Mann an Sortieranlage Video
Moderne Sortieranlagen sondern von Pilzen befallenes Korn wieder aus
Die schlechten ins ...
Moderne Sortieranlagen gegen das Mutterkorn
Man könne Schimmelpilzgift im Getreide jetzt besser erkennen, sagt Prof. Heinz-Wilhelm Dehne vom Institut für Pflanzenkrankheiten.
Bereits während der Fahrt durch ein Getreidefeld lassen sich mit einem Sensor des Leibniz-Instituts für Agrartechnik in Potsdam vom Traktor aus pilzbefallene Ähren von gesunden unterscheiden. Eine Multispektralkamera erkennt die unterschiedliche Färbung. Künftig kann Getreide von befallenen Teilflächen separat geerntet werden, kündigen die Forscher an. Nach der Ernte helfen Mikrowellensensoren, das feuchte Getreide so zu trocknen, dass der Pilz keine Chance hat.

In Mühlen kommen Farbausleser zum Einsatz. "So können wir alle Körner, die sich farblich vom Grundgetreide unterscheiden, mit Druckluft und modernster Technik herausschießen", schildert Müllermeister Wolfgang Kottmann. "So können wir nahezu alle Mutterkörner auslesen." Siebe reiben Körner aneinander und entfernen so die äußere Holzfaser und damit einen Großteils des Schimmels der äußersten Kornschicht, wo er sich unsichtbar versteckt.

Das Team um Prof. Michael Spiteller vom Dortmunder Institut für Umweltforschung kann die verschiedenen Pilzgifte mit einem Massenspektrometer schon bei wenigen Milliardstel Gramm nachweisen. "Es gibt sehr viele Fusariumarten, die jeweils verschiedene Gifte produzieren können", so Spiteller. "In der Literatur sind weit über hundert solcher Verbindungen erwähnt. Und deswegen reden wir hier nicht von dem Nachweis eines einzelnen Stoffes, sondern von 'Multi-Komponenten'."

Das Mutterkorn ist wieder auf dem Vormarsch
Forscher im Versuchsfeld Lupe
Forschen gegen Mutterkorn
"Selbst heute noch müssen wir davon ausgehen, dass auf 10 bis 15 Prozent der deutschen Anbauflächen der Weizen von Fusarien befallen ist", sagt Dehne. Etwa ein Viertel der weltweit produzierten Lebens- und Futtermittel enthalten Mykotoxine, also Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die Getreidepflanzen im Feld und Erntegut befallen. Mykotoxine bereits in geringen Mengen können das zentrale Nervensystem angreifen, das Erbgut schädigen und Krebs auslösen. Einige dieser Stoffe schaden dem Immunsystem.

In Europas Roggenfeldern hat in den vergangenen Jahren der Befall durch das giftige Mutterkorn wieder zugenommen. Roggen ist von den in Deutschland gängigen Getreidearten die am meisten gefährdete, betonte ein Sprecher der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig (BBA). In schlechten Jahren könnten zwei bis drei Prozent, in Ausnahmefällen sogar bis zu fünf Prozent der geernteten Körner schwarze, große Mutterkörner sein. "Die neuen, ertragreichen Roggensorten sind oft anfälliger", sagt Thomas Engelke vom BBA. Die Pflanzenzüchter hätten nicht auf diese Krankheit geachtet.

Die Sporen der Pilzkrankheit konkurrieren mit den Roggenpollen um den Platz auf der Ähre. Sind mehr Pollen vorhanden, so ist die Krankheitswahrscheinlichkeit wesentlich verringert. Kälte und Nässe während der Blüte verhindert eine schnelle Befruchtung und daher nimmt der Befall mit Mutterkorn zu.

In afrikanischen Ländern ist Mutterkorn ein aktuelles Problem: 475 von 480 Kindern in Benin und Togo im Alter von neun Monaten bis fünf Jahren zeigten Wachstumsstörungen und hatten ein geschwächtes Immunsystem, hat eine Studie des Instituts für Tropenlandbau in Nigeria gezeigt. Während sich bei Neugeborenen und Kleinkindern, die ausschließlich Muttermilch zu sich nahmen, nur sehr schwache Aflatoxin-Werte im Blut fanden, verschlechtert sich die Situation deutlich mit dem Beginn der Aufnahme fester Nahrung.

Die Schrecken des "Antoniusfeuers" kennt der moderne Mensch der Industriestaaten meist nur noch aus den Geschichtsbüchern und von alten Gemälden. Schwere Bauchkrämpfe, absterbende Finger und Zehen und auch Halluzinationen marterten die Erkrankten, die dies oft nicht überlebten. Vor allem im Mittelalter raffte das "Antoniusfeuer" ganze Dörfer dahin. Dass ein Pilz für diese Krankheit verantwortlich ist, enträtselte die Naturwissenschaft Mitte des 19. Jahrhunderts: Der Mutterkorn-Pilz versteckt sich gut, weil er selbst die Form eines Korns annimmt. In seinem Inneren bildet der Pilz unterdessen ein hochgiftiges Alkaloidgemisch, das auch das Backen zu Brot unbeschadet übersteht.

Info
Gentechnik im Kampf gegen das Mutterkorn
Wissenschaftlern an der Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in Groß Lüsewitz ist es gelungen, einen Abschnitt im Erbgut des Roggens zu identifizieren, der diese Getreideart unempfänglicher gegen den Mutterkornpilz macht. Dazu haben sie systematisch Teile des Erbgutes von Roggen mit dem vollständig entschlüsselten Genom der Reispflanze verglichen.