Das Auswärtige Amt geht aber noch einen Schritt weiter. Linux wird hier nicht einfach nur genutzt, sondern der Open-Source-Gedanke weiter getragen. So veröffentlichte das Auswärtige Amt jüngst eine Eigenentwicklung zur freien Verwendung: das Organisationsprogramm VerA.web. Damit lassen sich Adressen verwalten, Einladungslisten und Email-Verteiler erstellen sowie Zu- und Absagen automatisch berücksichtigen.
Aber was ist mit Linux für den Hausgebrauch? Gibt es das freie Betriebssystem bereits im Laden zu kaufen? Noch finden sich Rechner mit vorinstalliertem Linux nur in speziellen Fan-Shops, wie beispielsweise „Tuxman“ in Berlin. Bei Media Markt und Co. herrscht Fehlanzeige – vor allem weil viele Händler Verträge mit Microsoft geschlossen haben und so verbilligte Computer erhalten. Allerdings nur, wenn sie dafür ausschließlich Microsoft-Betriebssysteme darauf installieren.
Immerhin verkauft der Computerhersteller Dell nun auf Wunsch seiner Kunden erstmals einen Desktop-Rechner und ein Notebook (Dell Inspiron 530N und 6400) mit Ubuntu-Linux als Betriebssystem über seinen Online-Shop.
Natürlich kann jeder Linux nach wie vor kostenlos aus dem Internet herunterladen. Und wer sich nicht zutraut, das neue System alleine auf dem eigenen Rechner zu installieren, dem helfen so genannte Linux-Nutzergruppen. In Berlin sitzt eine der ältesten, die „BeLug“. Selbst Linus Torvalds war hier schon zu Gast. Jeden Mittwoch können Neueinsteiger sich hier von alten Hasen beraten lassen oder gemeinsam Probleme mit Linux-Programmen lösen. Der Service ist – ganz nach dem OpenSource-Gedanken – selbstverständlich kostenlos.
Wo steht Linux also heute? Der IT-Fachmann, Buchautor und freie Entwickler André Spiegel sieht Linux zwar im Aufwind, doch angesichts des Monopols des großen Marktführers steht dem freien System ein harter Kampf bevor.
Doch wen die unzähligen Computer-Viren nerven, wer nicht möchte, dass der eigene Rechner regelmäßig „nach Hause telefoniert“ oder sich bei einem Wechsel auf ein aktuelleres System alte Dokumente nicht mehr öffnen lassen, der wird vielleicht auch bald vom Linux-Fieber erfasst werden.