Astronomen sehen das Licht der Supernova von 1572
Ereignis von 1572 erschütterte das Dogma von der Unveränderlichkeit des Himmels
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Mit modernen Teleskopen haben Astronomen um den Heidelberger Forscher Oliver Krause eine spektakuläre Sternexplosion aus dem 16. Jahrhundert noch einmal beobachten können. Die Forscher fingen das "Lichtecho" einer Supernova auf, die im Jahr 1572 als hellster Stern am irdischen Himmel aufgeflammt war. Mit moderner Technik war es nun möglich, Reflexe des Explosionsblitzes aufzufangen, die von Staub- und Gaswolken aus der Umgebung des Sterns zurückgeworfen wurden.
Wegen ihres Umwegs waren diese Reflexe 436 Jahre länger zur Erde unterwegs als der Blitz selbst. Auf diese Weise konnten die Forscher heute noch einmal Zeugen des damaligen Geschehens werden, wie das Max-Planck-Institut für Astronomie mitteilte. "Eine Supernova ist eine äußerst spektakuläre Leuchterscheinung, die den Tod eines Sterns markiert", schildert Dr. Oliver Krause. "Dabei wird in kurzer Zeit so viel Energie freigesetzt wie im ganzen Leben des Sterns. Dadurch wird er so hell wie eine ganze Milchstraße."
Die Analyse verbessere das Verständnis solcher Supernovae vom Typ Ia, die als wichtige Entfernungsmesser im Universum dienen. Bei dieser Form von Supernovae saugt ein Weißer Zwergstern Materie von einem großen Begleitstern, bis er eine kritische Grenze überschreitet, unter dem eigenen Gewicht kollabiert und in einer Art Wasserstoffbombenexplosion auseinandergerissen wird.
Da die kritische Grenze stets dieselbe ist, sind diese Supernovae immer in etwa gleich hell, so dass sich aus ihrer scheinbaren Helligkeit am irdischen Himmel ihre Entfernung von der Erde berechnen lässt. Tychos Supernova ist die erste derartige Sternexplosion in unserer Milchstraße, die vermessen werden konnte. Typ-Ia-Supernovae seien zuvor nur in anderen Galaxien direkt beobachtet worden, betonte das Institut.
Astronomen in Barcelona fanden 2004 den Vorläuferstern
Astronomen fanden 2004 die Sternenasche  © reuters
Die spanische Astronomin Pilar Ruiz-Lapuente von der Universität Barcelona und ihr Team kamen dem vermissten Stern 2004 bei einer akribischen Durchmusterung über dessen Geschwindigkeit auf die Spur: Er bewegt sich drei Mal so schnell durchs All wie seine Nachbarn. Der 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernte Stern gleicht in Helligkeit und Oberflächentemperatur unserer Sonne. Die Entdeckung liefert erstmals einen Beleg für die Theorie, dass nicht nur die Verschmelzung zweier Weißer Zwerge diesen Typ Supernova auslösen kann, sondern auch ein "überlebender" Begleitstern, der dann losgelöst durch den Kosmos fliegt. Der "neue" Stern, der im Herbst 1572 am Firmament aufleuchtete und im April 1574 wieder verschwand, war vom dänischen Astronomen Tycho Brahe (1546-1601) intensiv untersucht und beschrieben worden.
Tycho, der für seine exakten Positionsbestimmungen bekannt war, hatte die Himmelsposition der Supernova exakt vermessen und daraus geschlossen, dass der "neue" Stern weit jenseits des Mondes liegen musste. "Tycho Brahe war sicher der Erste, der in einer sehr modernen Weise die moderne Naturwissenschaft mitbegründet hat", sagt Krause: "Er hat Messgeräte aufgebaut, mit diesen Messgeräten präzise Messungen durchgeführt, diese Messungen beschrieben und die Grundlage für die moderne Wissenschaft geliefert, indem er sehr experimentell orientiert Daten sammelte."
Das stand im krassen Widerspruch zur damals vorherrschenden Vorstellung von der Welt und legte einen Grundstein für die umwälzenden Veränderungen des Weltbilds im ausklingenden Mittelalter. Die Explosion gehört seitdem zu den bekanntesten Supernovae in der Geschichte der Astronomie.


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Krause O et al (2008) Tycho Brahe's 1572 supernova as a standard type Ia as revealed by its light-echo spectrum. Nature 456: 617 - 619
Ruiz-Lapuente P et al (2004) The binary progenitor of Tycho Brahe's 1572 supernova. Nature 431: 1069 - 1072

"Sobre la supernova de Tycho Brahe" von der Uni Barcelona
"Ein tiefer Blick ins All" vom SWR
"Astronomen unternehmen Zeitreise zu einer Sternexplosion des 16. Jahrhunderts" vom Max-Planck-Institut für Astronomie

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28.10.2004, zuletzt aktualisiert am 02.04.2009 / mp mit Material von dpa
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