Landesmuseum zeigt die Ursprünge der Zivilisation
450 Funde vom Tempelberg Göbekli Tepe und der Grabungsstätte Çatal Höyük
Restaurator Ronald Simke  © dpa
Mit einer umfassenden Ausstellung über die jüngsten archäologischen Funde aus der Türkei will das Badische Landesmuseum in Karlsruhe die Ursprünge der Zivilisation zeigen. In der Großen Landesausstellung "Vor 12.000 Jahren in Anatolien: Die ältesten Monumente der Menschheit" werden seit Freitag, 19. Januar 2007 noch bis zum 17. Juni rund 450 Funde unter anderem vom Tempelberg Göbekli Tepe ("bauchiger Berg") und der Grabungsstätte Çatal Höyük präsentiert.
Sie weisen die ältesten monumentalen Kultanlagen und Großsiedlungen ebenso nach wie den Beginn von Landwirtschaft und Nutztierhaltung. "Hier machte die Menschheit vor 12.000 Jahren den bedeutendsten Schritt ihrer Geschichte", sagte Museumsdirektor Harald Siebenmorgen. Das Bild, das die ersten Menschen Tierfelle trugen, sich mit Keulen erschlugen, Mammuts jagten und Beeren sammelten müsse man ändern.
© dpa
Die Erfolge der Archäologen weisen die ältesten monumentalen Kultanlagen und Großsiedlungen ebenso nach wie den Beginn von Landwirtschaft und Nutztierhaltung. "Hier machte die Menschheit vor 12.000 Jahren den bedeutendsten Schritt ihrer Geschichte", sagte Siebenmorgen.Die Ausstellung sei auch ein deutlicher Fingerzeig, wie wichtig es sei, das in der Schule gebildete humanistisch geprägte Bild von der Antike zu lösen und die früheren Kulturen einzubeziehen. "Das hilft, die Kulturen von heute zum Beispiel im vorderasiatischen Raum oder im Nahen Osten zu verstehen." Im Neolithikum (Jungsteinzeit) entwickelte sich der Mensch nach den bisherigen Untersuchungen vom Jäger und Sammler zum Ackerbauern und Viehzüchter, er wurde sesshaft. Bereits auf den ersten Metern der Karlsruher Ausstellung wird dem Besucher das Monumentale und bislang weitgehend Unbekannte dieser Zeit bewusst: Der Raum wird dominiert von den millimetergenauen Kopien der gewaltigen Megalithpfeiler, die - ähnlich wie im englischen Stonehenge - im Zentrum der Kultstätten standen und Menschengestalten darstellten.
Gezeigt werden auch fein und schmuckvoll geschlagene Skulpturen und Reliefs mit mysteriösen Symbolen, die von der ersten Schrift zeugen könnten. Ketten und Gürtelschnallen, Werkzeug und Steingefäße für den Hausgebrauch deuten auf eine Zivilisation fern von Keulen und Fellen hin. Ein glattpolierter Stein diente als Spiegel, Knochen als Nadeln oder Löffel. Modelle der Siedlungen und durch Dachfenster und Leitern begehbare Wohnräume sollen den erwarteten mehr als 100.000 Besuchern der Ausstellung das Leben der entfernten Vorfahren näher bringen.
Nach Ansicht des Prähistorikers Klaus Schmidt könnte es sich bei den bisherigen Funden in der Türkei erst um die "Spitze des Eisberges" handeln. "Wir können das genaue Alter der frühesten Besiedlung am Göbekli Tepe noch nicht bestimmen", sagte der Grabungsleiter. Es lasse sich aber anhand der Schichten vermuten, dass der Platz mehrere tausend Jahre alt ist und bis in die Altsteinzeit (Paläolithikum) zurückreicht.

Öffnungszeiten:
20.1. bis 17.6.2007
Schloss Karlsruhe
Di, Mi, Fr bis So, Feiertage:
10 bis 18 Uhr
Do: 10 bis 21 Uhr

Bauforscher sind auf Spurensuche in der Hagia Sophia
Die Linien von Nasca sollten die Götter besänftigen
Wasser war Ursprung und Untergang von Angkor Vat
Blutige Opferfeste im Sonnenobservatorium Goseck
Wiener Forscher schreiben Kunst und Geschichte um
"Pyramiden" in Bosnien sind ein natürliches Phänomen
Goldatlas zeigt, woher archäologisches Gold stammt
Nachbau der Argo sticht von Griechenland aus in See
Forscher entdeckten die älteste Schrift der Neuen Welt
Archäologen finden Pyramiden im ukrainischen Lugansk
Luxusleben herrschte vor 2000 Jahren in Ephesos
Römische Badefreuden unter dem Bonner Kanzleramt
Archäologische Funde beim Bau der Kölner U-Bahn
Forschungsschwindel um Moorleichen entdeckt
Historisches Museum zeigt wertvollen "Barbarenschatz"
Salierkaiser Heinrich IV. hatte eine majestätische Nase

14.02.2007 21.02.2007
19.01.2007, zuletzt aktualisiert am 19.02.2007 / dpa / mp
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]