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Die umstrittene HPV-Impfung löst immer wieder neue Dikussionen aus
Studie sieht kein höheres Risiko bei HPV-Impfung
Nebenwirkungen im Bereich gängiger Impfungen
Die Nebenwirkungen bei einer Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) untersucht. lagen im üblichen Bereich der gängigen Impfungen, resümierem US-Wissenschaftler in einer groß angelegten Studie.
Die Forscher hatten Daten 23 Millionen geimpfter Frauen in den USA ausgewertet. Probleme mit denen geimpfte Frauen zu kämpfen hatten, waren unter anderem Ohnmacht, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Blutgerinnsel, allergische Reaktionen oder Autoimmunerkrankungen. Lediglich die Zahlen für Ohnmachtsfälle und Venen-[Thrombose] lagen etwas über dem gewöhnlichen Rahmen. Die Autoren weisen darauf hin, das Erfassungssystem der Beschwerden zu berücksichtigen, das für die Studie genutzt wurde. Das es sich um ein passives System handelt, sei es begrenzt.

Zwar haben sich Millionen Frauen weltweit bereits gegen HPV impfen lassen, allerdings fehlten nach wie vor ausführliche Langzeitstudien zu der Impfung, kritisiert die Norwegerin Charlotte Haug in einem begleitenden Kommentar zu der Studie. "Die HPV-Impfung ist als Pflichtkassenleistung aufgrund unvollständiger und unzureichender Informationen zugelassen worden", sagt Rolf Rosenbrock, Leiter der Forschungsgruppe Public Health am Berliner Wissenschaftszentrum für Sozialforschung und Mitglied im "Sachverständigenrat Gesundheit" der Bundesregierung. "Wir haben eine Impfung mit sehr unsicheren Wirkungen, die mit das teuerste Arzneimittel ist und wir wissen nicht, in welchem Umfang die Impfung die künftige Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs verhindern kann. "Wir wissen nur, dass die Angaben der Pharmaindustrie zu hoch sind.“

Ständige Impfkommission befürwortet die Impfung
Trotz aller Zweifel hat die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (Stiko) ihre Empfehlung, junge Mädchen gegen Gebärmutterhalskrebs impfen zu lassen, am 10. August 2009 bestätigt. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (Stiko) hat ihre Empfehlung, junge Mädchen gegen Gebärmutterhalskrebs impfen zu lassen am 10. August 2009, bestätigt. In den bisherigen klinischen Studien sei eine hohe Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Viren nachgewiesen worden, teilte das Institut mit.

Demnach entfaltet die Impfung gegen HPV den besten Schutz, wenn junge Frauen geimpft werden, die noch nie mit einem HPV-Typ infiziert waren. Deswegen ist es laut Stiko unverändert sinnvoll, Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren gegen HPV zu impfen. Wenn der Impfzeitpunkt vor Beginn der sexuellen Aktivität verpasst werde, sinke der Nutzen der Impfung erheblich.

Kritiker zweifeln an Notwendigkeit der HPV-Impfung
Arzt impft Patientin Video
Millionen Frauen haben sich schon gegen HPV impfen lassen
"Wir haben eine ganze Menge Studien, aber genau die entscheidenden Studien fehlen", sagt Prof. Martina Dören vom Klinischen Forschungszentrum für Frauengesundheit an der Charité. "Wir gehen davon aus, dass die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs schützt. Aber genau zu dem von Medizinern und Wissenschaftlern genannten Endpunkt Gebärmutterhalskrebs, gibt es keine einzige Studie." Außerdem habe die Herstellerfirma "Sanofi Pasteur MSD" bei ihrer Vermarktung übermäßig Angst geschürt. Ein Gutachten aus Österreich kommt zu dem Ergebnis, dass innerhalb von 50 Jahren im besten Fall 30 Prozent weniger Krebstote zu erreichen seien.


Kritiker wollen noch nicht von Durchbruch sprechen
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Umstrittene HPV-Impfung - Kritiker betonen nach wie vor Zweifel
"Von einem Durchbruch in der Krebsprävention zu sprechen ist maßlos übertrieben", kritisiert Rosenbrock. Als elfthäufigste Krebserkrankung bei Frauen seien Gebärmutterhalstumore dank Früherkennung hierzulande - im Gegensatz zur Dritten Welt - "sehr selten". Darüber hinaus könnten diese Krebsfälle genauso mit einem verbesserten Früherkennungssystem minimiert werden - und das "weitaus kosteneffektiver". Theoretisch könnten bei optimaler Früherkennung 90 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhindert werden. "Wenn eine Frau regelmäßig zur Früherkennung geht, braucht sie keine Impfung - andersherum gilt das nicht", so Rosenbrock. Die Impfung schütze eben nur gegen zwei Typen der beim Sex übertragenen Humanen Papilloma-Viren, die Studien zufolge 70 Prozent aller Gebärmutterhalskrebse verursachen.


