Die Wii-Konsole im Seniorenheim
Senioren entdecken virtuelle Spiele
Das Seniorenheim Alt-Lehel in München. Hier arbeiten die Studenten Josef Kiener und Markus Deindl an einem in Europa einmaligen Projekt. Sie kamen auf die Idee, die Spielkonsole Wii als Therapiergerät einzusetzen. Und zwar nicht bei der eigentlichen Zielgruppe den Jugendlichen, sondern bei Demenzkranken.
„Wir haben uns für die Wii Konsole von Nintendo entschieden, weil sie sich auch für ältere Menschen eignet, die keinerlei Erfahrung im Umgang mit Computer- oder Videospieltechnik haben", sagen die Initiatoren des Projektes Markus Deindl und Josef Kiener. Ziel des Projekts ist es zu sehen, wie gerade an Demenz erkrankte Personen mit der neuen Technik umgehen und damit soziale Schranken überwunden werden können. Das Vorhaben der Studenten wird von therapeutischer Seite positiv aufgenommen, denn hier sieht man eine Chance für die Demenzkranken.
Die Logotherapeutin Gudrun Mehring vom Münchner Roten Kreuz sieht in bewegungsgesteuerten Videospielen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für ältere Menschen. Und dies nicht nur weil sie für Spaß und Gemeinschaftserlebnisse sorgen: "Durch die Spiele mit der Wii-Konsole können zusätzlich geistige und motorische Fähigkeiten unserer Senioren trainiert werden." Berührungsängste gibt es bei den älteren Herrschaften keine. Ganz im Gegenteil. Man ist gespannt auf das Neue. Zuerst einmal gilt es alle mit der Steuerung vertraut zu machen. Denn der scheinbar einfache Bewegungsablauf erfordert eine gewisse Koordination. Erste Zweifel sind schnell verflogen. Alle Beteiligten sind begeistert und gespannt bei der Sache. Und siehe da, schon nach wenigen Versuchen stellt sich der Erfolg ein. Stellt sich die Frage, ob für Demenzkranke der Umgang mit Videospielen leichter ist? Das scheint nach Angaben der Logotherapeutin so zu sein, denn die Demenzkranken scheinen wesentlich unbefangener und offener im Umgang mit virtuellen Spielen umzugehen. Selbst Gehbehinderte können am virtuellen Bowlingturnier teilnehmen, denn die Bewegungsanforderungen sind nicht all zu schwer. Die Resonanz der Teilnehmer fällt deshalb auch sehr positiv aus. Zu einem guten Bowlingturnier gehört natürlich auch eine Siegerehrung. Die Damen und Herren des Seniorenheims Alt-Lehel haben es geschafft. In Zukunft können sie mit der gewonnen Spielkonsole weiterhin bowlen und somit ihren Alltag noch ein wenig abwechslungsreicher gestalten. Interessant zu beobachten war, dass zu Beginn alle Teilnehmer immer sehr skeptisch waren.
Bevor das eigentliche Spiel begann, hörte man die Bewohner immer wieder sagen, dass sie nicht glauben, dass es ihnen möglich wäre erfolgreich dieses Spiel zu spielen. Nachdem jedoch die Probephase mit intensiver Einführung vorbei war und die eigentliche Meisterschaft begann, war ein Wandel bei den Teilnehmern, nicht nur bezüglich Ihrer Skepsis festzustellen. Bei jedem weiteren Wurf war eine Verbesserung des Bewegungsablaufes zu erkennen. Die meisten Bewohner führten gegen Ende der Veranstaltung die Bewegungen vollständig alleine aus. Einige nahmen sogar die „komplexeren“ Einstellungen wie bspw. den Wurfwinkel oder die Positionierung auf der Wurfbahn alleine vor. Jedoch wuchs nicht nur das Verständnis für den motorischen Ablauf, sondern auch der Ehrgeiz bei den Teilnehmern das Spiel für sich und letzten Endes für seine Einrichtung zu entscheiden. Mit dem Wissen, dass nur die beste Institution eine solche Spielkonsole erhält, motivierten sich die Spieler gegenseitig in Form von Applaus oder Jubelrufen und sprachen sich bei einem weniger erfolgreichen Wurf Mut zu. Doch da die Meisterschaft in allen Einrichtungen noch nicht abgehalten wurde und ein Sieg ungewiss war kamen einige Teilnehmer gen Ende der Meisterschaft mit der Frage auf uns zu, wie viel eine solche Konsole kosten würde und in welchen Geschäften diese zu erwerben sei. Das Interesse ein solches Spiel jederzeit in der Einrichtung spielen zu können war bei den Teilnehmern geweckt. Da jedoch jedes Haus eine Wii Konsole erhält und wir dies erst nach der Siegerehrung mit Vergabe von Medaillen kommunizierten, war die Freude bei allen beteiligten umso größer. Viele Sprachen davon, noch weitere Wiiremotes zu kaufen und baldmöglichst hausinterne Tuniere abzuhalten. Nicht nur das Bowlingspiel sondern auch Tennis soll ausprobiert und gegebenenfalls für ein weiteres Turnier dienlich sein. Die Rückmeldung der Teilnehmer war eindeutig. Alle zeigten sich von der neuen Art zu spielen begeistert. Löblich sei vor allem die Einfachheit der Bedienung des Spielens. Viele gaben auch an, dass es eine sehr willkommene Abwechslung, ja sogar eine Alternative zu den herkömmlichen Karten- und Brettspielen sei.

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14.03.2008 / neues.online.mf
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