Musikmesse Frankfurt
Messe-Neuigkeiten
Bereits zum 27. Mal fand die weltgrößte Musikmesse auf dem Frankfurter Messegelände statt. Hier treffen sich die Musikszene um fach zu simpeln, neue Instrumente auszuprobieren und handgemachter Musik zu lauschen. Mit 1604 Ausstellern und fast 80.000 Besuchern war es in diesem Jahr ein Rekordmesse.
Da neben der Musikmesse auch noch die Prolight+Sound, eine Messe für Veranstaltungstechnik, dazu kam, waren es ogar über 100.000 Besucher. Zusammen mit der gleichzeitig stattfindenden Fachmesse Prolight + Sound übertrafen die beiden Messen mit 107.631 Besuchern erneut die 100.000 Besucher-Marke. Neben viel handgemachter Musik, gab es den eindeutigen Trend zu computerunterstützter Musik zu erkennen. Sequenzer, Sample-Libraries und virtuelle Instrumente gab es in rauen Mengen zu hören und zu sehen. Man könnte sagen: der „Mausikant“, also Musik mit der Computermaus gemacht, gewinnt. So kann man zum Beispiel einen „echten“ spanischen Gitarristen fast durch Software ersetzen.

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musik.messefrankfurt.com

Real Guitar 2L
Die Software „RealGuitar“ versetzt jeden Keyboarder in die Lage, einen perfekten Gitarristen (in Echtzeit) nachzuahmen. Auf einem MIDI-Keyboard gespielte Akkorde werden automatisch in die entsprechenden 6-Saitigen Akkorde umgesetzt. Dies wird möglich durch hervorragend gesamplete Akustik-Gitarren, die mittels Software geschickt „gespielt“ werden können. Die Gitarren Library bietet fünf verschiedene Akustik-Gitarren mit Stahl- und Nylon-Seiten, fingered und picked gespielt. Um noch ein bischen authentischer zu klingen, besitzt die Software auch noch eine spezielle „Guitar Touch Technologie“. die es ermöglicht, grundlegenden Gitarrenspielweisen zu imitieren, zum Beispiel Tremolo, Schlagen, oder Zupfen. Zusätzlich dazu gehören noch über 1000 Gitarren-Rhythmus-Patterns dazu, um sein eigenes Spiel mit Gitarren-Begleitungen zu garnieren. Die Software arbiet unter Windows und MacOS und kostet ca. 200 Euro. Es gibt es auch eine Demoversion zum Download.
www.musiclab.com

Drumagog Schlagzeug-Software
Auch bei der Drumagog-Software geht es darum herkömmliche Musik-Instrumenten-Sounds „nachzuahmen“, in diesem Falle Schlagzeug-Sounds. Auf der Musikmesse wurde dies eindrucksvoll durch ein fast schon irrwitziges Setting demonstriert. Ein Schlagzeuger schlug auf Metall-Töpfe oder Bratpfannen, jedes Küchen-Utensil hatte ein Mikrofon, und jedem Mikrofon war ein Schlagzeugsound zugeordnet. Die Drumagog-Software ersetzte nun alle Schlag-Geräusche durch gesampelte Drum-Sounds. Im echten Studio-Einsatz kann man mittels der Software zum Beispiel die Auditracks eines Stückes durch die virtuellen Schlagzeug-Sounds ersetzen. Durch die Verwendung eines eigenen Sample-Formats (GOG-Format) erreicht die Software sehr kurze Ansprechzeiten, auch Latenz-Zeit genannt. Die Qualität der Sample-Sounds ist wirklich sehr gut. Für Windows oder MacOS ist das Paket für rund 280 Euro zu haben.
www.drumagog.com

Vienna Symphonic Library
Wer wissen, respektive wer hören will, welche Qualität man mit gesampleten Sound erreichen kann, der sollte einen Blick auf die Vienna Symphonic Library werfen. Man kann diese Sample-Library zweifellos als den Rolls Royce unter den „virtuellen“ Instrumenten bezeichnen. Jedes symphonische Instrument (Streicher, Bläser, Percussion) wurde mit der grösstmöglichen Qualität (44.1 kHz, 24 Bit, Stereo) in Samples umgesetzt, die von professionellen Musikern eingespielt wurden. Deswegen haben diese Samples eine unglaubliche Authentizität, die fast nicht von echten Instrumenten zu unterscheiden ist.

