindung zwischen Geist und Körper tatsächlich existiert, dann ist es schwer vorstellbar, dass Denken und Gefühle über den Tod des Organismus hinaus Bestand haben.
Die Neurowissenschaften brauchen die Philosophie und Theologie, um moralische und ethische Probleme zu lösen, die sie aufwerfen.
Wolf Singer -
Neurophysiologe, MPI für Hirnforschung, Frankfurt a.M.
Wir werden eng zusammenarbeiten müssen und ich denke , die Grenzen werden sich irgendwann einmal auflösen. Wenn die Welt zusammenhängend ist, dann werden sich auch diese Disziplinengrenzen verschränken müssen, um auch die Probleme zu bewältigen die auf uns zukommen.
Einmal das aushalten der angeblich narzisstischen Kränkungen, die damit verbunden sin. Da sind die Geisteswissenschaftler sicher sehr hilfreich, auch wenn sie im Augenblick eher noch Öl auf das Feuer dieser Kränkungen gießen. Wir brauchen sie, um die ganzen ethischen Probleme abzuarbeiten, die auftreten werden jetzt mit dieser veränderten Sicht unserer Bedingtheiten.
Wir werden viele interdisziplinäre Institutionen haben in denen Leute arbeiten die von beiden Welten etwas verstehen, die beide Sprachen sprechen können – das hoffe ich.