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Angstschweiß aktiviert bestimmte Regionen des Gehirns
Wir können die Angst der Anderen riechen
Das Gefühl aktiviert bestimmte Areale im Gehirn
Menschen können nach einer Studie Düsseldorfer Psychologen die Angst anderer unbewusst über die Nase wahrnehmen. Damit sei der Nachweis gelungen, dass auch beim Menschen Gefühle chemisch übertragen werden.
Weltweit erstmals liege dieser Nachweis vor, sagte die Psychologin Prof. Bettina Pause von der Universität Düsseldorf am 14. Juli 2009. Dies war bisher nur aus der Tierwelt bekannt. "Fliegen, Fische oder Nagetiere, alle kommunizieren Stress chemisch."

Hat ein Mensch Angst, bildet er im Schweiß bestimmte Moleküle. Nimmt ein anderer Mensch diese wahr, werden in seinem Hirn die Regionen aktiviert, die für Mitleid und das Erkennen von Angstzuständen zuständig sind. Dabei müsse der Angstgeruch keineswegs bewusst wahrgenommen werden, sagte Pause.

Während der knapp zehn Jahre laufenden Untersuchungen der Düsseldorfer Psychologen haben sie Proben von 50 Schweißspendern genommen. Mittels Wattepads unter den Armen lieferten die Studenten zunächst Angstschweiß aus einer Prüfungssituation ab, wenige Tage später Schweiß, der beim Sport erzeugt wurde.

Diese Gerüche wurden über ein Olfaktometer in die Nasen von 28 Probanden übertragen, deren Gehirnaktivitäten gleichzeitig gemessen wurden. Lediglich die Hälfte von ihnen habe überhaupt bewusst Schweißgeruch wahrgenommen, sagte die Wissenschaftlerin.

Angstschweiß steckt andere an, Sportschweiß nicht
Klar gezeigt habe sich, dass nur beim Übermitteln der Angstschweiß-Proben genau die Hirnareale aktiviert wurden, die auf ein "emotionales Widerspiegeln" der Gefühle anderer sowie auf das Erkennen von Angstmerkmalen spezialisiert sind. Beim Sport-Schweiß habe es hingegen überhaupt keine messbaren Hirnreaktionen gegeben. Pause: "Das bedeutet, dass Angst, wenn sie geruchlich wahrgenommen wird, ansteckend wirkt und empathisches Miterleben auslöst."

Das Erkennen der Angst anderer Menschen "verändert als eine Art Frühwarnsystem die Wahrnehmung in Richtung Gefahr", erläuterte die Wissenschaftlerin. Dies helfe bei der Klärung oft mehrdeutiger sozialer Situationen etwa bei der Konfrontation mit einer unbekannten Menschenmenge. Hier werde dann ein Rückzugsverhalten eingeleitet.

Noch sei die molekulare Zusammensetzung der Schweißarten ebenso ungeklärt wie die Frage, wie weit der Duft der Angst wirke: "Wir denken, es sind Moleküle, die eine gewisse Distanz überwinden", sagte die Wissenschaftlerin. Wer mit Körperhygiene gegen seine ängstliche Ausstrahlung angeht, hat nach Forscherurteil kaum Chancen: "Deo-Roller können nur für bestimmte Zeit die Signale stören."

Literatur
Prehn-Kristensen A et al. (2009) Induction of Empathy by the Smell of Anxiety. PLoS ONE 4: e5987. DOI:10.1371/journal.pone.0005987
Schwerpunkt
© apWege aus der Angst: Methoden und Therapie
Ein bis zwei Prozent der deutschen Bevölkerung leiden nach Angaben des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) an Angstkrankheit. In Beruf wie Privatleben kann sie Betroffene stark beeinträchtigen.
Schwerpunkt
Das Riechen - uralte Fähigkeit der Lebewesen
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15.07.2009, zuletzt aktualisiert 01.10.2009 / dpa / jus