Die Vienna Library wird in verschiedenen Versionen angeboten. Die ultimative Kollektion umfasst eine Datenmenge von 800 bis 900 Gigabyte an Sample-Daten. Jedes Instrument liegt dabei in verschiedensten Variationen vor. Deswegen gibt es zum Beispiel eine Standard oder eine Extended Library. Spielt nun ein Musiker auf der Klaviatur, sorgt eine sehr ausgeklügelte Software für einen sehr authentischen Klang. Authentizität wird immer dann erreicht, wenn der Klang, wie es bei einem „echten“ Musiker auch wäre, nicht immer gleich klingt, also immer wieder feine Nuancen hat. Das wird dadurch erreicht, dass pro Instrument nicht ein Sample sondern fünf Samples gleichzeitig geladen sind. Die Software, die es seit der Musikmesse nun auch als eigenständige Applikation gibt, arrangiert nun die Samples so geschickt, dass sie immer wieder variiert. So viel „Authentizität“ hat ihren Preis. Für das Komplettset der Vienna Library zahlt man ca. 9200 Euro. Seit der Musikmesse gibt es aber auch ein Einsteigerset, die Vienna Special Edition. Sie enthält eine Standard-Library mit 28 Instrumenten und kostet 345 Euro. Es gibt auch eine 30 Tage Demoversion zum Download.

www.vsl.co.at

Realtime Instruments DVZ
In der Regel ist es so, dass ein Musiker der mit Samples arbeitet, ein Instrument gleichzeitig spielt. Jedes weitere Instrument wird dann parallel dazu neu aufgenommen. Aus den USA kommt nun ein System aus Hard- und Software die es möglich macht, mehrere Instrumente, zum Beispiel Streicher, gleichzeitig in Echtzeit zu spielen. Mittels der Software „Realtime Instruments DVZ“ kann ein Komponist zum Beispiel, einfach per Mausklick, mehrere Streicher spielen und auch noch deren Klang verändern. Er kann dann , in Echtzeit, seine Komposition besser arrangieren. Wenn dann das komponierte Stück, zum Beispiel für einen Film, mit einem echten Orchester gespielt werden soll, soll eine höhere Qualität erreicht werden. Denn der Komponist konnte dann schon im Vorfeld eine perfektere „virtuelle“ Vorlage bieten. Das Entwicklung des System wird übrigens von Hollywood Filmkomponisten Chris Stone geleitet.
www.composerchrisstone.de

Steinberg Sequel
Die Firma Steinberg ist bekannt für Profi-Software im Musikbereich. Pakete wie Cubase oder Nuendo werden auf der ganzen Welt für Musikproduktionen eingesetzt. Doch für musikalische Anfänger sind solche Software-Pakete zu schwierig zu bedienen. Nun hat Steinberg auf der Musikmesse eine neue Einsteiger-Software mit Namen Sequel (Aufeinanderfolge) vorgestellt, die es sehr einfach macht, erste Erfahrungen mit Musik zu machen. Steinberg nennt die Software „Tonstudio in einem Fenster“, denn alle Funktionen der Software laufen (Usability sei Dank) wirklich in einem Fenster ab. Sequel macht es nicht nur wegen der „Einfenster-Bedienung“ sehr einfach, musikalische Erfahrungen zu machen, es ist das „Drag & Drop“-Prinzip . Die Software bietet rund 3.5 Gigabyte ab Samples und Loops verschiedenster Musikrichtungen. Per Drag & Drop werden diese Musik-Bausteine nacheinander in das Ablauf-Fenster gezogen. Hierbei gibt es viele professionelle Hilfsmittel um ein harmonisches Stück zusammenzubauen. So gibt es zum Beispiel die Möglichkeit die Samples und Loops in der Ablaufgeschwindigkeit zu verändern (die Beat-Zahl verändern). Ein weiteres, sehr hilfreiches, Mittel ist der sogenannte „Family-Button“. Auf einen Mausklick hin, zeigt die Software die Loops und Samples an, die musikalisch zu den bereits ausgesuchten Bausteinen passen. Darüber hinaus bietet die Software noch viele weitere Sound-Effekte und einen virtuellen Mixer. Sehr witziges Feature ist auch ein so genannter Live-Modus. Hier können bereits arrangierte Musikstücke per Tastendruck quasi „Live“ neu zusammengemixt und arrangiert werden. Sequel kostet erstaunliche 99 Euro und gibt es für Windows und Mac-OS X. Die Mac-Version ist eine Universal Binary.
www.steinberg.de
www.sequel-music.de

