Pottwal
Pott- und andere Wale hinterlassen ganz verschiedene akustische Spuren
Oliver Boisseau lauscht dem Gesang der Wale
Die Arten verhalten sich akustisch sehr verschieden
Der Meeresbiologe Oliver Boisseau belauscht Wale, um mehr über ihr Verhalten zu erforschen, ohne sie in ihrem Lebensraum zu stören. Darum segelt sein Forschungsschiff oft, damit kein Motorengeräusch stört.
Schnabelwale stranden häufig. Viele Wissenschaftler behaupten, dass das an der zunehmenden Lärmbelastung in den Meeren liegt. Einige Studien deuten darauf hin, dass die Laute der Schnabelwale im gleichen Frequenzbereich liegen wie die des militärischen Sonars. "Schnabelwale hauen sofort ab, wenn sie ein Schiff hören", schildert Boisseau. "Sie atmen völlig unauffällig." Sie geben erst in 600 Metern Tiefe Laute von sich und sind schwer zu entdecken.

Einfach zu finden sind Brydeswale. Die großen Bartenwale sind noch leicht zu finden, weiß Boisseau. "Wenn der Wal ausatmet, gibt es eine riesige Wassersäule, die man bei guten Bedingungen kilometerweit sehen kann."

Wale holen an der Oberfläche Luft und pumpen diese vom Kehlkopf in die Lungen oder zurück - kleine Ventile sorgen für die bis zu 170 Dezibel starken Laute im Bereich von weniger als 100 Hertz. Die D-Laute geben beide Geschlechter von sich, die stundenlangen AB-Laute hört man nur von den Männchen. "Die männlichen Tiere verwenden die Gesänge in vielen Situationen, die alle mit der Fortpflanzung zu tun haben", erläutert Erin Oleson. "Sie locken damit Weibchen über viele Kilometer an, verscheuchen aber auch andere Männchen von Plätzen, wo es viel Futter gibt oder wo Weibchen sind. Manchmal ist ihr Gesang auch einfach Angeberei."

Die Tonspur der Wale - Erkundungen im Mittelmeer
Zahnwale sind Sonarexperten, die sich mittels Schall und Echoortung verständigen und orientieren. Die Klicks, die sie aussenden, werden von jedem Objekt als Echo zurückgeworfen und informieren sie auch in absoluter Dunkelheit darüber, was und wo es ist. So konnte eine Mittelmeerexpedition junger Walforscher sie 2004 im Mittelmeer mit Hydrofonen ausfindig machen.

Wale aus Westpazifik übernehmen Gesang aus Indik
Buckelwal © ap graphicsbank Lupe
Buckelwale mögen Schlager
Wie die Wissenschaftler der Universität Sydney 2000 berichteten, haben singende Buckelwale aus dem Westpazifik von ihren Artgenossen aus dem Indischen Ozean einen neuen Gesang übernommen. Die Forscher nahmen zwischen 1995 und 1998 vor dem Great Barrier Reef vor der australischen Ostküste die Gesänge männlicher Buckelwale auf. Dort ziehen die Meeressäuger zweimal im Jahr auf ihrem Weg von und zu ihren Paarungsgebieten vorbei. 1995 und 1996 sangen noch 80 von 82 Walen das gleiche "Lied", mit dem sie im Brautwerbungs-Ritual auf sich aufmerksam machen. Die beiden anderen hatten einen vollkommen anderen Gesang, den die Wissenschaftler von den Walen im Indischen Ozean vor der australischen Westküste kannten.

Ein Jahr später hatte der Gesang der beiden Immigranten die anderen Wale angesteckt, und er entwickelte sich rasant zu einem Hit. Auf dem Weg in den Norden nutzte ein Großteil der 112 Meeressäuger Versatzstücke des neuen Gesangs mit Teilen des alten. Auf dem Rückweg in den Süden sangen fast alle Männchen das neue "Lied". 1998 schließlich hatte es sich durchgesetzt, und alle brachten nur noch den neuen Gesang zu Gehör.

"Das rasante und vollständige Ersetzen eines komplexen Gesanges binnen weniger als zwei Jahren ist eher revolutionär als evolutionär", erklärte das Forscherteam. Dies zeige, dass Neuheiten den Gesang der Buckelwale beeinflussen. Eine derartige "kulturelle Revolution" sei bisher bei den Lautäußerungen anderer Tiere nicht bekannt.

Pottwale haben auch verschiedene "Dialekte"
Jeder der Pottwal-Clane hat einen eigenen Dialekt; sie leben in sozialen Gemeinschaften mit mehreren tausend Mitgliedern. Die Dialekte haben 2003 kanadische Biologen gefunden, die 15 Jahre lang Tonaufnahmen gemacht und miteinander verglichen haben. Die Wale verständigen sich durch Klick-Laute. Die Forscher konnten drei verschiedene Clans anhand der unterschiedlichen Dialekte ausmachen. Dass die Wale eines Clans den gleichen Dialekt sprechen, liegt nicht an den Genen. Denn genetische Vergleiche haben ergeben, dass die Wale eines Clans nicht unbedingt miteinander verwandt sein müssen. Für die Wissenschaftler stellen die Dialekte daher eine Lernleistung dar.

Dialekte zeigen willkürliche Populationsgrenzen
Blauwal © ap Lupe
Blauwale lassen sich ungern ein- und schon gar nicht zerteilen
"Die Blauwale im südlichen Ozean leben um die ganze Antarktis herum mit dem gleichen Gesang", sagt Walforscher John Hildebrand vom kalifornischen Scripps-Institut, dem ältesten Ozeanografieinstitut der Welt. "Das steht ganz und gar im Gegensatz zur Bestandsstruktur der Internationalen Walfangkommission. Sie behauptet, es gebe sechs verschiedene Populationen in der Antarktis. Um es den Walfängern bequem zu machen, teilt sie die Bestände nach den Längengraden ein."

Die Forscher unterscheiden neun Dialekte, die sich nicht mit den Populationsgrenzen der Walfangkomission decken. "Die Gesänge dagegen zeigen, wie die Wale sich selbst organisieren." Die gejagten Wale in der Antarktis sind extrem bedroht, während sich die Population vor Kalifornien, wo nicht gejagt wird, wieder erholt.

Schwerpunkt
Schlaue Meeressäuger weiter unter Beschuss
Für die Wale wird die Lage immer bedrohlicher: Die 85 Mitgliedstaaten der Walfangkommission konnten 2009 auf ihrer Jahrestagung in Portugal keine Fortschritte erzielen. Südkorea will direkt auf die Jagd gehen.
Glossar
Die Wale - 90 Arten der schlauen Meeressäuger
Weltweit leben 90 Walarten in zwei Unterordnungen - die Bartenwale (Blauwal, Finnwal, Buckelwal) und die Zahnwale (Pottwal, Narwal, Delfine). Die Säugetiere werden zwischen einem und 33 Metern lang.
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Die "Blasenschleiertechnik" hat am Dienstag, 17. Februar 2009 die vom Aussterben bedrohten Schweinswale vor Sprengungslärm geschützt. Der ist beim Sprengen von Munition in der Ostsee entstanden.
Literatur
Oleson EM et al (2007) Behavioral context of call production by eastern North Pacific blue whales. Marine Ecol Prog Ser 330: 269 - 284 (PDF)
Links
Scripps Oceanography Research Studies Shed New Light on Blue Whales and Their Calls Die Walstimmen als Flash-Animation
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30.11.2000, zuletzt aktualisiert am 04.09.2009 / mp mit Material von dpa, ap und afp