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Was den Neandertaler schlussendlich umbrachte, ist nicht endgültig geklärt
Entzifferter Urmensch
Max-Planck-Forscher lesen Neandertalergenom
"Genetisch ähnelt der Neandertaler uns zu 99,5 Prozent", sagt Adrian Briggs. "Doch einige der Unterschiede sind sehr interessant."
Aus diesen haben er und seine Mitstreiter vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie ermittelt, dass Homo neanderthalensis und H. sapiens sich vor 300.000 bis 350.000 Jahren in eigene Linien aufgespalten haben.

Die genetische Bandbreite war jedoch geringer als die Menschen - sie müssen einmal durch einen "genetischen Flaschenhals" gegangen und damit kurz vor dem Aussterben gewesen sein. Vielleicht darum konnten sie sich am Ende der Eiszeiten nicht so flexibel an die veränderten Umweltbindungen anpassen. "Vielleicht hatten wir einen genetischen Vorteil, der uns besser befähigte Gesellschaften aufzubauen oder Technologien zu produzieren", meint Briggs.

Die Entzifferung ist schwierig, weil die normalerweise drei Milliarden Buchstaben lange DNA im Laufe der Jahrtausende in Schnipsel von typischerweise nur 50 Bausteinen Länge zerbrochen sei. Für ihre erste Arbeitsversion haben die Forscher jeden Buchstaben des Erbguts im Schnitt erst ein einziges Mal gelesen - normalerweise sequenzieren Forscher solange, bis alle Stellen mehrmals gelesen sind, um Fehler zu verringern.

Eine Studie kam 2003 zu dem Ergebnis, dass es keine eindeutigen Beweise für eine Kreuzung zwischen Neandertalern und modernen Menschen gibt. "Die Neandertaler können als faszinierender, aber ausgestorbener Zweig der Menschheit betrachtet werden", erklärte 2003 Richard Klein von der Universität Stanford. Es gebe keinen eindeutigen Beweis, dass Neandertaler und moderner Mensch sich gekreuzt hätten. Im August 2008 hatte eine Forschergruppe anhand der mitochondrialen DNA bekräftigt, dass die beiden Spezies sich nicht vermischt haben, auch wenn diese weiter nicht ausgeschlossen werden könne.

Die Urmenschen hatten wohl rotes Haar
Genforscher Lupe
In den Genen finden Forscher Spuren der Anlagen für rotes Haar
Auch einige Neandertaler waren vermutlich rothaarig. Forscher um Michael Hofreiter vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie fanden mit Erbgutanalysen heraus, dass mindestens ein Prozent der Neandertaler in Europa möglicherweise rote Haare hatte. Sie untersuchten das Gen mc1r, das auch bei den modernen Menschen für rote Haare und helle Haut verantwortlich ist. Nur etwa zwei Prozent der modernen Weltbevölkerung haben naturrote Haare. Grund ist eine Mutation in dem Gen mc1r, die dazu führt, dass die Betroffenen Phäomelanin anstatt des dunklen Melanins in Haut, Haaren und Augen tragen. Sie haben eine helle, empfindliche Haut und häufig viele Sommersprossen.

Das Forscherteam aus Leipzig und Barcelona fand beim Neandertaler eine Variante des mrc1-Gens, die beim modernen Menschen bisher nicht beobachtet wurde. Ihre Aktivität war im Vergleich zu der normalen menschlichen Variante deutlich verringert. "Genvarianten mit einer ähnlich verringerten Aktivität sind auch beim modernen Menschen bekannt - allerdings aufgrund anderer Mutationen", sagt Hofreiter. Beim Menschen führen solche Varianten zu roter Haarfarbe, woraus das Forscherteam den Schluss zog, das auch ein Teil der Neandertaler rote oder hellere Haare und eventuell auch eine hellere Haut gehabt haben könnte.

Literatur:

hitec
Evolution aus der Retorte
Was macht den Mensch zum Menschen und was unterscheidet ihn von seinem nächsten Verwandten, dem Neandertaler? Ein Blick auf aktuelle Forschungserkenntnisse und -methoden in der Neandertaler-Forschung.
Neandertaler im Fokus
Schöpferischer Urknall
Lange gab es die Neandertaler, bevor sie - viele Jahrzehntausende nach der Einwanderung des modernen Menschen - ausstarben.
Fundort
Kannibalismus in Spanien
"Wir identifizierten neun Neandertaler und fanden Schnittspuren auf den Knochen, die auf Kannibalismus hindeuten", so Antonio Rosas.
Genbefund
Gleiches Sprachgen bei Homo sapiens und Neandertaler
Schon der Neandertaler besaß das "Sprachgen" FOXP2 in der gleichen Version, mit dem auch der moderne Mensch seine Sprache entwickeln konnte. Es ist das einzige Gen, von dem bekannt ist, dass es für die Sprachentwicklung zuständig ist. Bislang waren die Forscher davon ausgegangen, dass nur der Mensch diese besondere Genform besitzt. Das Gen kommt unter anderem auch bei Schimpansen und Mäusen vor. Die Genvariante unterscheidet sich aber an zwei beziehungsweise drei charakteristischen Stellen von der des Menschen.
Glossar
Der Neandertaler
Der Neandertaler entwickelte sich vor 300.000 Jahren aus dem Homo erectus, dem Stammvater der reich verzweigten Menschheitsfamilie.
mehr zum Thema
Die Neandertaler wuchsen so langsam auf wie wir auch Museum zeigt, was Menschen und Neandertaler vereint Schon Steinzeitmenschen haben am Schädel operiert Datenbank "Nespos" bietet Forschern virtuelle Schädel Forscher rekonstruieren die Stimmen der Neandertaler Das Gehirn unterschied den Neandertaler nicht von uns
29.03.2000, zuletzt aktualisiert am 29.03.2010 / mp mit Material von dpa und ap