Toter Vogel Lupe
Opfer der Windkraft: Die Rotorblätter sind für Vögel einfach viel zu schnell
Mit 230 Kilometern pro Stunde naht der Tod
Vor allem seltene Vogelarten von Windkraft bedroht
"An der Spitze der Windkraftopfer stehen seltene Arten", sagt Torsten Langgemach vom Landesumweltamt Brandenburg.
125 getötete Tiere haben Vogelschützer schon beim Rotmilan gezählt; auch der Seeadler ist bedroht. "Die Geschwindigkeit der Rotoren ist so hoch, dass die Tiere das nicht kalkulieren können", schildert Langgemach. Bis zu 230 Kilometer pro Stunde rasen die Spitzen der Rotorblätter. "Die Tiere kommen mit schweren Verletzungen unten an: Sie haben teilweise die Flügel abgeschlagen oder sind in der Mitte durchgetrennt."

Die zentrale Fundkartei der Staatlichen Vogelschutzwarte im Landesumweltamt Brandenburg wies 2005 für zehn Jahre 40 durch Windkraftanlagen getötete Rotmilane, 27 Mäusebussarde, 13 Seeadler und zehn Turmfalken auf. Die Hälfte aller Brutpaare des Roten Milans brütet im Bundesgebiet. Den Bestand des Rotmilans, auch Gabelweihe genannt, schätzen Vogelkundler auf 33.000 Brutpaare weltweit. 400 Seeadler-Paare sollen in Deutschland leben, in ganz Europa 5000.

Gefahr für Vögel durch Offshore-Bauten unbekannt
Offshore-Windpark © ap Lupe
Kaum Daten zu Windparks auf hoher See
Die Gefahren für Vogelschwärme durch neue Offshore-Windparks sind weitgehend unbekannt. "Bis vor kurzem gab es noch keinen Windpark auf See", sagt Ommo Hüppop vom Institut für Vogelforschung (Helgoland). Die Auswirkungen auf den Vogelzug durch Windräder auf See seien schwer abzuschätzen, da bisher nur von Forschungsplattformen und von Land aus beobachtet werden konnte. Hüppop und seine Mitarbeiter haben von 2004 an für die Studie "Finobird" systematisch die Bewegungen von Vögeln erfasst und dabei automatisierte Zähl- und Beobachtungsgeräte eingesetzt. Wichtigster Standort war die Forschungsplattform "Fino 1" am Baufeld des Windparks "Alpha ventus" 45 Kilometer nördlich von Borkum. Die Anlagen erreichen mit bis zu 155 Metern Höhe die Größe des Kölner Doms.

Bei 36 von 159 Kontrollen auf der unbemannten Plattform fanden die Forscher 770 tote Vögel. Angesichts der wenigen Besuche auf "Fino 1" sei offensichtlich, dass es sich nur um einen Bruchteil der tatsächlich mit der Plattform kollidierten Vögel handelte, heißt es in dem "Finobird"-Abschlussbericht. Es seien überwiegend in der Nacht ziehende Vögel betroffen. Für sie seien die Gefahren besonders groß.

Bei schlechtem Wetter flögen die Vögel niedrig und würden mangels anderer Rastplätze auf See durch beleuchtete Objekte angezogen. "Besonders kritisch ist daher die ununterbrochen helle Beleuchtung von Windkraftanlagen zu sehen", sagte Hüppop. Dies sei aus Gründen der Schiffs- und Flugsicherheit vorgeschrieben. Konkrete Angaben zum Kollisionsrisiko für ziehende Kleinvögel durch Windräder auf See lägen jedoch bisher nicht vor.

Um das Ausmaß von Kollisionen möglichst gering zu halten, sind nach Angaben von Hüppop bessere Kenntnisse über das Verhalten von Vögeln und Fledermäusen an Offshore-Bauten nötig. Getestet werden sollte zudem eine Optimierung der Sicherheitsbeleuchtung und in bestimmten Fällen das Abschalten von Windkraftanlagen. Ein erfolgreiches Frühwarnsystem in Kombination mit einem vernünftigen Beleuchtungs- und Abschaltkonzept könnte die Anzahl der Kollisionsopfer als auch der Ausfallzeiten der Windräder minimieren.

Verlässliche Zahlen für Kollisionsraten fehlten lange
2005 kam der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zum Schluss, dass Windenergieanlagen die Vogelwelt nicht so stark beeinflussen, wie in der Vergangenheit vermutet worden sei. Der Nabu hatte 127 Studien ausgewertet, die weltweit erstellt wurden. Das Fazit des Naturschutzbundes lautete, dass in Deutschland keine Vogelart durch die mehr als 16.000 Windkraftanlagen in ihrem Bestand gefährdet ist. Während der Bundesverband Windenergie den Umfang des Vogelschlags auf 1000 bezifferte, sprach der Nabu von 100.000 bis 150.000 Tieren pro Jahr. Die Kollisionsraten lägen zwischen null und 60 Vögeln und zwischen null und 50 Fledermäusen pro Turbine und Jahr.

Alte Schätzungen waren von bis zu 500.000 Zusammenstößen pro Jahr ausgegangen. Bei den Brutvogelarten gebe es keinen statistisch signifikanten Nachweis, dass Windräder negative Auswirkungen hätten, erklärte Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) 2005. "Gefährdet sind nach der Studie jedoch Greifvögel wie Seeadler und Rotmilan sowie einige Fledermausarten." Doch der Bestand des Seeadlers habe besonders in Mecklenburg-Vorpommern und auch in Schleswig-Holstein stetig zugenommen. Dort gebe es einen hohen Anteil an Windrädern. Beim Rotmilan seien keine Bestandsveränderungen festgestellt worden.

Selbst für das lange Zeit größte Windrad Deutschlands gibt es laut Ralf Bischof vom Bundesverband Windenergie nahe Magdeburg gibt es kaum Probleme. Es hat eine Gesamthöhe von 150 Metern und 112 Meter Rotordurchmesser. Selbst diese riesigen Rotorblätter seien aber keine erhöhte Gefahr für Vögel. "Studien haben gezeigt, dass an eine Anlage nicht mehr oder weniger Vögel fliegen als an ein normales Hochhaus auch." Die Gefahr für Menschen sei ebenfalls gering. Denn die Anlagen müssten aus Lärmschutzgründen immer etwa 500 Meter von bewohnten Gebieten entfernt sein.

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16.06.2003, zuletzt aktualisiert am 03.02.2010 / mp mit Material von dpa und ap