"Dinosaurier zogen nicht mit gehobenem Kopf umher"
Australischer Forscher meint: Aufrechte Haltung hätte viel zu viel Energie gekostet
Bei langen Hälsen sollte man den Kopf besser flach halten
Anders als früher vielfach vermutet haben pflanzenfressende Großdinosaurier mit meterlangen Hälsen diese wohl nicht eingesetzt, um in Baumkronen zu fressen, meint australische Dinosaurierforscher Roger Seymour. Die Kraftanstrengung wäre für die Urechsen zu groß gewesen, ihre Hälse wie Giraffen senkrecht zu halten. Seymor fand in einer Simulation heraus, dass die Reptilien die Hälfte ihrer gesamten Energie hätten verbrauchen müssen, um ausreichend Blut in ihre Hälse zu pumpen.
Ein aufrechter Hals sei mit einem enorm hohen Blutdruck verbunden gewesen, schreibt der Evolutionsbiologe Seymour. Es sei aus krafttechnischen Gründen daher wahrscheinlicher, dass Sauropoden wie der Mamenchisaurus oder der Barosaurus mit waagerecht über dem Boden gehaltenem Hals fraßen. Andere Forscher hatten bereits zuvor darauf verwiesen, dass die Dinosaurier wahrscheinlich ein zu kleines Herz hatten, um über längere Zeit mit aufrechtem Hals zu fressen.
So hatte eine Studie aus dem Jahr 2000 ergeben, dass der zehn Tonnen schwere Barosaurus ein Herz von 500 Kilogramm benötigt hätte, um bei vertikaler Halshaltung genügend Blut in Hirn und Muskeln zu pumpen. Sauropoden wogen mehr als 50 Tonnen und maßen von Kopf bis Schwanzspitze bis zu 40 Meter. Sie lebten in der späten Trias, der Jura und Kreidezeit in einem Zeitraum von vor 210 Millionen bis etwa 65 Millionen Jahren auf der Erde.
Luftschläuche machten den Dinosauriern lange Hälse
Die Paläontologin Dr. Daniela Schwarz vom Naturhistorischen Museum Basel kam dagegen 2006 bei ihren Forschungen an Dinosaurierwirbeln zu der Erkenntnis, dass neben einer extremen Leichtbauweise der Wirbel Luftsäcke und -schläuche im Halsinneren für Stabilität und Gewichtersparnis sorgten. Das Gewicht des Halses konnte so um 25 Prozent verringert werden. Zudem zeigten statische Berechnungen an mehreren Wirbeln, dass Muskeln und Bänder den Hals stabilisierten.
Ihre langen Hälse machten die Sauropoden zu Giganten
Flensburger hielten die Hälse für sehr beweglich
"Wir gehen davon aus, dass Sauropoden recht beweglich im Hals waren", sagt der Flensburger Paläontologe Prof. Andreas Christian. "Das zeigen unsere Untersuchungen an heute lebenden Tieren." Die gigantischen Dinosaurier, schätzt Christian, könnten ihre Hälse wie ein Strauß bewegt haben. Es sei ein idealer Bauplan gewesen, möglichst viel Futter zu finden, so dass die Tiere ihre gigantischen Maße haben erreichen können. "Die Tiere waren Pflanzenfresser", sagt Andreas Christian. "Ernährten sie sich etwa von Blättern und standen die Bäume weit auseinander, machte es Sinn, den ganzen Baum von oben nach unten zu beweiden. Standen die Bäume dicht, war es sinnvoller, nur auf einer Höhe die Blätter zu fressen. Das spart Energie."
Da man den Tieren beim Fressen nicht mehr zuschauen kann, versuchten die Flensburger Wissenschaftler aufgrund der vorliegenden Anatomie mittels Computerberechnungen die sinnvollste weil energetisch günstigste Strategie der Nahrungsaufnahme zu simulieren. Dabei halfen vergleichende Studien an heute lebenden Straußen, Kamelen und Giraffen. "Uns interessiert die gesamte Biologie der Sauropoden", sagt Prof. Christian. "Wie zum Beispiel waren die Knochen der Tiere aufgebaut, welche Eigenschaften hatten diese? Wie funktionierte das Herz-Kreislaufsystem, wie das Verdauungssystem und welche Fress-Strategie hatten sie? Was änderte sich im Laufe der Zeit am Bauplan und warum?"

Dino- und andere Saurier: die frühen Reptilien


Seymour RS (2009) Raising the sauropod neck: it costs more to get less. Biol Lett, DOI 10.1098/rsbl.2009.0096

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08.06.2006, zuletzt aktualisiert am 02.04.2009 / mp mit Material von afp
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