Cryosat © dpa Video
Aus 720 Kilometer Höhe soll "Cryosat-2" die Eisdicke an den Polen vermessen
Der zweite Versuch
Satellit soll wichtige Daten für Klimamodelle sammeln
Der europäische Eisforschungssatellit "Cryosat-2" ist ins All gestartet und misst drei Jahre lang die Dicke des Land- und Meereises.
"Wenn alles gut geht, haben wir in sechs Monaten die ersten Ergebnisse für die Wissenschaftler", sagt der Direktor für Erdbeobachtungsprogramme bei der Europäischen Raumfahrtorganisation (Esa), Volker Liebig.

"Für Klimaprognosen zählt nicht die Ausdehnung, sondern die Gesamtbilanz der Eismenge", beschreibt Wissenschaftler Heinz Miller vom "Cryosat"-Projektbüro am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (Awi) die Relevanz der Daten. "Es gibt einfach noch keine verlässlichen Zahlen zum Eiszuwachs oder -verlust."

Der in Friedrichshafen gebaute Satellit "Cryosat-2" sollte eigentlich bereits 2009 starten. Begrenzte Kapazitäten am Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan verzögerten den Start, außerdem gab es technische Probleme. Nach Angaben der Esa kostet die Mission 140 Millionen Euro. Das wichtigste "Cryosat"-Instrument ist das Radar Siral (Synthetic Aperture Interferometric Radar Altimeter). Mit ihm kann das Eis präzise und unabhängig von der Wetterlage und den Lichtverhältnissen aus 720 Kilometern Höhe abgetastet werden. Höhenunterschiede sollen sich mit einer Genauigkeit von ein bis drei Zentimetern ermitteln lassen.

"Cryosat-1" stürzte 2005 kurz nach dem Start ab
Diese Daten sollten eigentlich schon längst vorliegen. Bereits 2005 hatte die Esa einen Eisforschungssatelliten auf den Weg ins All geschickt. "Cryosat-1" stürzte jedoch am 8. Oktober 2005 aufgrund eines Programmierfehlers an der russischen Trägerrakete Rockot unmittelbar nach dem Start ab und landete im Nordpolarmeer. Der Schaden lag bei 100 Millionen Euro. Wie bei vielen anderen Wissenschaftsmissionen auch war der Satellit nicht versichert.

"Das Projekt ist jetzt wahrscheinlich noch wichtiger als vor fünf Jahren", sagt Liebig. Die Entwicklungen in der Arktis, teilweise aber auch in der Antarktis, seien dramatisch. Die Ausdehnung des Eises habe stärker abgenommen, als vom Weltklimarat IPCC zuletzt prognostiziert.

Nach jüngsten Berechnungen von Wissenschaftlern könnte das arktische Meer schon in wenigen Jahrzehnten zur Sommerzeit von Schiffen durchquert werden. Computermodelle sagen bis zum Jahr 2080 ein drastisches Abschmelzen des Meereises im Nordpolargebiet in den Sommermonaten voraus.

Infografik
Scheideweg - an 16 Stellen kippt das Klima
Etwa im Amazonas-Regenwald oder im Grönländischen Eisschild könnten nur kleine Veränderungen schwere Folgen haben, fanden unter anderem einige Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung heraus.
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Weitere Informationen der ESA zum "Cryosat"-Projekt
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07.04.2010 / jst mit Material der dpa