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So manche Studie will unbedingt Recht behalten...
Technologie-Studien auf dem Prüfstand
Die sonderbare Welt der Studien
Ein gewisser Mythos haftet auch ihnen manchmal an – Umfragen und Studien. In wissenschaftlichen Untersuchungen, unter anderem an der Freien Universität Berlin, wurde herausgefunden, dass die Ergebnisse nicht unwesentlich davon abhängen, wer die Studie in Auftrag gegeben hat. Manchmal ist es aber auch der Forscherehrgeiz oder der Erfolgsdruck, der zum Schummeln verleitet.

Lupe
Ein alter Hut: Studien werden auch gerne mal "geschönt"
Beispiel Nummer eins: Die BioP II Studie, eine „Untersuchung der Leistungsfähigkeit von biometrischen Verifikationssystemen“ im Auftrag des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 2005. Die Studie sollte als Grundlage zur Einführung des elektronischen Reisepasses vor vier Jahren dienen – allerdings wurde der ePass letztlich schon vor Veröffentlichung der Ergebnisse auf den Weg gebracht.

Am Frankfurter Flughafen wurde die Alltagstauglichkeit von biometrischen Systemen wissenschaftlich untersucht. Im Test: zwei Fingerabdruckssysteme, ein Iriserkennungs- und ein Gesichtserkennungssystem. Über 2000 Mitarbeiter des Flughafens beteiligten sich an dem bislang größten Biometrie-Test in Deutschland. Mehrmals täglich mussten die Teilnehmer die Erkennungssysteme passieren.

Das Studiendesign – bemerkenswert. Das befand zumindest der Chaos Computer Club Berlin. Seine Sprecherin, Constanze Kurz, ist selbst Wissenschaftlerin an der Humboldt Universität in Berlin. Zunächst fiel den IT-Experten auf, dass die Altersstruktur der Testpersonen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Deutschlands jünger war. Zudem wurden anteilsmäßig mehr Männer als Frauen gestestet. Kurz konstatiert dazu: „Hier ist natürlich davon auszugehen, dass das Ergebnis der Studie dadurch geschönt wurde, denn wir wissen, dass Frauen signifikant schlechter erkannt werden, und die tauchen unterrepräsentiert in der Studie auf.“ Auch der geringe Anteil an fremden Ethnien unter den Testpersonen ist fragwürdig. Kurz dazu: „Die Gesamtrepräsentativität ist überhaupt nicht gegeben, und damit ist auch die Aussagekraft der Studie nicht hinreichend.“


Die Lebenderkennung gilt als wichtige Sicherheitsfunktion
Bedenklich findet der CCC auch, dass die so genannte Lebenderkennung an den Geräten – mit Ausnahme der Iriserkennung – während des Feldttests nicht konfigurierbar oder aktiviert war. Die Lebenderkennung gilt als wichtige Sicherheitsfunktion bei biometrischen Erkennungssystemen. Durch die Deaktivierung konnten die Systeme also nicht zwischen lebenden Organismen und Fälschungen unterscheiden. Vortests hatten für die Gesichtserkennung ergeben, dass die Erkennungsleistung der Geräte bei einer Deaktivierung der Lebenderkennung besser ist. Warum die Lebenderkennungsfunktionen für die Fingerabdrucksysteme nicht konfigurierbar waren, geht aus der Studie nicht hervor. Für Kurz dennoch ein Indiz, dass die Ergebnisse der Studie „aufgehübscht“ wurden.

Besonders interessant fand der CCC, dass zwei Versionen des öffentlichen Abschlussberichtes publik gemacht wurden. Version 1.8 war nur wenige Tage im Netz, Version 2.0 hat noch immer Gültigkeit. Bei den Empfehlungen heißt es in Version 1.8: „Bei einem unterstützenden Einsatz biometrischer Verfahren in Verbindung mit Personaldokumenten sollten eine sorgfältige Definition des konkreten Szenarios sowie eine Anpassung der Systeme auf die konkreten Anforderungen und Umfeldbedingungen erfolgen.“ Version 2.0 dagegen wurde redaktionell noch einmal überarbeitet und gibt die folgende Empfehlung: „Biometrische Verfahren können die Identitätsprüfung anhand von Personaldokumenten wirksam unterstützen. Hierbei sind die unterschiedlichen Anforderungen und Umweltbedingungen verschiedener Szenarien zu beachten (z.B. verschiedene Grenzübertritte, personenkontrolle „[sic]“ durch die Polizei etc.).“


Am Ende hilft manchmal nur ein Ombudsgremium...
Das Aufhübschen von Daten, wie es so schon heißt, ist auch ein Thema an den Hochschulen. In Umfragen, veröffentlicht im Magazin „nature“, gaben etwa ein Drittel der befragten Wissenschaftler in den USA an, schon einmal nachgebessert zu haben. Ähnlich die Situation in Deutschland. Bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beschäftigt sich ein Ombudsgremium mit wissenschaftlichem Fehlverhalten. Professorin Ulrike Beisiegel kennt die Tücken des Systems: „Es ist sogar zum Teil für den Wissenschaftler selber schwierig zu erkennen, wo sind jetzt solche Unredlichkeiten passiert oder welche Studien sind seriös. Ich glaube, man kann ein bisschen immer in die Geschichte gehen und sehen, was hat diese Gruppe, dieser Wissenschaftler vorher publiziert, ist das glaubhaft, ist das in einer gewissen Sequenz, baut das auf anderen Daten auf. Also das wäre eine Möglichkeit auch für den Laien, weil man heute im Netz ja gucken kann, was hat diese Gruppe, dieser Wissenschaftler publiziert.“

Nicht nur vermeintlich kleine Schummeleien und unseriöse Publikationen sorgen für Schlagzeilen, sondern auch sich zum Teil völlig widersprechende Ergebnisse. Beispiel Computerspiele. Mal sollen sie gewalttätiges Verhalten fördern, aggressiv und dumm machen, mal werden keine Zusammenhänge festgestellt. Kritiker werfen der Spielindustrie Einflussnahme auf die Ergebnisse vor, diese wiederum zweifelt an der Aussagekraft kritischer Studien. Einfache Erklärungen gibt es für den Medienwissenschaftler Professor Carsten Busch vom gameslab der FHTW Berlin nicht – im Gegenteil, die Ursachen für konträre Studienergebnisse sind vielfältig: „Eine Ursache ist, dass wir es mit Computerspielen zu tun haben, also ein relativ neues, technisches komplexes Phänomen, das heißt, wir brauchen noch ein wenig, um die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Antworten zu kriegen. Der andere Punkt ist, wir können das Computerspielen als Einzelfaktor kaum isolieren, weil wir ja die Menschen nicht einsperren können, die wir untersuchen und insofern ist sehr schwierig zu sagen, das Computerspiel ist die Ursache für irgendeine Art von Verhaltensänderung.“



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Der Hund, der Eier legt.
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Infos
www.bmi.bund.de www.bsi.de www.ccc.de www.heise.de www.nature.com http://ori.dhhs.gov www.dfg.de http://games-lab.de www.gamona.de www.mediengewalt.de http://www.bmfsfj.de www.ifp.uni-mainz.de
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06.03.2009 / neues.online.mf | G. Glasstetter