Ärztin impft Patientin © dpa
H1N1: Das Risiko ist überschaubar - aber keiner weiß, was aus dem Virus wird
"Sich nicht impfen zu lassen ist fahrlässig"
Virologe warnt vor sorglosem Umgang mit H1N1
Der Virologe Uwe Gerd Liebert hat vor einem zu sorglosen Umgang mit der Schweinegrippe gewarnt. Die Impfmüdigkeit sei fahrlässig, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Leipzig.
Gefährdete Gruppen, wie ältere Menschen oder Geschwächte, sollten sich unbedingt impfen lassen. Auch die avisierte Menge von 50 Millionen Impfdosen sei keineswegs übertrieben. Liebert empfiehlt für einen optimalen Schutz eine Doppel-Impfung: eine gegen die normale und eine gegen die neue Grippe.

Viele Deutsche lehnen Schweinegrippe-Impfung ab
Fast zwei Drittel der Deutschen wollen sich einer Umfrage zufolge nicht gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Zum Start der Impfungen im Herbst 2009 werden 62 Prozent der Befragten die Spritze nach eigenen Angaben "auf keinen Fall" oder "wahrscheinlich nicht" in Anspruch nehmen. Besonders stark ist die Ablehnung nach Angaben der Krankenkasse in Bayern und Baden-Württemberg: Dort erklärten nur je neun Prozent der Befragten, dass sie sich "ganz sicher" impfen lassen werden. Zum Vergleich: In Ostdeutschland waren es 23 Prozent, im bundesweiten Durchschnitt 14 Prozent.

Vier Prozent der Deutschen sehen sich derzeit in "sehr großer" Gefahr, sich in den nächsten Wochen mit der Schweinegrippe anzustecken. 82 Prozent schätzen die Gefahr dagegen als "eher niedrig" oder "sehr niedrig" ein. Besonders niedrig ist die Angst vor einer Infektion in Bayern und Baden-Württemberg.

In Deutschland oft kein flächendeckender Schutz
Ulla Schmidt © ap Lupe
Ulla Schmidt: "Impfkritik ist unverantwortliches Verhalten"
In Deutschland gebe es zurzeit keinen flächendeckenden Impfschutz gegen Krankheiten wie Keuchhusten, Mumps oder Masern, beklagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) im März 2009 auf der ersten "Nationalen Impfkonferenz". Zugleich rief die Ministerin dazu auf, die Argumente von Impfgegnern ernster zu nehmen als bisher. Kritik dürfe nicht mit einer Handbewegung abgetan werden. Eine gewisse Skepsis gegenüber einzelnen Impfungen sei nachvollziehbar, sagte Dreyer. Die Vorbehalte dürften jedoch nicht verallgemeinert werden. Familien müssten davon überzeugt werden, dass der Impfschutz des Einzelnen letztlich der Allgemeinheit zugutekomme.

In einem Video-Grußwort warf Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) impfkritischen Ärzten unverantwortliches Verhalten vor. "Es ist nicht hinnehmbar, dass in Deutschland Kinder an Masern sterben", sagte die Ministerin. Bei einem Ausbruch der Masern in Nordrhein-Westfalen waren 2006 insgesamt 1700 Kinder erkrankt. Zwei von ihnen kamen ums Leben, 95 weitere mussten stationär behandelt werden.

Jeder müsse wissen, dass der Impfschutz "lebenswichtig sein kann", sagte 2007 der Staatssekretär beim Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder (SPD). Schröder appellierte an Hausärzte, die vergangenen Impfungen ihrer Patienten abzufragen. "Viele Patienten kennen ihren eigenen Impfstatus gar nicht mehr", bemängelte er. Diese "wichtige Aufgabe" müssten daher die Ärzte übernehmen. Schröder erinnerte daran, dass die Krankenkassen seit dem In-Kraft-Treten der Gesundheitsreform die Kosten für Schutzimpfungen übernehmen müssen

Info
Für die repräsentative Studie hat die Deutsche Angestellten-Krankenkasse Anfang September 1001 Menschen im Alter von 18 bis 60 Jahren vom Forsa-Institut befragen lassen.
Info
Aktuelle Impfempfehlungen veröffentlicht die ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut. Demnach wird zurzeit vor allem ein Schutz gegen Masern, Mumps, Röteln, Pneumokokken, Wundstarrkrampf, Hepatitis B, Keuchhusten, Windpocken, Diphtherie, Kinderlähmung und Grippe empfohlen.
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Informationen zu Verdachtsfällen auf Impfkomplikationen sowie von Verdachtsfällen schwerwiegender Nebenwirkungen vom Paul-Ehrlich-Institut
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17.12.1999, zuletzt aktualisiert am 11.09.2009 / dpa / mp