WIDI Musikerkennungs-Software
Es kommt sicherlich häufiger vor, dass man einen Ohrwurm im Radio hört und sich denkt: Mhhh, wie ist denn diese Melodie nun gespielt ? Als musikinteressierter Mensch würde man so manches Lied vielleicht auch gerne mal nachspielen. Mit viel Geduld und zahlreichen Versuchen bekommt man da vielleicht hin. Es geht nun, per Software, ein wenig einfacher. WIDI nennt sich eine Software, die aus Musikfiles heraus (Wave, AIFF, MP3) Noten „heraushören“ kann. Die Software ist sehr einfach zu bedienen, basiert aber auf recht komplexen Programm-Algorithmen. So wird unter anderem auch Künstliche Intelligenz zur Analyse benutzt. Der Nutzer markiert mit dem Mauszeiger einen bestimmten Bereich eines Audiofiles, klickt auf einen Button, und die Software zeigt dann in einem Analysefenster die erkannten Noten. Natürlich kann nicht jedes Instrument und jede Note eines Musikstückes erkannt werden, aber die Hauptmelodie wird schon recht gut erkannt. Die Daten können als Midi (Musical Instrument Digital Interface) oder als Notation ausgegeben werden. Die Software gibt es ab 79 Euro zu kaufen.
www.midimaster.de

Ejamming Audio
Professionell erstellte Musik ist die eine Sachen, einfach nur Musik machen aus Spass an der Freud ist die Andere. Die Rede ist vom „Jamming“, also dem Zusammenspielen mehrerer Musiker – aus Spass an der Freud. Wer einen Breitband-Internet-Anschluss besitzt, der kann nun auch über das Internet miteinander „jammen“. Eine neue Software mit Namen „Ejamming Audio“ macht es möglich. War es bislang schon möglich mittels Midi-Daten-Übertragung zusammen zu spielen, kommt nun erst das richtige Sound-Gefühl auf. Die Software, die es im Moment noch als freie Beta-Software gibt, ist einerseits eine komfortabele Kommunikations-Software, quasi ein Messenger. Andererseits ermöglicht die Software, mit minimaler Verzögerung, den Transport von Audio-Daten an die beteiligten Jammer. Das kann also bedeuten, dass der Gitarrist in London, der Keyboarder in Finnland und der Sänger in Deutschland sitzt. Alle Teilnehmer stöpseln ihre Audio-Geräte (Mischpult etc.) an einen PC oder Mac, und die Software komprimiert, nahezu in Echtzeit, die Audio-Signale und überträgt sie an bis zu 4 Musiker parallel. Tragen die Musiker auch noch ein Headset, ist natürlich auch Sprachübertragung möglich. Derzeit ist die Beta-Software noch kostenlos, der Dienst soll in Zukunft aber über eine Monatsgebühr abgerechnet werden.
www.ejamming.com

Roland „Recreational Keyboard“ Vima
Unser Musikmessen-Schmankerl kommt von der japanischen Firma Roland – das „Recreational Keyboard“ VIMA (Video Interactive Music Audio). Das Keyboard ist nicht nur ein polyphones Keyboard mit 128 Stimmen und anschlagdynamischer Klaviatur. Es ist eher so etwas wie ein Multimedia-PC mit Keyboard drumrum. Denn dieses Keyboard hat alle möglichen Multimedia-Komponenten eingebaut, die man sich vorstellen kann. Das fängt an mit USB-Port und einem eingebauten CD-Rom-Laufwerk. Dann geht es weiter mit Videoein- und Ausgängen zum Anschluss von Videoquellen und externen Monitoren, die über Tasten am Keyboard umgeschaltet werden können. Das Keyboard hat dann noch einen farbigen Touchscreen und eingebaut, über den alle Funktionen des Keyboard gesteuert werden können. Sinn das Ganzen ? Folgendes Scenario ist denkbar: ein Allein-Unterhalter sitzt in einer Hotelbar, spielt eine fröhliche Weise. Dazu kann er dann, wahlweise, sich selbst oder einen passenden Videofilm oder die gespielten Noten oder eine Karaoke-Spur auf ein externes Display werfen. Der ganze Spaß kostet ca. 5400 Euro.
www.rolandmusik.de

13.04.2007 / neues.online.mf | Text: R. Benz
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