Eva Noyola und Jochen Liske © Das Auge 3D Video
Zwei, die den Kosmos gesehen haben - Protagonisten des Films "Das Auge 3D"
Ein Himmelsauge in allen drei Raumdimensionen
Regisseur Nikolai Vialkowitschs "Das Auge 3D"
In allen drei Raumdimensionen zeigt "Das Auge 3D", wie Forscher in der unwirtlichen Atacama-Wüste Chiles mit dem "Very Large Telescope" (VLT) versuchen, dem All die Geheimnisse seines Ursprungs zu entlocken.
Das riesige Instrument mit einem Spiegel von 8,2 Metern Durchmesser ermöglicht den Astronomen, Sterne und Objekte im All zu erfassen, die vier Millionen Mal schwächer sind als die mit bloßem Auge am Himmel gerade noch wahrnehmbaren Sterne. Das VLT gehört zur Europäischen Südsternwarte (Eso) in Garching bei München und ermöglicht den Astronomen, zwölf Milliarden Lichtjahre weit ins All zu schauen, so weit wie nie zuvor.

So haben Astronomen mit dem VLT seit März 1999 detailgenaue Aufnahmen aus dem Universum gemacht und dabei spektakuläre Bilder von Galaxien eingefangen. Mit diesen Beobachtungen wollen die Astronomen verstehen lernen, was sich unmittelbar nach dem Urknall des Universums abgespielt hat.

Vier große und drei kleine Teleskope liefern Bilder
Jochen Liske © Das Auge 3D Lupe
Auf dem Weg zu den Sternen: Jochen Liske
Regisseur Nikolai Vialkowitsch und sein Team zeigen in 45 Minuten auch, wie das VLT arbeitet. Wesentliche Elemente sind vier reflektierende Hauptspiegel mit 8,2 Metern Durchmesser, die jeweils um eine horizontale und eine vertikale Achse bewegt werden können. Die vier Großgeräte entstehen in Trapezform und können im Verbund die Lichtsammelkapazität eines einzigen 16-Meter-Teleskops erreichen. Außerdem gehören zu der Anlage noch drei bewegliche 1,8-Meter-Teleskope. Das Licht der damit insgesamt sieben Spiegelteleskope kann in dem VLT-Interferometer (VLTI) gebündelt werden. Durch Überlagerung der Bilder nach dem Interferenzprinzip wird eine noch nie dagewesene optische Auflösung (Bildschärfe) erreicht. Es könnte den Mann im Mond erspähen, wenn es ihn denn nur gäbe.

Jedes 8,2-Meter-Teleskop ist auch einzeln einzusetzen. Ein solcher Monolith kann bei einer Stunde Belichtungszeit einen Stern 30. Größe ausmachen. Die "Aktive Optik" sorgt dafür, dass Primär- und Sekundärspiegel von der Rückseite her mit einem ausgeklügelten Hebelsystem jederzeit in optimaler Form und Position gehalten werden. Das Ganze ist unabhängig davon, in welche Richtung das Teleskop gerade zeigt.

Die Adaptive Optik macht fast so scharfe Bilder möglich, wie sie sonst nur von Instrumenten oberhalb der Atmosphäre zu erreichen sind. Kleine, schnell verformbare Spiegel fangen alle atmosphärisch bedingten Scheinbilder ein und fassen sie zu einem einzigen, scharfen Bild zusammen.

Für die Auswahl des Cerro Paranal als Beobachtungsstandort haben sich die Wissenschaftler viel Zeit genommen. Der nur zwölf Kilometer von der Pazifikküste entfernte Berg liegt in einem der trockensten Gebiete der Erde. Er garantiert 350 sternklare Nächte mit ungewöhnlich stabilen atmosphärischen Bedingungen. In der Luft über Paranal gibt es sehr wenig Wasserdampf, was eine gute atmosphärische Transparenz besonders für die Wellenlängen im Infrarotbereich garantiert.

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Info
"Das Auge 3D" ist der erste von einer deutschen Firma produzierte 3D-Dokumentarfilm. Er ist am 29. Oktober ins Kino gekommen. Der Film begleitet den jungen Astronomen Jochen Liske aus der Eso-Zentrale in der Nähe Münchens auf seinem Weg zum Cerro Paranal. Mit Jochen Liske begegnen wir den Menschen, die dort leben und arbeiten: vom Tanklastzugfahrer, der jeden Tag 27.000 Liter Wasser auf den Cerro Paranal bringt, bis zur weltweit anerkannten Spezialistin für die Erforschung Schwarzer Löcher.
Info
Der Bau der ersten Einheit des Very Large Telescope (VLT) hatte im Dezember 1996 mit der Grundsteinlegung auf dem 2632 Meter hohen Cerro Paranal südlich der Stadt Antofagasta begonnen. Es kostete 600 Millionen Euro, Deutschland ist mit 125 Millionen beteiligt. Die Betriebskosten für das neue VLT werden auf jährlich mehr als 30 Millionen Euro geschätzt. Dementsprechend kostet die Nutzungsgebühr für die Beobachter 50.000 Euro pro Nacht.
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