Asiatischer Marienkäfer Video
Der asiatische Marienkäfer breitet sich erfolgreich in Nordeuropa aus
"Glückskäfer" aus Asien bedeutet hier nur Pech
Der Einwanderer hat in Europa kaum Fressfeinde
"Der asiatische Marienkäfer ist aggressiver als der einheimische, weshalb er ihn in jedem Lebensraum aus dem Feld schlägt", weiß Angelos Katsanis vom Forschungszentrum für Landwirtschaft (Cabi) der Schweiz.
Einheimische Parasiten können den Einwanderer nicht stoppen, weiß Marc Kenis nach gescheiterten Versuchen: "Er vermehrt sich schneller und hat weniger natürliche Feinde. Er ist robust und anpassungsfähig - auch, was seine Beute betrifft. So frisst er auch einheimische Käfer, die wesentlich spezialisierter sind." Winzer finden sie auch in ihren Trauben: "Schon eine sehr kleine Menge Käfer reicht aus, um den Geschmack des Weins erheblich zu verschlechtern."

Harmonia axyridis "könnte zu einer Gefahr für unseren heimischen Glücksbringer werden", sagt Bernd Quellmalz vom Naturschutzbund (Nabu). "Ob er seinen europäischen Verwandten ernsthaft Schaden zufügen wird, müssen wir abwarten." Doch: "Niemand mehr kann die Ausbreitung aufhalten oder gar rückgängig machen", sagt Nabu-Landesgeschäftsführer Ingo Ludwichowski.

In nur drei Jahren breitete sich der Einwanderer aus
Lupe
Einmal angekommen war er nicht mehr zu stoppen
2002 wurde der Asiatische Marienkäfer erstmals in Hamburg beobachtet. In der Schweiz fanden die Biologen 2006 die ersten Exemplare. "Drei Jahre später sind bereits 80 Prozent der gesammelten Tiere asiatische Käfer", schildert Kenis. In Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz ist er mittlerweile flächendeckend verbreitet. Nach Angaben des Naturschutzbundes ist Harmonia axyridis in Hamburg mittlerweile die häufigste Marienkäferart. "Auffallend ist, dass die Besiedlung weiter Gebiete zunächst wohl von Städten ausging", sagte Ludwichowski. Auch in Schleswig-Holstein wurde der krabbelnde Neubürger schon gesichtet - unter anderem in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Plön und Stormarn sowie in Kiel.

Markantes Erkennungszeichen ist eine kleine W-Zeichnung zwischen Hals und Flügeln. Er hat bis zu 19 schwarze Punkte. In den 1980er Jahren wurde der Asiatische Marienkäfer in den USA in der biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Er frisst etwa fünf Mal so viel wie heimische Arten und vermehrt sich viel häufiger. In einigen US-Bundesstaaten gilt er nach Angaben der Naturschützer bereits als Landplage, weil er beim Weinbau mitgeerntet wird und den Geschmack der Weine verdirbt, so Quellmalz.

Fernostkäfer vernichtet fünf Mal mehr Blattläuse
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Der einstige Asiate erweist sich als gefräßig
Nachdem der Asiatische Marienkäfer anfangs auch im heimischen Erwerbsgartenbau eingesetzt wurde, hat er inzwischen in der freien Natur Fuß gefasst. Die nützlichen Käfer waren Anfang der 1980er Jahre zur biologischen Bekämpfung der Blattläuse nach Frankreich importiert worden, denn eine einzige Marienkäferlarve kann bis zu 600 Blattläuse verzehren. Von 1995 an wurden sie an zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe verkauft. Ein einziger Siebenpunkt-Marienkäfer frisst täglich bis zu 50 Blattläuse; der Hunger seines asiatischen Vetters ist jedoch um ein vielfaches größer: Harmonia axyridis kann pro Tag bis zu 270 Blattläuse vertilgen.


Hunderte Käfer schlüpften in Wohnungen unter
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Nur in Maßen, nicht in Massen finden viele den Käfer putzig.
Der Asiatische Marienkäfer nutzte im Winter 2008 nach Angaben des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV) die wärmere Witterung, um sich nach den kalten Temperaturen der Vorwochen ein Winterquartier zu suchen. "Es kann sein, dass sich auf einem Baum 500 bis 1000 Marienkäfer befinden, je nachdem, wie viele Blattläuse es dort zu fressen gibt", sagte Heinz Sedlmeier vom LBV. Wer neben solch einem Baum ein Fenster offen stehen lässt, müsse mit dem Besuch hunderter Marienkäfer rechnen.

Sedlmeier riet, die Insekten an die frische Luft zu setzen. "Man muss auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn man den Staubsauger zur Hand nimmt." Wer besonders tierlieb sei, könne den Staubsaugerbeutel draußen ausschütten und die Käfer wieder in die Freiheit entlassen. Die Tierchen in Bedrängnis zu bringen, sei dagegen nicht ratsam, da sie sonst ein Tröpfchen übel riechender Flüssigkeit absonderten. "Die Tiere sind nicht gesundheitsschädlich, deshalb greifen wir nicht ein", erklärte ein Sprecher der Feuerwehr im Elsass, die wegen der Invasion der rundbuckligen Insekten zur Hilfe gerufen wurde.

Der Naturschutzbund Baden-Württemberg äußerte sich erschüttert über die rabiate Staubsaugerentsorgung. Auch Schaufel, Besen oder Eimer könnten gegen die Käfer eingesetzt werden, sagte ein Sprecher in Stuttgart. Eine für die Marienkäfer freundliche Maßnahme sei ein Laubhaufen im Garten. "Dort überwintern die Marienkäfer besonders gern", hieß es.

In Deutschland sind mehr als 70 Marienkäferarten nachgewiesen. Weltweit kennt man sogar mehr als 5500. Viele Arten werden einfach nach der Zahl ihrer Punkte benannt. Der bekannteste Marienkäfer in Deutschland ist der Siebenpunkt-Marienkäfer. Der Asiatische Marienkäfer ist nur wenig größer als der einheimische Siebenpunkt-Marienkäfer. Andere Namen sind Vielfarbiger Marienkäfer oder Harlekin-Marienkäfer. Charakteristisch ist sein strohgelber Kopf mit einer schwarzen "M"- beziehungsweise "W"-förmigen Zeichnung. Er hat meist 19 schwarze Flecken auf seinen roten Flügeldecken.

Siebenpunkt-Marienkäfer war Insekt des Jahres
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Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist deutlich bedroht
Der Marienkäfer mit den sieben Punkten war das "Insekt des Jahres 2006". Der Käfer ist nicht nur als Glücksbringer populär, sondern punktet auch beim Vertilgen von Blattläusen, wie das Kuratorium "Insekt des Jahres" mitteilte. Der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) wird bis zu einem Jahr alt und kann in Deutschland gelegentlich in Massen auftreten: An einem fünf Kilometer langen Ostseestrand sei einmal ein Schwarm von 25 Millionen Käfern beobachtet worden, berichtete das Kuratorium.



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13.12.2005, zuletzt aktualisiert am 27.08.2009 / mp mit Material von dpa und epd