Aluminiumwerke zerstören Islands unberührte Natur
Journalist Omar Ragnarsson wurde zum landesweiten Symbol des Widerstands
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"Island belügt die Welt, wenn es sagt, dass die Geothermiekraftwerke erneuerbare Energien liefern", sagt der Journalist Omar Ragnarsson. "In der Umgebung von Reykjavik saugen so viele davon Energie aus dem der Erde, dass sie in meinen Augen in 50 Jahren nutzlos sein könnten." Er ist zum landesweiten Symbol für den Widerstand gegen neue Aluminiumwerke geworden ebenso wie die Sängerin Björk. 2008 lockten sie und Islands erfolgreichste Rockband Sigur Rós zum Protestkonzert.
Sie wandten sich gegen Pläne von Großkonzernen und der Regierung zum Bau mehrerer Aluminiumschmelzen mit extrem hohem Energiebedarf. Um genügend Elektrizität für diese Anlagen bereitstellen zu können, müssen Teile der bisher unberührten Wildnis Islands unter Wasser gesetzt werden. Im letztem Jahr hat die erste von fünf geplanten neuen Aluminiumschmelzen die Produktion an der Ostküste bei Reydarfjördur aufgenommen.
Gegen den Bau das Kárahnjúkar-Staudamms für diese Aluminiumschmelze hatten sowohl Björk wie auch Sigur Rós schon in den vergangenen Jahren mit Konzerten auch vor Ort protestiert. Björks Mutter Hildur Rúna Hauksdóttir trat in einen Hungerstreik. Bei dem kostenlosen Konzert in Reykjavik ließen die Musikstars Videoaufnahmen von Islands unberührter Wildlandschaft zeigen, die sie durch den geplanten Bau von vier weiteren Aluminiumfabriken samt dazu gehörenden Kraftwerken akut in Gefahr sehen.
"Der Gletscher Vatnajökull ist die größte Eiskappe außerhalb der Polarregion", sagt Ragnarsson. "Die Interaktion von Feuer und Eis, die die Landschaft von hier bis zum Ozean prägt, ist einzigartig auf der Welt und meiner Meinung nach sollte man die Finger davon lassen. Optimistische Schätzungen gehen davon aus, dass vielleicht 1500 Arbeitsplätze rund um dieses Werk entstehen - das sind aber nur 0,5 Prozent der isländischen Bevölkerung", rechnet Ragnarsson vor. "Und dafür sollen wir die ganze Natur opfern?"
Erstes Land mit 100 Prozent regenerativer Energie angestrebt
Island will als weltweit erstes Land in absehbarer Zukunft seinen gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen decken. Island sitzt auf 37 aktiven Vulkanen. "Die Bereitstellung von Wasserstoff mit erneuerbaren Energien und die Nutzung von Wasserstoff als Kraftstoff sind ein Ziel unserer Energiepolitik", sagte Islands Industrie- und Handelsministerin Valgerdur Sverrisdottir im September 2000. Wasserkraft und Erdwärme versorgten schon jetzt alle isländischen Haushalte. Wasserstoff soll Benzin und Diesel für Autos und Fischereiboote schrittweise ablösen. Der Strom für die Herstellung des neuen Energieträgers könne aus Wasserkraftwerken gewonnen werden.

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14.09.2000, zuletzt aktualisiert am 19.03.2009 / mp mit Material von dpa
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