Probandin am PC Video
Nicht alle Konflikte sind emotional, haben Berliner Forscher herausgefunden
Gewappnet für Konflikte
Forscher blicken bei Auseinandersetzungen ins Hirn
"Unterschiedliche Konfliktarten werden im Gehirn in unterschiedlichen Arealen verarbeitet", sagt die Psychologin Dr. Birgit Stürmer.
"Bislang ist man davon ausgegangen, dass das immer mit ein und demselben Areal in Zusammenhang steht", sagt die Forscherin der Berliner Humboldt-Universität. "Wir konnten zeigen, dass sich es durchaus über dieses Areal hinweg erstreckt und jeweils unterschiedliche Bereiche an der Konfliktverarbeitung beteiligt sind." Mit Tests simulierten die Berliner Forscher Konflikte und beobachteten, welche Bereiche des Gehirns der Probanden aktiviert wurden.

"Bei Konflikten stellt man sich zunächst komplizierte Situationen wie zum Beispiel Partnerschaftskonflikte vor", sagt Prof. Werner Sommer von der Humboldt-Universität Berlin. "Wir versuchen auf eine sehr elementare Ebene zu gehen, indem wir einfache Informationsverarbeitungskonflikte im Labor untersuchen."

"Wir haben auch gezeigt, dass nicht jeder Konflikt mit einer negativen Emotion verbunden ist, sondern es auch Konflikte gibt, bei denen gar keine Emotionen ausgelöst werden", erklärt Dr. Annekathrin Schacht. "Das zeigt für uns, dass es notwendig ist, Konflikte viel besser zu differenzieren und weiter zu untersuchen."

Grundlagenforschung für neue Formen der Therapie
Die Forscher wollen mit ihren Ergebnissen Deeskalationsstrategien oder Therapien entwickeln, etwa bei Patienten mit Zwangsneurosen, die in einem ständigen Konflikt leben. "Wenn wir verstehen, wie Konflikte generell gelöst werden, können wir vielleicht auch diesen Personen helfen, mit ihren Konflikten besser umzugehen", sagt Sommer. "Wir versuchen, Konflikte auch als etwas zu begreifen, was man auch als Möglichkeit verwenden kann, um etwas zu lernen: Wenn wir sehen, wir haben gerade einen Konflikt erlebt, dann kann uns das als Signal dienen, dass wir das nächste Mal an diese Situation anders oder besser herangehen."

Die Wissenschaftler forschen am Wolfgang Köhler-Zentrum zur Konfliktforschung in Intelligenten Systemen der Humboldt-Universität. Dort kooperieren Psychologen der Uni, des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Freien Universität, Neurowissenschaftler und Psychiater der Charité sowie Informatiker, Linguisten und theoretische Biologen der Humboldt-Universität. Sie wollen die Vorgänge bei Konflikten über die Ebene des Verhaltens und der Informationsverarbeitung im Gehirn bis hin zu genetischen und evolutionsbiologischen Aspekten untersuchen.

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