Alternative Spielekonzepte
Innovationen im Spielebereich sind eher selten. Die Spieleindustrie ruht sich gerne auf den Lorbeeren der Vergangenheit aus und bringt oft einfallslose Spiele-Sequels auf den Markt, also Fortsetzungen von Spielen, die erfolgreich verkauft wurden.
Allein Nintendo hat es in letzter Zeit geschafft, mit der Wii Konsole den Markt mit frischen Ideen voranzutreiben. Das man auch mit Egoshootern einen neuen Weg bestreiten kann, zeigt die Uni Jena. Ideengeber war Dr. Jörg Müller-Lietzkow, Dozent an der Friedrich-Schiller-Universität. Er und 32 Studenten der Uni Jena entwickelten 3 Monate lang den Edushooter. Es sollte kein langweiliges Edutainment Spiel werden, das war klar, aber doch ein Spiel, dass Wissen vermitteln und vor allen Dingen Spaß machen sollte. Und tatsächlich, wenn man den Edushooter spielt, erinnert die Grafik und das ewige Rennen durch lange Gänge an einen Egoshooter.
Komplett anders sind aber Ziel und Wurfgeschosse des Spiels. Aber der Reihe nach: im Spiel werden 2 Teams gebildet, das Studenten- und das Professorenteam. Jedes Team soll sich möglichst viel Geld vom Staat erspielen. In einer knappen Viertelstunde jagen Studenten und Professoren durch die fiktiven Gebäude der Uni Jena. Fragen aus dem Bereich Kommunikationswissenschaften müssen beantwortet werden. 350 hat sich das Edu-Team um Müller-Lietzkow ausgedacht. Gewonnen hat das Team, das sich durch viel Wissen auszeichnet und die besten Trefferquoten erzielt. Geschossen wird aber nicht wie bei einem Egoshooter mit Waffenmunition, sondern mit an einer Uni vorhandenen Gegenständen. Nasse Schwämme, Papierkügelchen oder Kreide sind willkommene Wurfgeschosse und es funktioniert wie in einem Egoshooter. Nasse Schwämme, statt Kreide, eine willkommene Abwechslung, sogar die Tastaturbelegung wurde dem klassischen Shooter nachempfunden. Endlich mal das Bild des Professors mit einem Filzstift bekritzeln, kein Problem, kann ja nix passieren ist ja nur ein Spiel.

Dass der Dozent Müller-Lietzkow sich gut mit Computerspielen auskennt und selbst gerne spielt, merkt man. Die Studenten haben es unter seiner Anleitung geschafft, ein Spiel zu entwickeln, dass erfrischend anders ist. Der Edushooter wurde auf Open-Source Code Basis programmiert. Ob Programmierung, Inhalte, Mapping oder Game Design, für die Studenten war alles Neuland. Ein Computerspiel hatte vorher noch niemand entwickelt, mit Bravour wurden alle Hürden gemeistert. Und das Potenzial des motivierten Eduteams ist so groß, dass es weitermacht. Jetzt bereits arbeiten alle an Edu2. Was das genau ist, verrät Müller-Lietzkow aber noch nicht. Demnächst wird das große Geheimnis gelüftet, wir werden gespannt sein. Wer den Edushooter selbst einmal ausprobieren möchte: auf der Homepage gibt es einen kostenlosen Download.

The Alchemist
Das Fraunhofer Institut für Angewandte Informatitonstechnik konzipierte und entwickelte das Spiel “The Alchemist”. Das Spielkonzept findet in realer Umgebung statt und kann an jedem beliebigen Ort gespielt werden. In der Umgebung werden schwar-weiß-farbene Marken verteilt. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Alchemisten und müssen mit einem ultra-mobile PC virtuelle Zutaten einsammeln, diese in einen Kochtopf geben, um ein magisches Rezept zu brauen. Die Kamera im Gerät erfasst die schwarz-weiß-farbenen Marken und verwandelt sie in ein virtuelles 3D Bild. Das Fraunhofer Institut setzt dafür Augmented Reality ein. Ein Forschungsschwerpunkt des Instituts ist die Entwicklung von Spieleformaten, die die reale Umgebung mit virtuellen Elementen verbindet, sogenannte “Pervasive Games”. In Zukunft sollen Spiele auch auf Handies laufen, teure Endgeräte sind dann nicht mehr nötig. Die Inhalte der Spiele und deren Ablauf werden dann auch individuell konfigurierbar sein. Besonders geeignet ist die Technik für moderne Formen der klassischen Schnitzeljagd, Schatzsuche oder Fantasy-Rollenspiele. Das Spiel "The Alchemists" wurde von dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT (kurz: Fraunhofer FIT) in Sankt Augustin im Rahmen des IPerG-Forschungsprojektes, Teilprojekt "Boxed Pervasive Games" konzipiert und entwickelt. IPerG steht für Integrated Project on Pervasive Gaming und wird von der EU gefördert. Forschungspartner sind u.a. SICS, University of Nottingham, Sony und Nokia. IPerG läuft über 3,5 Jahre (September 2004 - Februar 2008) und hat ein Gesamtbudget von etwas 10 M€.
An der Universität Hamburg, Bereich interactive media/virtual environments entwickelte Steffi Beckhaus kein neues Spielekonzept, sondern eine neuartige Computersteuerung auf der Basis eines Bürostuhls. ChairIO nennt sich die Sitzsteuerung, gelenkt wird mit dem eigenen Körpergewicht. Die sitz-basierte Computerschnittstelle könnte in vielen Projekten mit dreidimensionalen virtuellen Welten zum Einsatz kommen. Beim Einsatz im Computerspielebereich macht es aber definitiv am meisten Spaß. Der Hocker wird wie ein Joystick verwendet, der Benutzer kann den Stuhl nach allen Seiten mit seinem Körpergewicht kippen und drehen. Sensoren am Stuhl übertragen die Bewegungen des Spielers.
www.edushooter.de
http://www.fit.fraunhofer.de
http://iperg.sics.se/
Weitere Infos bei Fraunhofer
http://iperg.sics.se/
www.uni-hamburg.de
www.uni-jena.de

27.09.2007 / neues.online.mf
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