Bonner Ärzte raten zur Magnetresonanz-Tomographie
Die Methode könne mehr Brustkrebstumoren entdecken als die Mammographie
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Die teure Magnetresonanz-Tomographie kann mehr Brustkrebstumoren entdecken - doch die Kassen zahlen sie nicht, weiß die Bonner Radiologin Prof. Christiane Kuhl: "Ich kann keine flächendeckende Früherkennung mit Kernspin-Tomographie fordern, denn das ließe das Gesundheitssystem zusammenbrechen." Die Untersuchung über Kernspin müsse dann möglich sein, wenn "wir Mammographie oder Ultraschall Probleme haben, speziell dann, wenn eine brusterhaltende Behandlung geplant ist."
Sie fordert "eine adäquate, faire und sachgerechte Aufklärung der Frauen über Möglichkeiten und Grenzen der allein mammographischen Früherkennung." Bei der Untersuchung von 6000 Frauen haben die Bonner Forscher mit der MRT in 40 Prozent der Fälle Tumoren entdeckt, die bei der Mammographie unentdeckt geblieben waren. Drei Viertel dieser Tumoren waren hoch aggressiv.
"Es gibt mehr als 20 Studien, die zu dem Ergebnis kommen, dass die Brustkrebsdetektionsraten mit der Kernspintomographie deutlich höher liege als mit der Mammographie", schildert Kuhl, aber: "Die Kernspin-Tomographie ist tatsächlich häufiger falsch-positiv, findet aber auch häufiger tatsächlich Karzinome. Das Verhältnis solcher Fehlalarme zur Zahl der tatsächlich gefundenen Karzinome ist für die Kernspintomographie sogar besser, als es für die Mammographie ist."
Die Bonner Vorgängerstudie aus 2003 mit einer kleineren Zahl von Patientinnen - 462 Frauen über einen Untersuchungszeitraum von fünf Jahren - ließ die Mediziner 96 Prozent aller Brusttumoren per MRT finden. Insgesamt entdeckten sie 51 Brusttumore, von denen lediglich jeder vierte tastbar war. Der Ultraschall entdeckte 47 Prozent, die Mammographie 42.
Die MRT lieferte seinerzeit die wenigsten falsch-positiven Ergebnisse: In mehr als 54 Prozent aller Verdachtsfälle fanden die Ärzte bei der Gewebeentnahme tatsächlich einen Tumor. Die Mammographie war mit 26 Prozent deutlich weniger treffsicher, was wahrscheinlich durch das meist sehr dichte Drüsengewebe bei den jungen Frauen verursacht wurde. Am niedrigsten lag der "Vorhersagewert" beim Ultraschall, bei dem nur in 16 Prozent der Verdachtsfälle tatsächlich ein Karzinom vorlag.
Röntgenstrahlung der Mammographie ist nicht ohne Risiko
Die MRT arbeitet ohne Radioaktivität
Die Mammographie macht Tumoren mit niedrig dosierter Röntgenstrahlung sichtbar. Röntgenstrahlung wirkt aber grundsätzlich auch in niedriger Dosierung mutagen. Für Patientinnen mit defekten Tumorsuppressor-Genen sind daher selbst diese geringen Strahlendosen nicht ohne Risiko, da bei ihnen mutierte Zellen häufiger als normalerweise zu Krebsgeschwulsten heranwuchern. "Da sich diese Frauen zudem schon sehr früh einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung unterziehen, sind sie im Laufe ihres Lebens einer höheren Röntgendosis ausgesetzt - und das, obwohl man gerade ihnen so wenig Strahlung wie möglich zumuten sollte", so Kuhl. Außerdem ist das Brustgewebe in jungen Jahren dichter, so dass die Mammographie schlechtere Ergebnisse liefert.
Häufig ist eine Mutation in BRCA1 und BRCA2 der Auslöser
Ein Teil der Fälle ist genetisch bedingt
