Affe denkt, Roboter handelt: Kontrolle über Elektroden
Zwei Versuchstiere haben in einem US-Labor ihre eigenen Arme nicht mehr benutzt
Bei einem Tierversuch in den USA haben Affen 2003 ausschließlich über im Gehirn eingepflanzte Elektroden den Arm eines Roboters gesteuert. Wissenschaftler hoffen langfristig, gelähmten Menschen mehr Autonomie verschaffen zu können. Zwei Versuchstiere hätten ihre eigenen Arme nicht mehr benutzt und ein Computerspiel nur mit Hilfe der Roboterarme gespielt, Neurobiologe Miguel Nicolelis von der Duke-Universität berichtete, er wolle versuchen, die Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen.
Unter anderem müsse die gesamte Technik verkleinert werden, um auch außerhalb des Labors genutzt werden zu können. Potenzielle Nutzer sind demnach unter anderem gelähmte Unfallopfer. Auch Patienten, die durch die Parkinsonsche Krankheit die Kontrolle über ihre Muskeln verlieren, könnte auf diese Weise möglicherweise geholfen werden.
Einem Affen wurden zufolge knapp Hundert und einem zweiten mehr als 300 Elektroden in die Bereiche des Gehirns eingepflanzt, die für Muskelbefehle zuständig sind. Bereits 2000 hätten die Affen Roboterarme durch Hirnelektroden gesteuert, sie bewegten aber gleichzeitig noch die Arme. Ein Affenweibchen habe als erste verstanden, dass dies nicht nötig ist. "Ihre Armmuskeln wurden ganz ruhig, sie hielt die Arme am Körper und sie kontrollierte den Roboterarm ausschließlich durch ihr Hirn und das visuelle Feedback", sagte Nicolelis.
Die eingepflanzten Mikroelektroden sind demnach kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares. Sie empfangen die Signale, die bestimmten Bewegungen entsprechen, und übertragen sie auf ein speziell entwickeltes Computersystem. Dies wiederum übersetzen sie in Bewegungen des Roboterarms.

Das Gehirn: Verdrahtungen zwischen Chip und Nerv


Carmena JM et al (2008) Learning to Control a Brain-Machine Interface for Reaching and Grasping by Primates. PLoS Biol 1: e42

Schwerstbehinderter spricht dank Hirnelektroden wieder
Computer mit Mimik, Gestik oder gar Gedanken steuern
"Hirnschrittmacher" zwischen Medizin und Missbrauch
Allein der Gedanke bewegt den Cursor und die Hand

14.10.2003, zuletzt aktualisiert am 03.04.2008 / reuters / mp
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