Schädel © Uni Zürich Video
Australopithecus sediba lebte vor zwei Millionen Jahren in Afrika
Vorfahr der Urmenschen
Teilskelette eines Jungen und einer Frau gefunden
Paläoanthropologen haben in einer Höhle bei Johannesburg in Südafrika die Knochen eines möglichen Vorfahren von Homo entdeckt.
Nach Ansicht der Forscher könnte die neu entdeckte Art Australopithecus sediba ein Bindeglied zwischen den noch affenartigen Vormenschen und den frühen Menschen darstellen. Zwei Forscherteams um Prof. Lee Berger von der Witwatersrand-Universität in Johannesburg und Paul Dirks von der australischen James-Cook-Universität bargen aus der Höhle in der Region Sterkfontein die knapp zwei Millionen Jahre alten Überreste eines Jungen und einer Frau. Sterkfontein wird wegen zahlreicher spektakulärer Funde auch "Wiege der Menschheit" genannt.

Keine Spuren von Raubtieren oder Aasfressern
Fossilien © Uni Zürich Lupe
Die gefundenen Fossilien sind gut erhalten
Die Australopithecus-Fossilien lagen inmitten der Überreste von Säbelzahn-Katzen, Antilopen, Mäusen und Ratten in einem ausgetrockneten unterirdischen Tümpel. Sediba ist das Wort für "natürliche Quelle" in der südafrikanischen Sprache Sotho. Möglicherweise seien der Junge und die Frau versehentlich in den unterirdischen Tümpel gestürzt, berichten die Forscher. Spuren eines Raubtierangriffs oder von Aasfressern auf den Knochen gebe es nicht. Der Vormenschen-Junge wurde zehn Jahre alt, die Frau war mindestens Ende Zwanzig.

Beide waren zum Zeitpunkt ihres Todes vor 1,95 bis 1,78 Millionen Jahren 1,27 Meter groß, wobei die Forscher davon ausgehen, dass der Junge größer geworden wäre. Die Frau hat 33 Kilogramm gewogen und das Kind 27 Kilogramm. Das Gehirn des Jungen, dessen Schädel erhalten ist, sei mit 420 bis 450 Kubikzentimeter im Vergleich zum modernen menschlichen Gehirn - 1200 bis 1600 Kubikzentimeter - relativ klein gewesen. Allerdings ist es deutlich entwickelter als das Gehirn des älteren Australopithecus afarensis.

"Guter Kandidat für eine Übergangsspezies"
© Uni Zürich Lupe
Immer noch gibt es Fragezeichen in der Evolution des Menschen
"Ich glaube, dass Australopithecus sediba ein guter Kandidat für die Übergangsspezies zwischen dem südlichen afrikanischen Affenmenschen Australopithecus africanus und dem Homo habilis ist, oder sogar ein direkter Vorfahre des Homo erectus", erläutert Prof. Lee Berger. Die Fossilien weisen sowohl bereits Merkmale des Homo habilis auf als auch von affenartigen Vormenschen der Gattung Australopithecus.Sediba habe lange Arme, kurze starke Hände, ein sehr entwickeltes Becken und lange Beine, so Paläoanthropologe Berger. Ein Grabungsteam vom Anthropologischen Institut der Universität Zürich unter der Leitung von Peter Schmid hat mehr als 180 Fragmente von insgesamt mindestens vier Individuen gefunden.

Die im Fachmagazin "Science" beschriebenen Fossilien des Jungen bestehen aus einem Schädelfragment, einem Unterkieferfragment, sowie einem Teilskelett. Die Überreste der Frau umfassen Einzelzähne, Unterkieferfragmente und ein Teilskelett. "Diese Skelette sind besser erhalten und vollständiger als diejenigen der berühmten Lucy", stellte Schmid fest. Das als "Lucy" bekannt gewordene Teilskelett eines Australopithecus afarensis wurde 1974 in Äthiopien gefunden.

Mediathek
VideoEin neuer Ahne für Homo
Australopithecus sediba könnte der Vorfahre unser Gattung Homo sein, sagen Paläoanthropologen aus Südafrika, Deutschland und der Schweiz.
Glossar
Menschliche Evolution
Als Homo sapiens (verständiger Mensch) ist der Mensch die einzige heute lebende Art aus der Familie der Hominiden (Menschenartige).
Literatur
L.R. Berger et al (2010)Australopithecus sediba: A New Species of Homo-like Australopith from South Africa. Science 328: 195-204
Literatur
P.H.G.M. Dirks et al (2010) Geological Setting and Age of Australopithecus sediba from Southern Africa. Science 328: 205-208
Für Sie gelesen
Das Geheimnis des aufrechten Gangs
von Carsten Niemitz
Die Vorfahren des Menschen stiegen nicht von den Bäumen, um den aufrechten Gang zu üben, sondern verließen die Ufer und Gewässer.
mehr zum Thema
Zweibeinig im Wasser 1,5 Millionen Jahre alter Fußabdruck zeigt moderne Züge Moderne Forschungstechnik an einem uralten Menschen Rücksicht auf andere ließ Primatenhirne so groß werden Karlsruher lesen die Spuren aus sieben Millionen Jahren Gendaten zeichnen die Evolution des Menschen nach Die Evolution des Menschen hat sich beschleunigt