Die Neurowissenschaft aber hält das „Bewusstsein des Anderskönnens“ für eine Illusion...
Hans Markowitsch:
Also ob ein Gewalttäter eine Alternative gehabt hätte zu dem wie er gehandelt hat, da ist meine Antwort klar nein, weil ich sage jeder handelt in jedem Moment so wie er das auf Grund seiner genetischen Gegebenheiten plus der lebenslang gemachten Erfahrungen tun kann.
So gibt es Studien, die belegen, dass misshandelte Kinder später eher eine ausgeprägte Gewaltbereitschaft entwickeln, wenn ein spezieller Gendefekt vorliegt. Dieser Gendefekt verändert die Struktur der Hirnareale, die für Sozialverhalten zuständig sind.
Zwar wird nicht jeder Träger dieses Gendefekts automatisch aggressiv -
dennoch fordern einige Hirnforscher, Strafe durch Therapie zu ersetzen.
Hans Markowitsch:
Wir sagen bei x psychiatrischen Krankheiten: Das ist eine Krankheit, wenn jemand einen Waschzwang hat, eine Spinnenphobie hat, wenn jemand klaustrophobisch ist und nicht in den Aufzug will, dann sagt man, das ist nicht normal, der sollte da in den Aufzug spazieren können und das ganze kann man sicher so extrapolieren und sagen, also das gilt dann erst recht, man sollte nicht morden und wenn einer das tut, dann ist er im Kopf nicht ganz so, wie die Masse der Anderen.
Die Konsequenz: Gewaltprävention durch einen Blick ins Denkorgan. Und bei ungünstiger Diagnose Zwangsbehandlung!
Amerikanische Neurobiologen behaupten bereits, anhand der Hirnstruktur potentielle Terroristen erkennen zu können. Wird man diese Personen besonders überwachen – oder gleich einsperren? Ohne einen freien Willen gibt es auch keine Eigenverantwortung.
Björn Burkhardt:
Diese Verantwortlichkeit hat etwas mit einer freien Gesellschaft zu tun und wenn die einzelnen Personen nicht mehr dafür verantwortlich gemacht werden könnten, was sie getan haben, dann ist es mit der freien Gesellschaft dahin.
Das kann niemand wollen. Doch verbesserte Technik erlaubt immer genauere Einblicke in unser Gehirn.