Jeder vierte Todesfall durch Blutvergiftung vermeidbar
Medizinische Leitlinien für die Therapie würden in Kliniken zu selten angewendet
Jeder vierte durch eine Blutvergiftung verursachte Todesfall ist nach Ansicht der Deutschen Sepsis-Gesellschaft mit einer besseren Behandlungsqualität vermeidbar. Die medizinischen Leitlinien für die Therapie würden an deutschen Kliniken jedoch zu selten angewendet, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, der Jenaer Mediziner Konrad Reinhart. Nach seinen Angaben erleiden jährlich 154.000 Menschen eine Blutvergiftung, bis zu 80.000 sterben.
Bei einem Drittel der Erkrankten entwickele sich die Sepsis auf den Intensivstationen von Kliniken, wo sie wegen anderer Krankheiten behandelt werden. Der Fachgesellschaft zufolge ist Sepsis in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache. Größtes Problem sei, dass Ärzte Anzeichen wie hohes Fieber oder beschleunigte Atmung zu spät erkennen oder anderen Erkrankungen zuordnen, sagte Reinhart. Daher sei die Entwicklung neuer Diagnoseverfahren vorrangig.
Die Sterblichkeit bei Sepsis kann nach Ansicht der Experten unter anderem durch neu entwickelte Medikamente wie Protein- oder Hydrocortison-Präparate deutlich verringert werden. Allerdings seien diese wegen des hohen Kostendrucks für die Kliniken nur schwer zu finanzieren. Nach einer Studie der Universitätskliniken Jena und Göttingen betrugen die Krankenhauskosten von Patienten mit Blutvergiftung 1454 Euro pro Tag.

An dem Kongress in Weimar beteiligen sich nach Angaben der Veranstalter bis Samstag, 10. September mehr als 1000 Wissenschaftler aus 20 Ländern.

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07.09.2005 09.09.2005
08.09.2005 / dpa / mp
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