Simulationen in Aus- und Fortbildung
Schwierige Situationen meistern
Simulatoren sind in der Aus- und Weiterbildung nicht mehr weg zu denken. Sie sind kostengünstig, effektiv, da Situationen beliebig oft wiederholt und trainiert werden können, und ganz wichtig: Gefahrensituationen können auf sicherem Terrain geübt werden. Mit dem Simulator können aber auch Bedingungen geschaffen und geschult werden, die es in der Realität so gar nicht oder nur sehr selten gibt, etwa anatomische Besonderheiten, seltene Wetterkonstellationen oder schwerwiegende Geräteschäden.
Flugsimulationstraining für den Eurofighter/Typhoon.
Der Eurofighter ist das modernste Kampfflugzeug der Welt. Es wurde von der Partnergemeinschaft Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien entwickelt. Der Jet ist ein Mehrzweckkampfflugzeug und nicht nur für den Luft-Luft-Kampf, sondern auch für den Luft-Boden-Kampf geeignet.

Der Eurofighter gilt als besonders wendiges Luftfahrzeug, das jedoch nicht sehr schwierig zu manövrieren ist. Allerdings kommen auf die Piloten neue Zusatzaufgaben hinzu, die den Job erschweren. Der Eurofighter ist einsitzig, daher fehlt der Offizier, der bisher für die Navigation zuständig war. Drei Mehrzweck-Displays, ein Blickfeld-Anzeigesystem und das Helmvisier sind notwendig, um alle Daten anzuzeigen, die der Pilot nun zum alleinigen Manövrieren braucht. Auch eine Sprachsteuerung steht zur Verfügung.

Einige Daten zum Eurofighter / Typhoon:
Länge: 15,96 Meter
Flügelspannweite: 10,96 Meter
Flügelfläche: 50 qm
Höchstgeschwindigkeit: Mach 2+
Minimalgeschwindigkeit: 203 km/h
Steigleistung: 315 m/s
Triebwerkleistung: 2x 36.000 PS
Stückpreis: ca. 85 Millionen Euro

Beim Jagdgeschwader „Steinhoff“ Rostock-Laage werden alle Eurofighter-Piloten der Bundeswehr ausgebildet. Derzeit stehen hier 11 Jets bereit, es sollen einmal 20 werden.

Bevor jedoch die Piloten auf die Startbahn gehen, üben sie am Simulator. Dafür gibt es verschiedene Systeme. Das modernste ist der Domsimulator mit einer 360° Rundumprojektion. Verschiedene Projektoren stellen die visuelle Wahrnehmung des Piloten in Echtzeit und hoher Auflösung dar. Darüber hinaus können bestimmte Parameter wie Wetter, Technik usw. manipuliert und so Ausnahmesituationen trainiert werden. Damit ein Gefühl für die Fliehkraft entsteht, wird der Sitz des Piloten mit Luft gefüllt, die je nach Fliehkraftstärke automatisch abgelassen oder hinzugepumpt wird. Der Simulator ist ein exakter Nachbau des Eurofighters, der auch mit der Original-Flugzeug-Software arbeitet.

An den verschiedenen Simulatoren können die Piloten auch Formationsflüge trainieren, denn die Geräte sind über Hochgeschwindigkeitsleitungen miteinander vernetzt. Etwa ein Drittel der gesamten Eurofighter-Flugausbildung erfolgt Simulationsgestützt.



Weitere Themen aus der Sendung am 16.11.2008

Beitrag in der Mediathek anschauen (04:28)

www.bundeswehr.de
www.luftwaffe.de

Chirurgie-Simulator VOXEL-MAN.
In der Medizinerausbildung sind Simulatoren noch nicht so weit verbreitet. Bisher wurden sie vor allem in der Notfallmedizin und Bauchirurgie eingesetzt. Doch auch bei besonders schwierigen Eingriffen mit hohem Komplikationsrisiko, etwa im HNO-Bereich, können Simulatoren von Vorteil sein. Der angehende Chirurg lernt sich im 3D-Körper zu orientieren und wird dadurch sicherer. Hinzu kommt, dass seit langem die Zahl der Körperspenden rückläufig ist, den Studenten stehen weniger echte Organe zu Präparations- und Übungszwecken zur Verfügung. Simulatoren könnten daher in der Ausbildung der Medizinstudenten eine Ergänzung oder Alternative sein. So werden Studenten des HNO-Universitätsklinikums Würzburg demnächst auch mittels Simulatoren geschult.

Beim VOXEL-MAN Simulator sind Grundlage der optischen Darstellung der dreidimensionalen Organe echte Patientendaten, nämlich Schichtbilder aus der Computertomographie. Dadurch wirkt die Darstellung besonders realistisch. Damit der Operateur die Oberfläche regelrecht erspüren kann, werden die virtuellen Werkzeuge über ein so genanntes Kraftrückkopplungsgerät bewegt. Es berechnet die virtuelle Kraft, die Operateur und Bohrer aufwenden und gibt diese via haptischer Rückkopplung an den Operateur zurück. Er kann daher mehr oder weniger Druck aufwenden und spürt diesen realistisch. Zusätzlich wurde das Bohrgeräusch den Bewegungen angepasst und selbst die übliche Schwingbewegung des Bohrers wurde digital hinzufügt.

Auf der Benutzeroberfläche sind verschiedene Navigationsfenster, um die Orientierung im dreidimensionalen Körper zu erleichtern. Über den Riskmonitor wird das zu erwartende Verletzungsrisiko klar. Steigt es deutlich an, schlägt der Simulator Alarm. Der Bohrer wird über ein Fußpedal gesteuert. Es gibt auch unterschiedliche Schweregrade vom Anfänger bis zum erfahrenen Operateur.

www.uke.de
www.voxel-man.de
www.hno.uni-wuerzburg.de/

Schiffsführungssimulator der FH-Oldenburg.
Für die Studenten des Fachbereichs Seefahrt stehen im Schiffsführungssimulator 4 komplett ausgestattete Schiffsbrücken zur Verfügung. Sie sind mit Radargeräten, elektronischen Seekarten und einem digitalen Fernrohr ausgestattet. Auf den virtuellen Brücken lernen die Studenten wichtige Geräte kennen, sie trainieren die Verkehrsregeln, üben Notfallszenarien und allgemeines Manövrieren, Anlegen usw. Den Studenten stehen dabei die Daten unterschiedlicher Häfen zur Verfügung, von Bremen über Shanghai bis Sydney.

Geleitet werden die Übungen von ein oder zwei Trainern im Instruktorraum. Sie überwachen die Schiffe und wickeln auch die Kommunikation (Funk- und Telexverkehr) ab. Die Trainer können auch die Schiffe manipulieren und etwa einen Technikausfall provozieren. Darüber hinaus können sie die Wetterbedingungen beliebig ändern und so mit den Studenten das Fahren bei Sturm oder schlechter Sicht trainieren.

In der Vorlesungsfreienzeit kann der Schiffführungssimulator auch von hauptberuflichen Seefahrern genutzt werden.

www.fh-oow.de/
www.simulator-elsfleth.de/

14.11.2008 / neues.online.mf | Beitrag: D. Keuper
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