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Mit zunehmendem Alter wird es schwieriger, prägende Erinnerungen zu haben
Mit dem Alter ändert sich die Zeit-Wahrnehmung
Ältere Menschen haben eine hohe Erinnerungsdichte
"Experimente haben gezeigt, dass ältere Leute sich wesentlich besser an Dinge aus der Kindheit und Jugend erinnern als aus der Zeit, als sie 40 oder 50 waren", sagt Prof. Douwe Draaisma, Gedächtnisforscher.
"Man glaubt zwar in diesen Jahren der Ernte wichtige Dinge zu machen. Aber wenn man 70 ist, verschwindet gerade diese Phase in einem Tal der Erinnerung." Seine Erklärung: "Es passiert einfach nicht mehr so viel Neues und Erstmaliges wie mit 25. Das Ähnliche überlagert sich und es wird immer schwieriger, aus dieser globalen Erinnerung das Einzigartige herauszupicken. Dadurch schrumpft auch die Zeit."



Neue Eindrücke wirken gegen die Eintönigkeit
Hände
Erinnerungen verschwimmen im Alter
Einzige Abhilfe gegen das Versinken im schnell und eintönig fließenden Zeitstrom: Neue Eindrücke in der Innen- oder Außenwelt sammeln. Dabei gebe es das aus dem Urlaub bekannte Paradox der subjektiv im Urlaubsmoment rasch verfliegenden Zeit, die sich in der Rückschau dann jedoch zu einem langen, prallgefüllten Zeitbogen dehne. Die Rückkehr zu den Kindheitserinnerungen mit fortgeschrittenem Alter sei zudem oft mit Gerüchen verbunden.


Erinnerung sollen auf die Zukunft vorbereiten
Wem beim Erinnern an ein verpatztes Einmaleins in der Schule noch immer der Schweiß auf die Stirn tritt, der ist damit gut auf Künftiges vorbereitet. "Rein technisch gesprochen ist das Gedächtnis nicht für das Aufbewahren der Vergangenheit da, sondern um uns für die Zukunft auszurüsten", sagt Draaisma. "Unser Gedächtnis ist sehr gut im Speichern von Sachen, die wir in der Zukunft zu vermeiden hoffen."

Das Traurige ist, dass sich Glücksgefühle nicht ebenso einbrennen - eben weil sie für die Zukunft nicht so relevant sind", sagt Draaisma. Je weiter die Erinnerung in der Vergangenheit liegt, desto mehr distanziert man sich von ihr auf der emotionalen Ebene. "Erinnerungen verändern sich mit jedem Abruf", erklärt Markowitsch. Sie werden auf diese Weise auch resistenter gegenüber Veränderungen und Reflexionen. "Der ältere Mensch behandelt sie wie Faktenwissen und nicht mehr so sehr wie ein persönliches Erlebnis", ergänzt Prof. Harald Welzer vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen.

"Neurobiologisch gibt es demnach eine Erklärung dafür, warum Zeitzeugen eine Sicht auf die selbst erlebte Geschichte haben, die den historischen Fakten nicht unbedingt entspricht." Wie wir unsere Lebensgeschichte erzählen und bestimmte Ereignisse bewerten, verändert sich folglich im Laufe des Lebens durch ein Wechselspiel biologischer und sozialer Einflussfaktoren. Auch auf neuronaler Ebene spiegeln sich diese Verschiebungen wider.

Schwerpunkt
Das Gehirn: Wie die Informationen verarbeitet werden
Buchtipp
Douwe Draaisma
Warum das Leben schneller vergeht, wenn man älter wird
Von den Rätseln unserer Erinnerung
Verlag: Eichborn
3-8218-0722-9
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26.10.2004, zuletzt aktualisiert am 16.10.2009 / dpa / mp, jus