Eisbär Video
Wissenschaftler vermuten, dass Eisbärpopulationen weiter schrumpfen werden
Rückzug der Eisbären
Eisbären kommen schwerer an Beutetiere
Die Zahl der Eisbären im Nordwesten der kanadischen Arktis und im US-Bundesstaat Alaska ist seit der Jahrtausendwende offenbar stark gesunken.
Seit 2000 sei ein Rückgang von 40 Prozent zu verzeichnen, berichteten kanadische und US-amerikanische Forscher. Für die Entwicklung machten sie vor allem den Klimawandel verantwortlich, in dessen Folge das Packeis abschmilzt, das Eisbären als Lebensraum und Jagdgebiet dient. Allerdings seien auch andere Ursachen denkbar.

Besonders stark schrumpfte die Population laut der Studie zwischen 2004 bis 2007. In diesem Zeitraum seien in Alaska 80 Jungtiere kontinuierlich beobachtet worden, von denen ihren Erkenntnissen zufolge nur zwei überlebt hätten, berichteten die Forscher.

Danach habe sich die Lage in der Region wieder verbessert, hieß es. 2010, im letzten Jahr der Studie, habe die Zahl der Tiere stabil bei 900 gelegen. Die Forscher warnten jedoch, dass die Bedingungen für Eisbären in der Arktis, vor allem für Jungtiere, weiterhin "unvorteilhaft" seien.

Klimawandel lässt Eisbären auf Spitzbergen hungern
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Wer zu spät geht, der muss hungern: kein Futter auf Spitzbergen für Eisbären (Bericht vom 30. Dezember 2012)
Das Eis auf Spitzbergen schmilzt immer früher, was Eisbären in Nöte bringt: Diejenigen, die die Insel nicht rechtzeitig verlassen, müssen von ihren Fettreserven leben. Doch die Zeit, sich diese anzufressen, wird immer kürzer. Ausweichmöglichkeiten gibt es für viele Tierarten in diesem sensiblen Ökosystem nicht. 3000 Eisbären leben auf und um den Svalbard-Archipel mit seiner Hauptinsel Spitzbergen, die meisten von ihnen auf den östlichen Inseln des Archipels.

Eisbären sind zu ihrem Überleben auf das Packeis angewiesen, denn hier machen sie Jagd auf Robben, die ihre Hauptnahrung sind. Satellitenaufnahmen zeigen jedoch, dass die Gesamtoberfläche des arktischen Packeises in den Sommermonaten 2005 bis 2008 die geringste der vergangenen drei Jahrzehnte war. Zahlreiche Wissenschaftler fürchten, dass das Packeis schon in naher Zukunft in den Sommermonaten ganz schmelzen könnte, was katastrophale Auswirkungen für die Eisbären hätte.

Umweltgifte auf den Arktischen Inseln
Zudem gefährden Umweltgifte den Bestand: Forscher im arktischen Svalbard haben herausgefunden, dass jeder hundertste Bär Hermaphrodit ist, also die Sexualorgane beider Geschlechter besitzt. Vermutlich kommt der Effekt dadurch zustande, dass die Wildtiere PCB (polychlorierten Biphenylen) ausgesetzt sind, die ihr Immunsystem schädigen. Das wurde auch an anderen Wildtieren in allen Teilen der Welt beobachtet, wenngleich das auf den Arktischen Inseln zwischen Norwegen und Nordpol bis vor einem Jahrzehnt unbekannt war.

PCB wurden für elektrische Geräte produziert, und obwohl viele Länder sie jetzt verboten haben, gibt es ein Reservoir dieser Chemikalie, die in die Umwelt entwichen sind. Auf den Arktischen Inseln gibt es eine kurze und einfache Nahrungskette vom Plankton über den Fisch zum Bären.

Weibliche Bären auf Svalbard bekommen männliche Genitalien, einen Penis-ähnlichen Stumpf - im Unterschied zu anderen Tierarten, bei denen in der Regel die Männchen "verweiblichen". Betroffen sind auch Arktis-Möwen auf Grund der PCB, des DDT und der Dioxine.

Eisschmelze treibt Eisbären zum Kannibalismus
Die Eisschmelze im Polarmeer könnte Eisbären dazu treiben, sich gegenseitig zu fressen, befürchten US-amerikanische und kanadische Forscher. Die Wissenschaftler entdeckten, dass sich Eisbären auch gegenseitig auffressen - offenbar aus Hunger. Zwar kann es vorkommen, dass die mächtigen Säugetiere sich gegenseitig töten, jedoch geschieht dies nur zur Regulierung der eigenen Population oder bei Rangkämpfen. Kannibalismus zum Stillen des Hungers ist in 40 Jahrzehnten Eisbärforschung noch nicht vorgekommen, berichten die Wissenschaftler.

Interaktiv
Klima am Scheideweg
Im Amazonas-Regenwald oder im Grönländischen Eisschild könnten schon kleine Veränderungen schwere Folgen für das Klima haben, fanden Klimaforscher aus Potsdam heraus.
Mediathek
Video"Kindergarten" der Eisbären leidet an Klimawandel
Auch das Eis an der sibirischen Wrangel-Insel schmilzt immer früher, und "das macht Eisbären schwer zu schaffen", schildert Ranger Igor Petrovitsch Olejnikov. (Beitrag vom 13. Februar 2012)
Infografik
LupeDie Nord-West-Passage und die Nord-Ost-Passage sind mittlerweile im Sommer eisfrei
Glossar
Arktis - die eisige Zone des "großen Bären"
Die Arktis ist das um den Nordpol gelegene Land- und Meergebiet im Nördlichen Polarkreis. Der größte Teil besteht aus dem zu 80 Prozent von Eis bedeckten Nordpolarmeer, das das Zentrum der Arktis ist.
Links
Bromaghin J et al (2015) Polar bear population dynamics in the southern Beaufort Sea during a period of sea ice decline. Ecol Appl 25: 634–651 Pagano AM et al (2011) Long-distance swimming events by adult female polar bears in the southern Beaufort and Chukchi seas. (Abstract, WWF, PDF)