Online-Sucht
Wo beginnt die Sucht?
Ob bei Rollenspielen, Chatten oder Cybersex: immer mehr Menschen verbringen mehr als 30 bis 40 Stunden pro Woche im Internet. Experten schätzen, dass allein in Deutschland rund 2 Millionen Internetbenutzer onlinesüchtig sind.

Warum Onlinesucht eine Suchterkrankung ist
Ob die Onlinesucht eine eigenständige Suchterkrankung ist, darüber sind sich die Experten noch uneinig. Offiziell ist die Online-Sucht in Deutschland noch nicht anerkannt. Fachleute zählen die Onlinesucht mittlerweile zu den "Impuls-Kontroll-Störungen", genau wie „Spielsucht“ oder „Kleptomanie“. Nach dem Ergebnis einer weitgehend repräsentativen Studie der Berliner Humbold-Universität werden bei der Onlinesucht fünf Suchtkriterien erfüllt: Die Betroffenen leiden dabei unter Kontrollverlust. D.h., sie sind nicht mehr in der Lage, die Dauer der Internetnutzung einzuschränken. Dazu kommt die Toleranzentwicklung. Wie bei anderen Suchtarten auch muß die Dosis immer weiter gesteigert werden. Aufgrund der hohen Anzahl an Stunden wird der Alltag immer mehr eingeengt. Auch Körperhygiene oder Nahrungsaufnahme werden häufig vernachlässigt. Wird der Internetzugang kommt es bei den Betroffenen regelrecht zu Entzugserscheinungen: Dazu gehören Nervosität, Schlaflosigkeit, Konzentrationsschwäche bis hin zu Schweißausbrüchen sind typisch. Es können aber auch Depressionen und Suizidversuche hinzukommen. Besonders gravierend sind die negativen sozialen Konsequenzen. Aufgrund der hohen Dauer entstehen Beziehungs- oder familiäre Schwierigkeiten und Probleme in Schule oder am Arbeitsplatz. Viele nicht selten kommt es bei den Betroffenen zu einer sozialen Verwahrlosung.

Onlinesüchtige brauchen Hilfe
Um in die reale Welt zurückzukommen, brauchen Online-Junkies professionelle Hilfe. Wie bei den meisten süchtigen Menschen erkennen jedoch die meisten Onlinesüchtigen nicht, dass sie krank sind und Hilfe benötigen. In vielen Fällen suchen Freunde, Kollegen oder Familienangehörige Suchtberatungsstellen auf und bitten um Rat und Unterstützung. Mittlerweile gibt es in verschiedenen Städten in Deutschland Suchttherapeuten oder Kliniken, die speziell für Onlinesüchtige stationäre oder ambulante Therapie Behandlungsmöglichkeiten anbieten, beispielsweise das Fachkrankenhaus Nordfriesland oder die Mainzer Universitätsklinik.

Immer noch ein Tabuthema: Onlinesexsucht

Während die Medien häufig über Spiel- oder Chatsucht im Internet berichten, ist Onlinesexsucht immer noch ein Tabuthema, obwohl nach Aussagen von Experten, ein sehr hoher Anteil der Onlinesüchtigen davon betroffen sind. Untersuchungen haben gezeigt, daß viele junge Studenten darunter leiden, junge Männer, die im realen Leben noch keine oder kaum sexuellen Beziehungen erlebt haben. Aber auch Männer, die in Beziehungen leben und ein geringer Anteil an Frauen sind davon betroffen. Betroffene, Freunde und Familienangehörige können sich an die e-mail Adresse morali-oss@web.de wenden.


Info
Ansprechpartner Online-Sucht/Online-Chatsucht/Online-Sexsucht
Gabriele Farke, Bundesvorsitzende des eingetragenen Vereins "Hilfe zur Selbsthilfe bei Onlinesucht"
Info
Günter Mazur
spielerberatung@t-online.de
g.mazur@fkhnf.de
Therapeut am Fachkrankenhaus Nordfriesland 25821 Bredstedt, Krankenhausweg 3
Info
Das Fachkrankenhaus Nordfriesland hat ein Krisentelefon mit der Telefonnummer 04671/930403 eingerichtet
Links
www.onlinesucht.de www.spielsucht-therapie.de www.Rollenspielsucht.de
16.03.2008 / neues.online.mf