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Der Aussagen zum Klimawandel seien gesichert, sagt Prof. Stefan Rahmstorf
Die Kernaussage bleibt
Fehler ändern die Botschaft des IPCC-Berichts nicht
Trotz der Fehler, die im Bericht des Weltklimarates (IPCC) aufgetaucht sind, sei die Prognose globaler Erwärmung wissenschaftlich gesichert.
Dies stellt Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fest. Viele unabhängige Forschergruppen weltweit hätten Berechnungen dazu angestellt und kämen immer wieder zu konsistenten Ergebnissen. Außerdem seien es auch die Gesetze der Physik, die diese Erwärmung bestimmen.

Im ersten Band des mehrbändigen Berichts des IPCC werden die Ergebnisse zusammengefasst. "Die wissenschaftlichen Kernaussagen zum Klimawandel, die Belege dafür wie die Temperaturen steigen, wie die Treibhausgaskonzentrationen steigen, wie der Meeresspiegel steigt, wie die Gletscher schmelzen, finden sich in Band 1 und dort hat bislang noch niemand einen Fehler gefunden", sagt Rahmstorf.

Die IPCC-Berichte über Ausmaß und Ursachen des Klimawandels dürfen nicht wegen einzelner Fehler grundlegend infrage gestellt werden, sagten auch Prof. Peter Lemke vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und der Geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Institutes für Meteorologie in Hamburg, Prof. Jochem Marotzke. "Nichts ändert etwas daran, dass der vom Menschen gemachte Klimawandel sich in Zukunft verstärken wird", betonte Lemke.

Klimawandel trotz des kalten Winters in Europa
Straße im Winter Lupe
Der Winter ist zwar kalt, liegt aber im Durchschnitt
Darüber hinaus dürfe man Wetter und Klima nicht verwechseln. "Bei uns war es zwar recht kalt", so Rahmstorf. "Anderswo auf der Erde dafür besonders warm. John Christy von der Universität Alabama in Huntsville hat für Januar 2010 einen weltweiten Wärmerekord errechnet. Im globalen Durchschnitt zeigen die Satellitendaten, dass der Januar 2010 sogar der wärmste Januar seit Beginn der Messungen gewesen ist." In einigen nördlichen Erdregionen sei es im Winter 2009/2010 sogar weit wärmer als normal, sagte auch der Hamburger Klimaforscher Hartmut Graßl. Im Westen der USA sei es außergewöhnlich mild. "Und das Ochotskische Meer zwischen Ostsibirien und der Halbinsel Kamtschatka hat so wenig Meereis wie seit Beginn der Satellitenmessungen 1978 noch nie gegeben." Auch in Grönland sei es nicht ungewöhnlich kalt, ergänzte der Professor vom Max-Planck-Institut für Meteorologie.

"Und selbst der deutsche Winter ist weit weg von einem Rekord. 1962/63 sind Wagemutige mit dem Auto über den Bodensee gefahren. Andere sind über den Rhein spaziert", sagt Graßl. Die Winter 1996/97, 1946/47 und 1939/40 seien ebenfalls sehr kalt gewesen. "Der diesjährige Winter ist nichts besonderes."

"Wir haben eine für kältere Winter typische Luftzirkulation. Das winterliche Hoch über Russland ist sehr stark, das ist im Winter normal." Dadurch ströme kalte Luft öfters nach Mitteleuropa. "Die niedrige Temperatur in Mitteleuropa sei aber keinerlei Hinweis auf fehlende globale Erwärmung. Einer Studie zufolge sei es in den Jahren von 1997 bis 2007 weltweit so warm wie in keiner Dekade zuvor gewesen.

"Prognosen des IPCC sind zu moderat"
Die oft genannte Kritik, die Prognosen des Klimaberichts seien übertrieben, teilt Rahmstorf nicht. Im Gegenteil, der Wandel schreite schneller voran, als die moderaten Prognosen sagten. "Leider hat sich gezeigt, dass wir das Problem unterschätzt haben", sagt Rahmstorf. "Der Meeresspiegel etwa ist seit 1990 um etwa 80 Prozent schneller angestiegen, als es die Projektionen des IPCC vorausgesagt haben."

Auch die Eisdecke auf dem arktischen Ozean, sei inzwischen 40 Prozent kleiner ist als noch in den 1960er und 1970er Jahren und sei wesentlich rascher geschrumpft, als es die Projektionen des IPCC gesagt hätten. "Der Vorwurf, der manchmal erhoben wird, die Klimaforscher oder der IPCC würden etwas übertreiben, sind nicht richtig", so Rahmstorf. "Das Gegenteil ist der Fall. Das Klima überholt praktisch in mancher Hinsicht die Projektionen des Weltklimarates noch."

Einige Forscher kritisieren die Klimawissenschaft
"Zweifellos ist die Klimaforschung in eine Glaubwürdigkeitskrise gekommen, die sie aber durchaus auch selber verschuldet hat", stellt der Leiter des Instituts für Küstenforschung am GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht, Hans von Storch, fest. "Wir haben in den vergangenen Jahren eine Neigung zur Dramatisierung gesehen. Die Geschichten wurden nicht unbedingt von den Wissenschaftlern selbst, aber vielleicht von interessierten Parteien, immer ein bisschen dramatischer erzählt. Nicht massiv, aber ein bisschen dramatischer."

Dies sei unter anderem auch geschehen, um einen Neuigkeitswert zu erzielen. Dabei habe sich eine Spirale der Dramatik entwickelt. Die Wissenschaft habe dabei mitgespielt oder zumindest nicht widersprochen und bekomme nun die Rechnung für "ein unkluges Verhalten, das darauf ausgerichtet war, eine gewisse politische Klientel zu befriedigen". Man habe übertrieben, um bestimmten ökonomischen und politischen Zielen zu dienen und Angst zu machen. "Es gibt viele Akteure in der Klimawissenschaft, die auch politisch Akteure sind", kritisiert Storch zudem. "Das ist für die Klimawissenschaft als Ganzes nicht gut."

Schellnhuber fordert Umbau des Weltklimarats
Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, hat nach den Diskussionen um wissenschaftlich unsaubere Prognosen einen Umbau des Weltklimarats der Vereinten Nationen gefordert. Das Gremium müsse von allen politischen Interessen befreit werden, sagte Schellnhuber. Der Rat sollte nur noch von Spitzenwissenschaftlern geleitet werden und forderte den Vorsitzenden des Rates, den Inder Rajendra Pachauri, zum Rücktritt auf.

Zugleich verwahrte sich Schellnhuber gegen "bösartigste Beschimpfungen" und Versuche, die Klimaforschung generell zu diskreditieren. Der Wissenschaftler leitet das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und berät Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Klimafragen. Er kritisierte, dass derzeit die Mitglieder des Weltklimarates "nicht strikt nach Kompetenz ausgewählt werden", sondern unter Beteiligung von Regierungen: "Ich glaube nicht, dass das Produkt besser wird, wenn Regierungsvertreter von Venezuela oder Kuwait über die Schulter schauen."

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Scheideweg - an 16 Stellen kippt das Klima
Etwa im Amazonas-Regenwald oder im Grönländischen Eisschild könnten nur kleine Veränderungen schwere Folgen haben, fanden unter anderem einige Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung heraus.
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VideoInterview mit Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
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VideoInterview mit dem Leiter des Instituts für Küstenforschung am GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht, Hans von Storch
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16.02.2010 / jus mit Material von dpa, epd