Schädel © ap Lupe
Vermutlich ist das Gehirn von Homo floresiensis in der Evolution geschrumpft
Das Hirn des Hobbits
Gehirn kann im Laufe der Evolution schrumpfen
Das Gehirn des Homo floresiensis ("Hobbit") war größer als meist vermutet. Dennoch sei das Denkorgan bei der Entwicklung dieser Art vermutlich deutlich geschrumpft.
Möglicherweise hat die Größe des Organs abgenommen, weil ein großes Gehirn in der Umwelt des Hominiden nicht nötig war. Um das Rätsel zu lösen, analysierten Forscher um Daisuke Kubo von der Universität Tokio den recht gut erhaltenen Schädel mit einer neuen hochauflösenden Computertomografie. Damit bestimmten sie das Hirnvolumen auf 426 Kubikzentimeter. Gleichzeitig gehen sie davon aus, dass das Gehirn des frühen Homo erectus 860 Kubikzentimeter fasste. Dies wäre zwar deutlich weniger als bisher angenommen, aber immer noch etwa doppelt so viel wie bei Homo floresiensis.

Mindestens 50 Prozent des eingebüßten Hirnvolumens, "wahrscheinlich viel mehr", erkläre sich durch die geringere Körpergröße des "Hobbit", schreiben die Wissenschaftler weiter. "Das bedeutet, dass bis 50 Prozent seiner Hirngrößen-Verringerung durch andere Faktoren erklärt werden muss."

Für solche Schrumpfungsprozesse des Gehirns gebe es einige Belege von anderen Säugetieren. Als Beispiele nennen die Wissenschaftler ausgestorbene Höhlenziegen auf den Balearen oder madagassische Flusspferde. Die geringere Hirnmenge habe vermutlich den Energieverbrauch reduziert - zumal der "Hobbit" nicht mit großen Fleischfressern konkurrieren musste, mit Ausnahme des Komodowarans und eines Riesenstorchs.

"Wir folgern, dass die Entwicklung des frühen Homo erectus zum Homo floresiensis auch in Bezug auf die Hirngröße möglich war", folgern die Forscher. Das zeige, dass sich Menschenartige unter speziellen Bedingungen auch in gegensätzliche Richtungen entwickeln können.

Die Abstammung des "Hobbits" liegt im Dunkeln
Der Homo floresiensis lebte vermutlich noch vor knapp 20.000 Jahren auf der Insel Flores, die zu Indonesien gehört. Mit einer Körpergröße von nur einem Meter gilt er als kleinster Vertreter der Gattung Homo. Auffällig ist die selbst für die kurze Statur auffällig geringe Hirngröße.

Rätselhaft ist auch der Ursprung dieser Art. Wenn sie vom Homo erectus, der nachweislich in dieser Region lebte, abstammen würde, müsste sie einen Großteil der Hirnmasse eingebüßt haben. Denkbar wäre auch, dass der kleinere Homo habilis, der ebenfalls ein recht kleines Hirnvolumen hatte, der Ahne war. Doch gibt es keinerlei Beleg dafür, dass diese Art, die vor zwei Millionen Jahren lebte, jemals Afrika verlassen hat. Manche Forscher vermuteten sogar, dass der auffällige Kleinwuchs und das winzige Gehirn des "Hobbit" von einer Erkrankung herrühren könnten - es sich somit also nicht um eine eigene Art handelt.

Literatur
Kubo D et al (2013) Brain size of Homo floresiensis and its evolutionary implications. Proc Roy Soc B, vol 280 no 1760
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