Kosten für Krankenkassen bei 1,1 Milliarden Euro
Die Kosten belaufen sich auf 170 Millionen Euro jährlich
Alle Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren zu impfen, wie es die Ständige Impfkommission am Berliner Robert Koch-Institut (Stiko) empfiehlt, und was damit von den Kassen übernommen wird, kostet laut Bundesverband der Betriebskassen zunächst 1,1 Milliarden Euro. Später sei mit jährlichen Kosten von 170 Millionen Euro zu rechnen. Nach Angaben des Berufsverbandes der Frauenärzte vom Oktober 2007 hat sich bisher gut ein Drittel der Mädchen impfen lassen.


Nobelpreisträger zur Hausen verteidigt die Impfung
Zur Hausen ist überzeugt vom Nutzen der Impfung
Der an der Entwicklung des Impfstoffs beteiligte Harald zu Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg lässt Rosenbrocks Kritik nicht gelten. "Sehr wohl" sei die Impfung ein "Durchbruch in der Krebsprävention", sagt er. Zum einen handele es sich weltweit um den zweithäufigsten Krebs bei Frauen, zum anderen schütze der Impfstoff auch vor den Krebs-Vorstufen, die bei der Vorsorge nur entdeckt werden könnten. 100.000 solcher Fälle gebe es bundesweit jährlich. Auch hier würden meistens Operationen nötig, die mit einer großen Belastung für die Frauen sowie Nachsorge-Terminen verbunden seien. Diese verursachten ebenfalls erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem.



Sanofi-Pasteur MSD soll viel am Impstoff verdienen
Papillomaviren
Vom Hersteller Sanofi-Pasteur MSD werden indes Erfolge in Aussicht gestellt. "Wir werden, wenn wir alles richtig machen mit diesen Impfprogrammen, 70 Prozent der Krebserkrankungen an Gebärmutterhalskrebs mit 100-prozentiger Sicherheit verhindern können", erklärt Dr. Gundula Schneidewind von "Sanofi-Pasteur MSD". Kritiker Becker-Brünser unterstellt der Stiko zudem, bei ihrer Entscheidung nicht unabgängig gewesen zu sein. So habe der damalige Vorsitzende Heinz-Josef Schmitt wenige Monate zuvor einen mit 10.000 Euro dotierten Preis angenommen, der von "Sanofi Pasteur MSD" gestiftet wurde. Auch andere Kommissionsmitglieder stünden auf der Gehalts-Liste von Pharmaunternehmen.





Todesfall nach Impfung hatte Diskussion ausgelöst
Nach dem Tod einer 19 Jahre alten Frau im Januar 2008 hatte die Diskussion um die Impfung mit Humanpapillomviren gegen Gebärmutterhalskrebs neue Nahrung bekommen. Doch medizinisch ist noch nicht belegt, dass die Impfung die schwere Gehirnerkrankung tatsächlich ausgelöst hat. Das Serum wurde sowohl von der europäischen als auch von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde als sicher eingestuft und freigegeben, weswegen Österreichs Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky keine Bedenken hat.Auch sei ein Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Tod der 19-Jährigen Frau unwahrscheinlich.

Gast
Zum Thema sprachen wir am 28. August 2009 mit der Ärztin und Gesundheitswissenschftlerin Prof. Ingrid Mühlhauser von der Uni Hamburg.
Glossar
Gebärmutterkrebs - Zweithäufigste Krebsform bei Frauen
Glossar
Papillomviren - Häufige Infektion
Literatur
Haug C (2009) The Risks and Benefits of HPV Vaccination. J Am Med A 302: 795-796 Slade B et al (2009) Postlicensure Safety Surveillance for Quadrivalent Human Papillomavirus Recombinant Vaccine. J Am Med A 302: 750-757 Kang LW et al (2008) Hypersensitivity reactions to human papillomavirus vaccine in Australian schoolgirls: retrospective cohort study. Brit Med J, DOI 10.1136/bmj.a2642 Javitt G et al (2008) Assessing Mandatory HPV Vaccination: Who Should Call the Shots? J Law Med Ethics 36: 384 - 395 Agrawal Y et al (2008) Oral Human Papillomavirus Infection Before and After Treatment for Human Papillomavirus 16–Positive and Human Papillomavirus 16–Negative Head and Neck Squamous Cell Carcinoma. Clin Cancer Res 14: 7143 - 7150 Jiabin A et al (2008) Inactivation of the CYLD Deubiquitinase by HPV E6 Mediates Hypoxia-Induced NF-?B Activation. Cancer Cell 14: 394 - 407
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25.01.2008, zuletzt aktualisiert am 28.08.2009 / mp mit Material von dpa, jus