Abholzung in Brasilien © reuters Video
Das Waldgesetz ist noch nicht in Kraft, da wird im Wald schon zugeschlagen
"Amnestie für Umweltverbrechen"
Brasilien arbeitet an einem neuen Waldgesetz
In Brasilien soll es ein neues Gesetz geben: Illegale Waldrodungen bis zum 22. Juli 2008 bleiben nach dem Entwurf straffrei.
Die Entscheidung über die umstrittene Novelle des Waldgesetzes im brasilianischen Abgeordnetenhaus ist im März 2012 erneut verschoben worden. Grund ist diesmal ein personeller Wechsel an der Spitze der Regierungsvertreter im Abgeordnetenhaus. Dadurch wurde auch ein Treffen der Fraktionschefs abgesagt, bei dem die Tagesordnung festgelegt werden sollte, wie die staatliche Nachrichtenagentur Agência Brasil berichtete.

Anders als bisher vorgesehen profitieren vom "Código Florestal" nicht nur kleinere Familienbetriebe, sondern auch große Agrarunternehmen. Zudem sollen in ökologisch sensiblen Gebieten die Auflagen zur Aufforstung abgeholzter Flächen an Flussufern aufgeweicht und die landwirtschaftliche Nutzung an Hangflächen ausgeweitet werden.

Brasiliens frühere Ex-Umweltministerin Marina Silva kritisierte, der Gesetzestext lasse wesentlich Punkte wie die "Amnestie für Umweltverbrechen" unverändert. "Der Text ist gut - für den, der abgeholzt hat", schrieb sie in ihrem Blog. Die Umweltorganisation WWF hatte diese Woche vor einem "Todesurteil für den Amazonas-Regenwald" gewarnt.

Der Entwurf geht nun zur Abstimmung ins Plenum. Danach muss die Novelle ins Parlament überwiesen werden, das zwar im Mai 2011 schon einmal über den "Código Florestal" abgestimmt hatte, nun aber über die veränderte Vorlage erneut entscheiden muss. Erst danach wird der Entwurf zur Unterschrift an Präsidentin Dilma Rousseff weiter geleitet. Die hatte 2010 im Wahlkampf versprochen, keiner Neuregelung zuzustimmen, die eine wie immer geartete Amnestie enthalte und eine Regenwald-Abholzung begünstige.

Brasilien wird seit Jahren kritisiert, nicht gegen den Klimawandel vorzugehen und den Treibhauseffekt voran zu treiben. 2008 hatte das Land sich verpflichtet, den Regenwald zu schützen. Maßnahmen, die eine Abholzung des Regenwaldes um die Hälfte reduzieren, würden "schnellstmöglich umgesetzt", hieß es seinerzeit. Das enthielt enhält auch eine Schutzpolizei gegen illegale Brandrodungen.

Im Oktober 2011 wieder mehr Regenwald zerstört
Mit 385 Quadratkilometern wurde im Oktober 2011 im Amazonasgebiet 52 Prozent mehr Regenwald vernichtet als im September, gab das brasilianische Weltraumforschungsinstitut bekannt, das Satellitenaufnahmen auswertet. Umweltschützer sehen in der Zunahme bereits einen Zusammenhang mit der erwarteten Lockerung des Waldschutzes.

Zuvor war die Zerstörung des Regenwaldes im Amazonasgebiet nach Angaben der brasilianischen Regierung deutlich zurückgegangen. Zwischen August 2010 und Juli 2011 seien 6240 Quadratkilometer Regenwald zerstört worden. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1988 und ein Rückgang um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Einen Höhepunkt hatte die Abholzung 1995 erreicht, als 29.060 Quadratkilometer Regenwald zerstört worden waren.

Abgeholzte Regenwald-Flächen im Amazonas dienen großteils als Weideland für Rinder. 62 Prozent der seit 2008 abgeholzten 719.000 Quadratkilometer würden von Rindern beweidet, heißt es in einer Untersuchung des brasilianischen Instituts für Raumforschung. Institutsleiter Gilberto Camara erklärte, ein Teil des entwaldeten Gebietes sei bereits wieder von den Viehzüchtern aufgegeben worden. Auf 21 Prozent entstehe inzwischen auf natürliche Weise neuer Wald.

Info
Ende Juni 2012 findet die UN-Konferenz "Rio+20" statt. Sie tagt 20 Jahre nach dem Erdgipfel von Rio de Janeiro in derselben Stadt. Auf der ersten Rio-Konferenz entstanden unter anderem die Artenschutz- und die Klimakonvention, aus der 1997 das Kyoto-Protokoll hervorging.
Interaktiv
Vielfältiger Regenwald
Der Regenwald beheimatet ein vielschichtiges Ökosystem mit großer Artenvielfalt. Forscher warnen aber davor, dass Abholzung und Erosion ihn weltweit zu zerstören drohen.
Surui-Indianer
VideoBäume für die Heimat
Im brasilianischen Regenwald kämpfen die Surui-Indianer für ihren Lebensraum: 100.000 Bäume haben sie in den vergangenen Jahren gepflanzt.
Gast
VideoZum Thema sprachen wir am 6. Dezember 2011 mit Astrid Deilmann vom "World Wide Fund for Nature" (WWF) Deutschland.
Glossar
Amazonien - eine riesige Fläche voll Regenwald
Die Region Amazonien umfaßt sieben Millionen Quadratkilometer und ist damit etwa so groß wie Australien. Durch Amazonien ziehen sich mehr als 1000 Wasserläufe, die alle im Amazonas zusammenfließen.