Guitar Hero Hype
Die virtuelle Band
Es gab in den letzten Jahrezehnten schon etliche Ansätze der Computerspiele-Industrie, interaktive Musikspiele zu entwickeln. Gerade die Simulation von Musikinstrumenten, vornehmlich die Gitarre, hatte es den Spielentwicklern angetan. Wer erinnert sich beispielsweise noch an „Quest for Fame“ von IBM aus dem Jahre 1996, als man mit einem, an den Parallelport angeschlossenen, Plektron-Adapter auf Tennisschlägern spielen konnte – zum Takt der Musik. Ein durchschlagender Erfolg wurde das Spiel leider nicht.
Ende 2005 nun die amerikanische Entwicklerschmiede Harmonix Music Systems an, das interaktive Musikspiel zu revolutionieren. Sie entwickelte ein Rockmusik-Spiel mit Namen Guitar Hero, für die PS3-Konsole, wo man sich als virtueller Rockstar auf die Konzert-Bühnen dieser Welt spielen kann – mit viel Übung versteht sich. Die Besonderheit bei dem Spiel war unter anderem der mitgelieferte Controller, eine Plastikgitarre mit fünf verschiedenfarbigen Knöpfen, eine Strumbar (um die Töne anzuschlagen) und ein Tremolo-Hebel. Mit Hilfe dieses Controllers mussten nun, im richtigen Takt und er richtigen Tonhöhe, die Tasten gedrückt werden. Neben dem neuen Spielkonzept trugen sicherlich auch die hervorragend nachgespielten Rocktitel ihren Erfolg zu dem Spiel bei. Mittlerweile hat das Unternehmen Activision die Rechte an Guitar Hero und entwickelt das Spiel weiter. Neue Versionen der Software und neues Liedgut trägt zum anhaltenden Erfolg von Guitar Hero bei. Die aktuelle Version des Spiels heisst „Guitar Hero 3 – Legends of Rock“ und gibt es mittlerweile für fast alle Konsolen- und Computerplattformen.
Die Begeisterung der User um dieses Musikspiel ebbt einfach nicht ab, und drückt sich in vielerlei Formen aus. Neben der üblichen, ziemlich starken, Online-Community, drängt das Spiel auch in bislang unbekanntes „Terrain“ vor. So ist es zum Beispiel im Moment „Mega-In“ am Abend in New Yorker Szenebars an der Guitar-Hero-Gitarre zu zupfen.

Aber auch viele kreative Köpfe der Musik- und Programmiererszene haben sich dem Thema angenommen, und entwickeln ihre Versionen und Visionen rund um Guitar Hero.

Shredz64 – Guitar Hero Clone für den C64
Wir alle kennen den legendären Commodore 64, liebevoll „Brotkasten“ genannt. Der 8 Bit-Rechner mit 64K Hauptspeicher und war, in den 80ziger Jahren, der meistverkaufteste Heimcomputer der Welt. Rund 17 Millionen Exemplare gingen über den Ladentisch. Auch im Jahre 2008 gibt es noch viele Anhänger dieses Computers, und auch diese „Plattform“ hat der Hype erreicht. Tony Westbrook aus Portsmouth, New Hampshire (USA) hat sich der Entwicklung einer C64-Version des Spielprinzips von Guitar Hero angenommen. Zunächst hat er einen Adapter entwickelt (PSX64) um einen Standard-PS2-Controller an den C64 anschliessen zu können. Dann hat sich der Entwickler daran gemacht, auch die passende Software dafür zu schreiben. Shredz64 nennt sich die Software, die das Drücken der Tasten auf dem Gitarren-Controller in Aktionen umsetzt. Was das Musikspiel auf dem C64 einzigartig macht ist der Sound. Denn die Songs werden im typischen 80Jahre-Synthysound (dem SID-Soundchips im C64 sei Dank) wiedergegeben. Auch eigene SID-Files können integriert werden. Der Bauplan für den Controller sowie die kostenlose Software gibt es auf

Guitar Hero-Controller steuert Synthesizer
Josh Breckman aus Boston hat einen weiteren Weg gefunden, seinen drahtlosen Gitarrencontroller zu nutzen. Sein Controller mit Wiimote-Steuerung hat er drahtlos an seinen Rechner angeschlossen. Eine Software, die sich noch im frühen Entwicklungsstadium befindet, setzt das Drücken der Tasten auf dem Controller in Soound um. Dazu werden die Datenströme dann per MIDI (Musical Digital Instrument Interface) an den angeschlossenen Synthesizer übertragen. Somit lässt sich mit der Plastik-Gitarre auch ein Synthesizer steuern. Die Software gibt es leider noch nicht zum Download, aber Josh Breckman arbeitet daran.

„Guitar Zeros“ aus San Francisco
Das wohl derzeit ambitionierteste und sehr bemerkenswertes Guitar Hero-Projekt ist ein Quartett aus San Francisco, die „Guitar Zeros“. Dies Band bestehend aus (richtigem) Drummer, einem Sänger und zwei Gitarrenspielern, die auf Guitar-Hero-Controllern spielen. Die eine Gitarre übernimmt den Bass, die andere Gitarre ist die Lead-Gitarre. Dafür haben die Guitar Zeros ein Hard- und Software-Arrangement geschaffen, das faszinierende Live-Musik mit den Plastikgitarren ermöglicht. Die Controller werden per USB an einen Laptop angeschlossen, auf dem eine spezielle Software mit Namen „Fretbuzz“ läuft. Die Software hat der Lead-Gitarrist Owen Grace programmiert, die es möglich macht, die Controller-Daten der Plastik-Gitarren in Noten umzusetzen. Neben der Tatsache, dass diese Art des Musizierens schon sehr ungewöhnlich ist, und einen großen Aufmerksamkeits-Wert hat, kommen noch weitere interessante Aspekte dazu. Die Form der Tongenerierung, mittels des Controllers, erlaubt ungewöhnliche „Gitarren-Riffs“. Dies ermöglicht ihm und seinen Bandmitgliedern Musik zu komponieren, die mit herkömmlichen Gitarren nicht realisierbar wären. Mit der nötigen Übung kann man auf den Plastik-Gitarren virtuose Gitarren-Kunststücke realisieren. Das Musikrepertoire der Band ist deswegen sehr außergewöhnlich und lohnt sich anzuhören. Leider ist die Band nur im Raum San Francisco „on Tour“, aber ihr größter Traum wäre ein Auftritt in Japan.

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Wikipedia zu „Quest for Fame“
Wikipedia zu Guitar Hero
Guitar Hero Community
der Webseite von Tony Westbrook.
http://hackedgadgets.com
www.theguitarzeros.com
Frets on Fire – ein Freewareklon für PC, Mac und Linux
Ein PC-Klon
Freetar - ein Guitar Hero in Java
Keytar-Hero in Flash
http://www.pianosnyc.com

11.04.2008 / Text: Ralph Benz
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