"Big Brother" schreckt in Großbritannien nicht mehr ab
Experten: Überwachung hilfreich vor Gericht, aber ohne abschreckende Funktion
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"Big Brother" läuft in Großbritannien nicht nur im Fernsehen, sondern begleitet täglich auch Millionen von Menschen zur Arbeit. Wer sich zum Beispiel in der Londoner Innenstadt bewegt, wird pro Tag durchschnittlich mehr als 300 Mal von Sicherheitskameras gefilmt. Nirgendwo in Europa ist die Kameradichte so hoch wie in der britischen Hauptstadt, im ganzen Land bewachen mehr als vier Millionen Kameras die Briten rund um die Uhr. Eine Ausweitung scheint da noch kaum möglich.
Doch nach den im Juni gescheiterten Terroranschlägen von Glasgow und London fordern Politiker und Polizei eine Verbesserung des Überwachungssystems. Kameraaufnahmen waren wichtige Beweise im kürzlich zu Ende gegangenen Prozess gegen sechs Männer, die am 21. Juli 2005 - zwei Wochen nach den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn und einen Bus - ein ähnliches Attentat geplant hatten.
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Der Jury wurden Bilder gezeigt, auf denen ein Terrorverdächtiger in einen Zug steigt und versucht, eine Bombe zu zünden. Solche Aufnahmen seien zwar vor Gericht hilfreich, sagen Experten, aber ihre abschreckende Funktion hätten die Kameras längst verloren. "Selbstmordattentäter planen keine Rückkehr, daher stört es sie auch nicht, wenn sie vor der Tat gefilmt werden", erklärt David Murakami Wood, ein Experte zum Thema Videoüberwachung von der Universität Newcastle. Aufhalten ließen sich durch die CCTV-Kameras Terroristen kaum. "Ganz im Gegenteil", sagt Wood, die entstandenen "Märtyreraufnahmen" seien sogar im Interesse der Attentäter.
Jetzt soll es mit einer speziellen Computersoftware unter anderem möglich sein, verdächtiges Verhalten aus den Videoaufnahmen herauszufiltern. Dies soll der Polizei den Zugriff ermöglichen, bevor es zu einem Verbrechen komme. Auch eine biometrische Gesichtserkennung, wie sie bereits in Deutschland - allerdings erfolglos - getestet wurde, soll in Zukunft eingesetzt werden.
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Seit Mitte Juli darf die Polizei zudem Bilder aus den 1500 Kameras, die die Londoner Verkehrsbehörde zum Eintreiben der Maut einsetzt, zum automatischen Kfz-Kennzeichen-Abgleich benutzen. So ging der Polizei beispielsweise ein Terrorverdächtiger im Zusammenhang mit den versuchten Anschlägen vom Juni ins Netz. Mohammed Asha, ein jordanischer Arzt, wurde auf der Autobahn verhaftet. Angesichts der Bedrohung durch den Terrorismus seien die Maßnahmen gerechtfertigt, sagt der Direktor der Menschenrechtsorganisation Privacy, Roger Smith, in einem Interview.
Smith sorgt sich vielmehr um die ständig zunehmende Speicherung von persönlichen Daten. Die britische Regierung hat nach Medienangaben die umfassendste Datenbank für DNA-Proben und Fingerabdrücken weltweit. Nach einem Bericht der für Datenschutz zuständigen Behörde Information Commissioners Office von 2006 hat die Polizei etwa sechs Millionen Fingerabdrücke und DNA-Proben von 3,5 Millionen Menschen in ihrer Datenbank gespeichert.
Die Überwachungsmanie bringt auch Ungewöhnliches zu Tage: Mit Hilfe der CCTV-Kameras wollten Polizisten in West Yorkshire kürzlich einem Hund auf die Spur kommen, der sein Häufchen stets an einer Stelle platzierte. Nach Durchsicht des Filmmaterials stellte sich aber heraus: Nicht ein Hund, sondern ein Mann nutzte den Fleck des Öfteren für sein Geschäft.


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08.08.2007 / dpa / mp
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