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Auf die Gene kommt es an: Das Gen ITIH5 kann die Therapie beeinflussen
Brustkrebs-Therapie nach Maß mit ITIH5
Tumorsupressor-Gen bestimmt Heilungschancen
Ein krebsrelevantes Gen kann möglicherweise vielen Frauen die Chemotherapie ersparen, hofft Prof. Edgar Dahl von der Uni Aachen.
Das Tumorsupressor-Gen ist nach Erkenntnissen seines Teams wichtig, um die Heilungschancen von Patientinnen mit Brusttumoren vorherzusagen, deren Lymphknoten in den Achselhöhlen nicht befallen sind. Vielen Patientinnen dieser Gruppe könne nach jetziger Einschätzung die Übertherapierung durch eine genetische Analyse erspart werden.

"Im genetischen Profil des Tumors steckt genügend Information über dessen Aggressivität und damit über das Rückfall-Risiko der individuellen Patientin", stellte Dahl fest. Das Tumorsupressor-Gen ITIH5 habe die Aufgabe, das Tumorwachstum zu unterdrücken. Im Verlauf der Tumorerkrankung könne die Funktion nach und nach ausgeschaltet werden. Patientinnen mit dem funktionstüchtigen Gen hätten ein geringes Rückfall-Risiko und eine "sehr gute" Prognose. "Wir können die Veränderungen messen", sagte der Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Onkologie.

Bei Früherkennungsprogrammen sind bei der deutlichen Mehrheit der Brustkrebspatientinnen die Lymphknoten der Achselhöhlen nicht befallen. Metastasen in anderen Organen könnten nahezu ausgeschlossen werden. Trotzdem bekämen 80 Prozent der Patientinnen mit diesem "nodal-negativen Brusttumor" eine Chemotherapie, "obwohl dies nur bei 30 Prozent der Patientinnen dieser Gruppe notwendig wäre", so Dahl. Die Annahmen müssten aber in großangelegten Studien bewiesen werden. Bis zur Anwendung könne es bis 2015 oder länger dauern.

Das Protein Maspin bestimmt über die Rückfälle
Brust Lupe
Weniger Rückfallgefahr mit dem Protein Maspin
Das Protein Maspin könnte laut Pier Franco Ferrucci vom Europäischen Institut für Krebsforschung der Schlüssel für die Bestimmung des Rückfallrisikos sein. Maspin wird von den Epithelzellen der Brust produziert. Es verfügt über die Fähigkeit, das Tumorwachstum zu unterdrücken. 2000 testete das Team 48 Patientinnen auf eine Reihe von Substanzen, die mit Brustkrebs in Verbindung gebracht werden. Es stellte sich heraus, dass Frauen mit höheren Maspin-Werten, über ein geringeres Rückfallrisiko verfügten. Bei zehn Frauen war dieses Phänomen besonders deutlich zu beobachten. Bei allen waren zwanzig oder mehr Lymphknoten vom Krebs betroffen. Fünfzehn Monate später hatten acht dieser Frauen keinen Rückfall erlitten. Alle verfügten über hohe Maspin-Werte.

Mehr als die Hälfte der Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs sterben trotz Chemotherapie und Bestrahlung innerhalb von fünf Jahren. Bei einer von fünf Patientinnen entstehen innerhalb von zehn Jahren sekundäre Karzinome.

Die Risikofaktoren für Brustkrebs multiplizieren sich
Mammographie © dpa Lupe
Es gibt nicht nur den einen Risikofaktor
Brustkrebspatientinnen, deren Mutter oder Schwester ebenfalls erkrankt sind, haben ein besonders hohes Risiko für einen unabhängigen, zweiten Tumor in der Brust. Die Risiken durch eine familiäre Vorbelastung sowie den ersten Tumor multiplizierten sich offensichtlich, anstatt sich bloß zu addieren, teilte das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit. "Die genetische Beratung von Brustkrebspatientinnen sollte diese Daten auf jeden Fall berücksichtigen", empfahl Prof. Kari Hemminki vom DKFZ. Hemminkis Untersuchung basiert auf Daten des schwedischen Familienkrebsregisters.

Grundlage der Berechnung waren 102.176 schwedische Frauen, bei denen zwischen 1970 und 2002 Brustkrebs diagnostiziert wurde. Verglichen mit Patientinnen ohne Brustkrebs in der Familie war das Risiko bei Frauen mit einer solchen familiären Vorbelastung um den Faktor 1,76 erhöht. Das relative Risiko für einen zweiten, unabhängigen Tumor lag bei Frauen ohne familiäre Vorbelastung bei 3,4. Für Frauen, deren Mutter oder Schwester ebenfalls erkrankten, lag es bei 5,48.

Familiärer Brustkrebs und ein erneutes Auftreten von Brustkrebs hätten vermutlich unterschiedliche Ursachen, folgern die Forscher aus der Studie. Das tatsächliche Risiko für einen Zweittumor in der Brust sei vermutlich noch deutlich höher als nach den Berechnungen, sagte Hemminki. "Unsere Untersuchung erfasst nur Zweittumoren in der anderen, noch nicht betroffenen Brust. Dazu müssen aber noch die Zweittumoren addiert werden, die in der bereits erkrankten Brust auftreten." Dazu fehlten den Wissenschaftlern jedoch Daten.