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 57.000 Frauen an Brustkrebs. 17.500 von ihnen sterben daran - 30 Prozent. Vier bis neun Prozent aller Brustkrebsfälle haben genetische Ursachen. Häufig ist eine Mutation in einem der beiden Tumorsuppressor-Gene BRCA1 ("Breast Cancer 1", Brustkrebs 1) und BRCA2 der Auslöser - Erbanlagen, die normalerweise verhindern, dass sich eine krankhaft veränderte Zelle zu einem Tumor entwickelt. Die Erbanlage BRCA1 gehört zur körpereigenen Krebsabwehr: In ihrer intakten Form spielt sie eine zentrale Rolle bei der Kontrolle der Zellteilung. Dabei aktiviert sie das Selbstmordprogramm der Zelle, wenn die DNA nicht korrekt verdoppelt wird. Ist das Gen defekt, steigt das Krebsrisiko. Die Bedeutung von BRCA1 für Brustkrebs wurde 1994 entdeckt. Bei Frauen mit Mutationen in diesem Gen steigt das Risiko für Brusttumore auf bis zu 80 Prozent.
Mittlerweile wurden mehrere weitere Erbanlagen gefunden, die das Brustkrebsrisiko erhöhen, darunter die Erbanalage BRCA2. Mutationen in den beiden BRCA-Genen sind für den Großteil der erblichen Brustkrebsfälle verantwortlich. "Diese machen aber nur einen kleinen Teil von rund fünf Prozent der Erkrankten aus", erläutert die Kölner Gynäkologin Rita Schmutzler. BRCA-Mutationen erhöhen jedoch nicht nur das Brustkrebsrisiko, sondern auch die Gefahr anderer Karzinome wie etwa Eierstock-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Ein Gentest untersucht, ob die BRCA-Gene verändert sind
Ein Fall in der Verwantschaft spricht für erhöhtes Risiko
Ein Gentest kann feststellen, ob es DNA-Veränderungen auf den beiden bislang bekannten Brustkrebsgenen gibt. Die Untersuchung kann sinnvoll sein, wenn in einer Familie zwei miteinander nah verwandte Frauen an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind, darunter eine vor ihrem 50. Geburtstag. Auch in Familien, bei denen eine Frau schon mit 30 Jahren oder früher Brustkrebs bekommen hat, kann ein DNA-Test sinnvoll sein. Frauen mit der erblichen Veränderung wird geraten, an einem intensiven Früherkennungsprogramm teilzunehmen.
Mit Wirkung vom 24. März 2003 hat der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen die Einführung des Mammographie-Screening-Programms zur Früherkennung von Brustkrebs als Kassenleistung beschlossen. Demnach haben alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren das Recht, auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre eine qualitätsgesicherte Röntgenuntersuchung beider Brüste auf zwei Ebenen durchführen zu lassen.
Die Richtlinien zum Mammographie-Screening entsprechen den geltenden Qualitätsstandards der Europäischen Union. Sie sehen vor, dass nur fachlich besonders qualifizierte Ärzte die Mammographien durchführen dürfen. Im Rahmen der Qualitätssicherung hat außerdem jede Patientin das Recht auf eine zweite Befunderhebung durch einen anderen, unabhängigen Facharzt.
Die Röntgengeräte müssen den festgelegten Qualitätsstandards entsprechen und regelmäßig überwacht werden. Die betroffenen Frauen sollen individuell in eine wohnortnahe Einrichtung, die die Qualitätsstandards erfüllt, eingeladen werden. Das Screening-Programm soll den Frauen flächendeckend zur Verfügung stehen und ab sofort schrittweise umgesetzt werden.
Jede zehnte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg wird jährlich bei 45.000 Frauen die bösartige Tumorerkrankung festgestellt. Damit ist Brustkrebs (Mammakarzinom) in Deutschland die häufigste Krebsart bei Frauen. Insgesamt hat die Erkrankung in Europa in den letzten 20 Jahren zugenommen.


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Diagnose Krebs: Brust zwischen Rettung und Verlust


Kuhl CK (2008) The "Coming of Age" of Nonmammographic Screening for Breast Cancer. J Am Med Assoc 299: 2203 - 2205

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30.10.2003, zuletzt aktualisiert am 04.02.2009 / mp mit Material von dpa und idw
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