Waage Lupe
Ein wenig Zutat, viel Wasser, gut schütteln - und dennoch soll es wirken
Es bleibt nichts übrig
Naturwissenschaftler zweifen an der Homöopathie
Kritiker der Homöopathie bemängeln, dass die Verdünnungen so hoch sind, dass nichts mehr übrig bleibt, was noch wirken könnte.
Die Verdünnungen sind so hoch, dass sie die Wirkstoffkonzentrationen unter die Avogadro-Grenze fallen - hier fällt die Zahl der Moleküle in den Nachkommabereicht. Nicht angesprochen werden hierbei diejenigen "homöopathischen" Mittel, die nur im Volksmund als solche bezeichnet werden, jedoch keine im Sinne der klassischen Lehre sind: Naturheilmittel und stark verdünnte, aber definitiv noch vorhandene Reagenzien. Homöopathie geht von Verdünnungen aus, die stärker sind.

Zwei Verdünnungen mit gleicher Konzentration
Ebensowenig können Naturwissenschaftler verstehen, warum es einen Unterschied mache, ob man etwas zweimal 1:10 verdünnt (Verdünnung C2 in der Homöopathie) oder gleich 1:100 (D1). In beiden Fällen berufen sich Homöopathen darauf, dass Wasser ein Gedächtnis habe. Hieran meldet die klassische Naturwissenschaft gleich mehrere Zweifel an: Das sei nicht belegt; der einzige hierfür gezeigte angebliche Beweis sei nicht wissenschaftlich fundiert.

Außerdem sei unklar, woher das Wasser wisse, dass es sich einen Wirkstoff einzuprägen habe und nicht etwa eine Verschmutzung: Homöopathische Mittel müssen, so sie nach Vorschrift erzeugt werden, mit einem Drittel Luft geschüttelt werden - doch in der Luft befinden sich Pollen, Sporen, Staubkörner und ähnliches. Das Wasser könne sich doch genauso gut diese "merken" - warum also wird nur der Wirkstoff "gemerkt"? Ebenso stehe zur Auswahl, dass entweder die klassische Physik unvollkommen sei - oder gänzlich falsch. Vier Kräfte kennen die Physiker, die die Welt "im Innersten zusammenhalten": die Gravitation, die elektromagnetische, die schwache und die starke Kernkraft. Homöopathen berufen sich gerne auf eine geheimnisvolle Kraft abseits diers

Dieses Kräftemodell resultiert aus der Physik - gäbe es eine fünfte Kraft, so müsse man feststellen, dass das Universum nicht so ist, wie es ist. Wie es aber nun einmal ist. Von daher müsse sich Homöopathie auf eine dieser vier Kräfte berufen. Schwache und starke Kernkraft wirken nur im Atomkern und kommen nicht in Frage, die Gravitation ist entschieden zu schwach, um einen Effekt zu bewirken.

Bleibt die elektromagnetische Kraft. Diese ist gut messbar; eine Veränderung in der Struktur des Wassers sollte also mit heutigen physikalischen Messtechniken nachweisbar. Den Beweis traten die Homöopathen bisher nicht an.

Wasser erinnert sich wenige Milliardstel Sekunden
Homöopathen verweisen auf eine Studie des Schweizer Chemikers Louis Rey, der zufolge Wasser ein "Gedächtnis" für zuvor enthaltene Moleküle hat. Allerdings leidet es schon nach wenigen Milliardstel Sekunden unter "Gedächtnisschwund".

"Das Wasser merkt sich Veränderungen, das sehen wir an unseren Bildern", meint Prof. Bernd Kröplin vom Stuttgarter Institut für Luft und Raumfahrttechnik. "Das geht noch weiter: Es gibt Wasser, die haben ein gutes Gedächtnis, und solche, die vergessen die Informationen wieder." Für Kritiker dagegen geht dieser Ansatz zu weit. Sie halten Kröplins Arbeit für reine Spekulation.

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