Brustkrebspatientinnen werden laut einer Studie der Universität Leipzig nur selten auf eine genetische Veranlagung für ihre Erkrankung getestet. Dabei könne einer weiteren Erkrankung oftmals wirkungsvoll vorgebeugt werden, wenn eine solche Mutation rechtzeitig diagnostiziert werde, sagt Gregor Weißflog.

"Chef-Gen" steuert Bildung der Metastasen
Eine Art "oberstes Kontroll-Gen" fördert bei Brustkrebs die Bildung von Metastasen. SATB1 verändert die Aktivität von mehr als 1000 anderen Genen in der Zelle und bringt den Tumor dazu, Krebszellen zu streuen. Indem sie das Gen ausschalteten, konnten die Wissenschaftler um Hye-Jung Han von der Universität Kaliforniens in Berkeley bei Mäusen das Tumorwachstum und die Bildung von Metastasen stoppen. Untersuchungen zeigten, dass SATB1 solche Gene hochreguliert, die die Bildung von Metastasen fördern. Gene, die das Tumorwachstum unterdrücken, werden hingegen herunter reguliert.

Schalteten die Forscher das Gen mit einem molekularbiologischen Trick stumm, bildeten Versuchsmäuse entweder überhaupt keine Tumoren oder aber solche, die nur sehr langsam wuchsen. Andersherum wandelten sich harmlose Zellen in aggressive, Metastasen bildende Varianten, wenn die Wissenschaftler das Gen absichtlich in die Zellen hineinbrachten.

Viele "Brustkrebs-Gene" stehen unter Verdacht
Ein Forscherteam um Alan Ashworth vom Institut für Krebsforschung in London konnte bei Labormäusen BRCA1- und BRCA2-Mutationen mit Medikamenten behandeln. Das PARP-Enzym kann nach den Erkenntnissen Ashworths die Veränderungen auf den Genabschnitten BRCA1 und BRCA2 ausbessern. 27 Prozent aller Brustkrebserkrankungen gehen Studien zufolge auf genetische Faktoren zurück. Nur ein Drittel dieser erblichen Erkrankungen lässt sich aber durch bekannte Mutationen wie die Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 oder das Protein p53 erklären.

Bei Brustkrebspatientinnen mit einem mutierten BRCA1-Gen ist in den meisten Fällen auch das PTEN-Gen beschädigt. Dann wird eine chemische Reaktion ausgelöst, die den bösartigen Brusttumor entstehen lässt. Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf wiesen 2007 auf das Gen ESR1 hin, das bei jeder fünften Brustkrebspatienten in mehren Kopien vorliege. Durch das Gen ESR1 wird ein Protein codiert, das Östrogen bindet. Die übermäßige Bildung des Östrogen-Rezeptors ist eine der wichtigsten bekannten Ursachen für die Entstehung von Brustkrebs.

Frauen, die von beiden Elternteilen veränderte AKAP9-Gene erhielten, haben ein um 17 Prozent erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben ein weiteres Gen entdeckt, das das Risiko für die Entstehung von Mammakarzinomen beeinflusst. Bei ihren Analysen stießen sie auf einen Bereich im Chromosom 7, der die Erkrankungswahrscheinlichkeit beeinflusste. In diesem Areal ist unter anderem das Gen DMBT1 angesiedelt, das schon früher ins Visier der Krebsforscher geriet.

Fokus auf Brustkrebs
© mevKrebs: Brust zwischen Rettung und Verlust
Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebsart bei Frauen: Jede zehnte erkrankt irgendwann im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.
Info
Patent auf Brustkrebs-Gen ist wieder eingeschränkt
Das Europäische Patenamt (EPA) in München hat das umstrittene Patent auf das Brustkrebs-Gen BRCA1 stark eingeschränkt. Die Behörde trug damit den Einsprüchen der Umweltschutzorganisation Greenpeace und anderer Einwender weitgehend Rechnung. Von ursprünglich 30 Patentansprüchen seien gerade mal drei übrig geblieben, die sich nur auf kleine Genstücke - Gensonden - beziehen, teilte EPA-Sprecher Rainer Osterwalder 2005 mit. "Das Gen als solches ist in den Ansprüchen nicht mehr drin."
Literatur
Begg CB et al (2008) Variation of Breast Cancer Risk Among BRCA1/2 Carriers. J Am Med Associat 299: 194 - 201
Literatur
Han HY et al (2008) SATB1 reprogrammes gene expression to promote breast tumour growth and metastasis. Nature 452: 187 - 193
Links
"Estrogen receptor alpha (ESR1) gene amplification is frequent in breast cancer" bei Nature "Breast Cancer Risk Varies Substantially Among Women Who Are Carriers of BRCA1 and BRCA2 Gene Mutations" vom "Memorial Sloan-Kettering Cancer Center"
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01.02.2007, zuletzt aktualisiert am 28.01.2010 / mp mit Material von dpa, ap und afp