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Sendung am 9. September 2007
Cybercrime ist die Herausforderung des globalisierten Zeitalters. Betrug, Wirtschaftsverbrechen, politisch motivierte oder terroristische Taten – nahezu jedes Verbrechen ist möglich.
Cybercrime - Angriffe aus dem Netz
Wir sind hier in Finnland aufgetaucht. Direkt am Hafen von Helsinki liegt die Firma F-Secure. Ihre Aufgabe: Cyberattacken aufspüren – und zwar tief unter der Oberfläche des Netzes. Sicherheit wird wörtlich genommen. Das ist ja auch kein Wunder. Denn Cyberattacken sind das größte Problem der digitalen Welt. Es ist wie eine Art Katz und Mausspiel. Während hier die Virenjäger sitzen, um Schadprogramme ausfindig und unschädlich zu machen, sitzen irgendwo am anderen Ende der Welt Hacker und schreiben schon wieder an den neuesten Versionen.

Deshalb müssen auch die Virenjäger rund um die Uhr im Einsatz sein. Eine Task Force ist im weltweiten Netz unterwegs, um die neuesten Versionen von Viren aufzuspüren. Doch das wird immer schwieriger. Die Hacker entwickeln immer raffiniertere Methoden, um ihre Viren zu verstecken.

Mikko Hyppönen:
Computerviren können nicht, so wie Viren in der Natur, von selbst mutieren, sie verändern sich nur, wenn sie darauf programmiert worden sind. Wir haben schon eine ganze Menge unterschiedlicher Techniken zu Gesicht bekommen, die die Viren benutzen um sich zu verändern, damit sie von Antivirus Programmen nicht so leicht entdeckt werden können. Wenn sich der Code ständig verändert, wissen wir nicht, wonach wir suchen sollen.

Eine typische Methode ist es, jedesmal einen neuen Schlüssel zu verwenden beziehungsweise hoch komplexe mehrstufige Verschlüsselungen einzusetzen, die noch wirkungsvoller sind. Dies ist nur einer von vielen Tricks in diesem grossen Katz- und Mausspiel, zwischen Virus-Programmieren und Virenjägern.

Heutzutage ist das alles viel komplexer. Die Viren schleichen sich auf den unterschiedlichsten Wegen auf unseren Rechner. Ob über das Internet, das Netzwerk, oder sogar durch die Luft. Und zwar über Wireless LAN. Vor drei Jahren waren die Handyviren mehr oder weniger noch Spielerei. Aber wie heißt es so schön: Aus Spaß wird Ernst.

Mika, wie ernst ist die Bedrohung durch Handyviren wirklich?

Mika Tolvanen:
Die Sache wird immer ernster. Es wird in Zukunft mehr und mehr Profi Virus Programmierer geben. Es gibt zum Beispiel Viren und Trojaner, die sich mit einer SMS auf ein Handy einschleichen können. Der Endverbraucher wird das nur herausfinden, wenn er seine Handy-Rechnung eingehend studiert.

Die Täter sitzen überall. Schwerpunkte der Cybercrime-Szene sind Russland, Weissrussland, Brasilien und China: Hier sitzen junge Hacker mit enormen Programmier-Talenten, die keine Chance sehen, in ihrem Land über legale Mittel gut zu verdienen. Mit der Aussicht auf das große Geld, lassen sie sich von der Organisierte Kriminalität anheuern.

Frage: Wer ist schneller? Die Virenjäger oder die Kriminellen?
Mikko Hyppönen:
So einfach ist das nicht. Ich würde Ihnen nur zu gerne erzählen, dass wir diesen Krieg gewinnen. Aber so leicht ist das nun mal nicht. Wir sind immer einen Schritt hinter den Kriminellen. Die können nämlich Viren schreiben, sich dann die neueste Anti-Viren Software herunterladen und ausprobieren, ob ihre neuesten Schädlinge von der Software entdeckt werden. Wenn ja, modifizieren sie die Viren einfach solange, bis die Anti-Virus Software sie nicht mehr entdecken. Das heißt, dass wir immer reagieren müssen, und unseren Kunden ständig Updates schicken, sobald wir neue Viren entdeckt haben. Beileibe kein fairer Krieg, denn die Angreifer haben Zugang zu unseren Waffen!!!

Cybercrime hat ganz neue Dimensionen angenommen. Das Internet wird als Waffe eingesetzt - auch in der Auseinandersetzung zwischen Nationen (und Ländern), im politischen und wirtschaftlichen Konflikt. Staaten werden über das Netz attackiert. Jüngst sollen chinesische Hacker sogar in die Server des Kanzleramts und anderer Ministerien eingedrungen sein, um hochsensible Daten zu stehlen.

Wir alle hängen am Netz. Und auch Regierungen und Behörden sind online angreifbar. Kritische Infrastrukturen sind die neuen Ziele von Cyberterroristen.

Estland ist das Opfer der bislang größten Cyberattacke. Die junge, aufstrebende Nation ist vor drei Jahren Mitglied der Europäischen Union geworden. Als die Esten Anfang der 90er ihre Unabhängigkeit erklärten, vollzogen sie einen radikalen Bruch mit den Russen. Estland ist nun das fortschrittlichste Land im Baltikum.

Die vernetzte IT-Technik ist der Motor der estnischen Entwicklung. Das Internet ist die Lebensader der Esten. Alles wird über das Netz abgewickelt. Ob Online-Banking oder die elektronische Steuererklärung. Es gibt sogar ein in der Verfassung verbrieftes Grundrecht auf einen kostenlosen Internetzugang. Im Frühling dieses Jahres ist den Esten ihre Abhängigkeit vom Netz beinahe zum Verhängnis geworden. In einer beispiellosen Attacke wurde Estlands Internet-Fundament gezielt angegriffen. Wichtige Server von Banken, Regierungswebseiten und Nachrichtenportalen wurden so massiv mit einer Spam-Attacke überzogen, bis die Rechner zusammenbrachen.



Die ganze Dokumentation können Sie schon heute in der Mediathek anschauen!

Im Fernsehen sehen Sie neues am:
Sonntag; 16:30 (3sat)
Montag: 7:00 (3sat)
Montag: 9:45 (3sat)
Dienstag: 1:50 Uhr (ZDF)
Donnerstag: 15:15 Uhr (ZDF Infokanal)

www.panamp.de
(privates IT-Security Unternehmen, spezialisiert auf Datenfilterung. PanAmp hat spezielle Suchprogramme entwickelt, die kriminelle und terroristische Inhalte aus dem Netz filtern)
www.gad.de (einer der größten IT-Finanzdienstleister für Banken in Deutschland. Die GAD lenkt die digitalen Bankgeschäfte von ungefähr 500 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland)
www.f-secure.de (einer der weltweit führenden Antiviren-Softwareentwickler, mit Hauptsitz in Finnland)
www.bdk.de (Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ist der gewerkschaftliche Berufsverband der Angehörigen der deutschen Kriminalpolizei und aller in der Kriminalitätsbekämpfung Beschäftigter im Öffentlichen Dienst)
www.bsi.de (Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist der zentrale IT-Sicherheitsdienstleister des Bundes, aber auch Informationsstelle für Bürger in Sachen IT-Security.)

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01.09.2007 / neues.online.mf
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