Die DRM-Evolution
Die Entwicklung des Digital Rights Managment
Früher war nicht alles anders, aber vieles; zum Beispiel durfte man Musik oder Filme, die man gekauft hatte, auch tatsächlich noch sein Eigen nennen. Seitdem Medieninhalte digital, also auch über das Internet vertrieben werden, sind die entsprechenden Dateien mit einer Kopiersperre geschützt.
Diese Sperre nennt sich „Digital Rights Management“. Dabei geht es nicht nur um den Schutz des Urheberrechts, wie oftmals von der Seite der Verwerter, also der Plattenfirmen, Verlage und Filmstudios behauptet wird, sondern eben auch um den Schutz eines Geschäftsmodells, das den Verwertern über lange Zeit hinweg satte Gewinne beschert hat.
Die Verbraucherseite hat es mit DRM nicht einfach: so kann es sein, dass zum Beispiel eine Musikdatei, die mit einer Kopiersperre versehen ist, sich nicht auf allen potentiell dazu geeigneten Geräten abspielen lässt, sondern nur auf Geräten, die mit dem jeweiligen DRM System, also dem jeweiligen Kopierschutz, kompatibel sind.. DRM ist seit langer Zeit umstritten. Schon vor Jahren sagten Fachleute der Kopiersperre keine große Zukunft voraus. Trotzdem blieben Musik- und Filmindustrie hartnäckig und hielten am Digitalen Rechtemanagement fest.

Im Jahr 2005 sorgte zum Beispiel die Firma Sony BMG für traurige Schlagzeilen: Der Kopierschutz einer ganz herkömmlichen Musik-CD installierte ein Virus, einen sogenannten Rootkit, auf den Rechnern der Kunden. Eine Software installierte sich automatisch, sobald die CD am Rechner abgespielt wurde. Eigentlich ein Skandal.

Es dauerte jedoch bis ins Jahr 2007 bis bei den Musikkonzernen ein Umdenken stattfand: So verkündete die Plattenfirma EMI im April des vergangenen Jahres, von nun an DRM freie Musikstücke über den iTunes Store zu verkaufen. Offenbar versprach man sich größere Gewinne ohne den Kopierschutz.

Wenig später berichtete auch das Plattenlabel Universal, Musik in Zukunft nicht mehr mit dem Digitalen Rechtemanagement zu versehen, und kurz darauf zog auch der Musikkonzern Warner nach. Auch klassische Musik ist mittlerweile ohne Kopierschutz zum Downloaden erhältlich. Als letztes der vier Majorlabels kündigte nun Sony BMG zum Jahreswechsel an, ebenfalls auf DRM an zu verzichten.

Bedeutet dies nun das Ende des Digitalen Rechte Managements? Die Einschätzung von Markus Beckedahl, Blogger, Internetaktivist und Interviewpartner im Beitrag ist eine andere: seiner Ansicht nach sei man in Deutschland noch nicht über die Ankündigung von DRM freien Angeboten hinausgekommen. (siehe das komplette Interview im Podcastbereich)

Dass es durchaus möglich ist, auch ohne Kopierschutz und sogar ohne Plattenfirma erfolgreich zu sein, zeigte die britische Band Radiohead im letzten Jahr. Bevor die CD im Januar dieses Jahres in den Handel kam, hatten die Fans die Möglichkeit, sich das Album auf der Internetseite der Musiker herunterzuladen. Den Preis bestimmten die Kunden dabei selbst und zahlten einen Betrag, den sie bereit waren für die Stücke aufzubringen.

Ein Bereich, in dem die Verwendung oder der Verzicht von DRM von großer Bedeutung für den Erfolg sein könnte, ist das Geschäft mit Filmdownloads aus dem Netz.

Das digitale Zeitalter steckt voller Widersprüche, Irrungen und manchmal auch unkonventionellen Sichtweisen. Es bleibt auf jeden Fall spannend, so viel steht fest.



Hier finden Sie das komplette Interview mit Markus Beckedahl zum Thema DRM


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18.01.2008 / neues.online.mf | Text: Katharina Ruppel / W. Danner
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