Spanien und die FONeros
3GSM World
Auch in Barcelonas Innenstadt gibt es sie: FON-Hotspots. Sie erinnern sich? FON ist eine Initiative des Internet-„Entrepreneurs“ Martin Varsavsky, der möglichst viele Leute in den Genuss drahtlosen Internets bringen will. Und das einfach dadurch, dass man seinen DSL-Anschluss anderen Foneros zur Verfügung stellt. Entweder umsonst oder gegen eine kleine Gebühr. FON ist inzwischen ein Jahr alt und hat über 100000 aktive Hot Spots – weit mehr als jeder kommerzielle Anbieter. Spaniens Hauptstadt, Madrid, ist die Wiege dieser Idee. Steffi Keppler hat dort Foneros besucht und bei Fon hinter die Kulissen geschaut.
Der Linus
Im Norden Madrids treffen wir David García Francisco, Fonero Nummer 61018, ein Linus. Er teilt seinen Hotspot mit seinen Nachbarn und zeigt uns, wie für einen Linus die Verwaltung des eigenen Hotspots aussieht. Wichtige Details dabei: der Fonero kann selber entscheiden, wie er seinen Hotspot nach aussen präsentiert. Und, noch wichtiger: er kann selber einstellen, wie viel seiner Bandbreite er mit anderen teilen will. Und kann den grösseren Teil des Anschlusses weiter privat nutzen und so von mehr Geschwindigkeit für den Eigenbedarf profitieren. David wurde Fonero, weil er so oft nicht zu Hause ist, sagt er: „Ich fands einfach eine gute Idee, den DSL-Anschluss zuhause zu teilen – meistens liegt er ja eh brach. Und gleichzeitig hast du ja die Möglichkeit, woanders auch online zu gehen, hier in der Stadt oder wo auch immer du bist, du kannst immer online gehen!“
Welcomesk8board – wegen der Sicherheit Vom Stadtrand bewegen wir uns mitten in Madrids Zentrum, nahe der Calle Fuencarral, eine Einkaufsstrasse. Ein winziger Skateshop ist ein weiterer Fon- Hotspot in einer dichtbewohnten Gegend. Hier gibt es neben Röllchen fürs Skateboard auch Internet für umme. Ladenbesitzer Pablo Gará hat sich die Fonera, so heisst der WLAN-Router, angeschafft, weil es ihm auch um die Sicherheit geht, erzählt er uns: „Ich hab meinen Laptop online mit Fon, das geht super. Und sicher ist es auch, keiner kann einfach so bei mir mitsurfen, ich weiss immer genau,. wer grade online ist.“

FON – im Norden Madrids
Dritte Etage eines modernen Bürogebäudes an der Avenida de Bruselas. Wir treffen Martin Varsavsky wieder, den Gründer von Fon. Der Argentinier ist vor vielen Jahren nach Europa gekommen und lebt hier mit seiner Familie. Er schätzt Spanien als boomenden, technologiefreundlichen Standort: „In Spanien kennen mich die Leute einfach – sie lesen meinen Blog, zum Beispiel. Und Spanien verändert sich, wird mehr und mehr ein High-Tech-Land. Hier leben und arbeiten eine Menge Menschen aus dem Norden Europas, weil es hier einfach schön ist, und Spanien wächst damit über sich selbst hinaus. Allein hier in Madrid stammen zwölf Prozent der Bewohner nicht aus Spanien – das eröffnet dem Land viele Chancen, neue Technologien werden schneller angenommen.“

Diese geistige und gesellschaftliche Mobilität spürt man auch bei Fon. Die Zwillinge Victor und Albert stammen aus Barcelona und pendelen zwischen den beiden Metropolen. Sie sind der Experimentierkasten der Firma. Sie probieren ständig neue Dinge aus. Das müssen sie auch, weil so viel passiert. Frauen beispielsweise sind bislang unterrepräsentiert in der Community, verrät Martin Varsavsky, und zeigt uns das Voice-over-IP-Handset mit der Skype-Oberfläche: „Wir haben rausgefunden, das Männer Dinge gerne aufbauen, Frauen benutzen sie einfach. Deswegen hat dieses Telefon hier, das wir mit Skype entwickelt haben, bei Frauen solchen Anklang gefunden. Auf die Frage, was Fon bringt, kannst du einfach sagen: ‚Überall umsonst telefonieren!’ – das überzeugt Frauen!“

Zwei Etagen tiefer ist der Think Tank von Fon. Vor einem Jahr ist man hier mit neun Mitarbeitern gestart, inzwischen arbeiten bei Fon fast hundert, vornehmlich junge Menschen. Die Community wird grösser und will betreut werden. Unablässig werden hier neue Ideen erdacht, ausprobiert, verworfen – oder in die Tat umgesetzt. Wie die neueste Idee von Victor und Albert, einen Mac zum Hotspot zu verwandeln: „Mit dem Mac hier, mit einem einfachen Ibook, haben wir ausprobiert, wie du einen Mac zum Hotspot machen kannst, wenn du über Kabel oder eine Mobilfunklösung ans Netz angeschlossen bist. Mit der Software machen wir den Mac zum WLAn-Router. Und WiFi kannst du dann mit jedermann teilen, so wird der Mac zum FON Hot-Spot!“

Die Fon-Idee wirkt inspirierend. Was aussieht wie übliches technisches Gefrickel, ist doch die gemeinsame Arbeit an einer Idee, die eher ideologisch als technologisch motiviert ist. Einen Router abzuspecken auf die Funktionen, die wirklich notwendig sind, die Bedienung einfach zu machen,.die Begeisterung dafür eint die Jungs aus der Technik. Schliesslich setzen sie etwas um, was sie schon immer wollten, erzählt Iurgi Arinzoniz, Fonero der ersten Stunde und verantwortlich für die Hardware-Entwicklung bei FON: „Das kreative Mitmachen hat mir von Anfang an am besten gefallen, es gibt eben noch keine Möglichkeit, immer online zu sein. Und mitzuarbeiten, diese Idee weiter zu entwickeln, das ist einfach ein Traum!“

Ein Traum wird auch für Martin Varsavsky wahr werden: Web 2.0, entfesselt. Er zeigt uns die Fonera 2.0, die im Sommer erhältlich sein wird. Sie schlägt die Brücke zwischen user generated content und user generated infrastructure: „Die Fonera zwei punkt null hat einen USB Port und einen USB Stick gibts auch dazu. Du holst die Bilder von deinem Rechner auf den Stick, stöpselst ihn in die Fonera, gehst zur Arbeit oder machst was auch immer. Währenddessen sendet die Fonera deine Bilder zu Flickr oder zu Sevenload. Oder auch deine Videos zu youtube, wickelt deine Bittorrent-Aktionen ab. Schlicht, alle Aktionen, die im Web 2.0 auf den aktiven Beiträgen der Menschen beruhen, erledigt dann die Fonera.“ Tja, was braucht man noch... warten wir auf neue Ideen aus Madrid!


Den Beitrag in der Mediathek anschauen!

Weitere Informationen zum System FON und seinem Gründer finden Sie hier!

Lesen Sie weiter...
16.02.2007 / neues.online.mf
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / neues [E-Mail]