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Der Impfstoff aus Tabak enthält ein Protein, das vor Krebs schützen soll
Impfen gegen Krebs
Stoff aus Tabak soll vor Lymphdrüsenkrebs schützen
Forscher erzeugen aus Tabak maßgeschneiderte Impfstoffe gegen das Non-Hodgkin-Syndrom, eine Form des Lymphdrüsenkrebs.
"Jeder Tumor von Patienten hat ein ganz spezielles Oberflächenprotein mit einer ganz eigenen Struktur und einer ganz eigenen Sequenz, die wir Bindungstasche nennen", erläutert John Butler-Ransohoff von der Bayer AG. Das Gen für dieses Protein bringen die Forscher in Agrobakterien ein, die wiederum Tabakpflanzen infizieren - und diese somit dazu bringen, das Protein zu produzieren. Die Forscher koppeln das Antigen mit einem körperfremden Protein. "Das ist der Weckruf für das Immunsystem des Patienten." Fünf Kilogramm Pflanzenmasse genügen für einen Patienten, um daraus 100 Milligramm Wirkstoff zu gewinnen.

Jede Krebsimpfung muss auf den Tumor passen
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Forscher geben Krebspatienten Teile ihres Immunsystems zurück
Eine "allgemeine Krebsimpfung" wird auf sich warten lassen, meinen Onkologen: Sie wäre aufwendig und für Pharmafirmen uninteressant. "Ein Medikament ist für ein Unternehmen nur dann interessant, wenn man es in Massenproduktionen herstellen kann" meint der Kölner Onkologe Dr. Michael Bergwelt. Alexander Shimabukuro-Vornhagen ergänzt: "Eine für die Pharmaindustrie interessante Lösung müsste nach dem Baukastenprinzip funktionieren. Man suchte sich eine einzelne Komponente aus und bündelte diese zu einem Tumorvakzin."

Der Prostatakrebs-Impfstoff Provenge des US-Pharmaunternehmens Dendreon soll 2010 in den USA zugelassen werden. "In Deutschland haben Patienten, die den Impfstoff und nicht das Placebo erhalten haben, fünf Monate länger überlebt", schildert Bergwelt. "In Einzelfällen war dies deutlich länger: bis zu mehreren Jahren." Eine 2005 veröffentlichte klinische Studie hatte ein längeres Überleben bei Patienten mit Prostatakrebs schon nahe gelegt. Allerdings konnte das Medikament nicht das Fortschreiten ihrer Erkrankung verzögern. "Nach der Injektion in den Patienten kommunizieren dendritische mit Killerzellen und halten diesen wie Spürhunden Eiweiße vom Krebs vor", so Bergwelt. "Diese suchen den ganzen Körper ab, um solche Krebszellen dann zu zerstören."

Pflanzen-Impfstoff soll den Krebs bekämpfen
Lupe
Ein pflanzlicher Impfstoff soll beim Kampf gegen Krebs helfen
US-Forscher haben einen Impfstoff auf Pflanzenbasis entwickelt, der das Immunsystem von Krebspatienten anfeuern soll. Ob das Mittel stark genug ist, um Tumore zu zerstören, sei noch nicht sicher, hieß es in einer Studie der Universität Stanford. "Der Grundgedanke ist, das körpereigene Immunsystem zur Bekämpfung des Krebses heranzuziehen", sagte der führende Autor der Studie, Ronald Levy. Er zeigte sich optimistisch, was die Wirkung des Impfstoffes betrifft. "Wir wissen, dass ein angekurbeltes Immunsystem Krebs angreifen und vernichten kann." Die Forscher um Levy testeten den Impfstoff an 16 Patienten, bei denen kurz zuvor ein Follikuläres Lymphom festgestellt worden war.

Keiner der Patienten habe Nebenwirkungen verspürt und mehr als 70 Prozent der behandelten Kranken hätten eine Reaktion des Immunsystems gezeigt, heißt es in der Studie, die von der Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde. Es war der erste Versuch mit einem pflanzlichen Krebsimpfstoff an Menschen. Der Vorteil eines solchen Mittels sei die relativ leichte und kostengünstige Herstellung.

Impfung wird individuell auf Patienten abgestimmt
Dabei werden Tumorzellen der Patienten geklont, in ein spezielles Virus injiziert und dann auf die Blätter von Tabakpflanzen gestrichen. Dort sorge das Virus für eine Eiweißproduktion. In einem Laborverfahren werde das entstandene Eiweiß isoliert und dem Patienten eingespritzt. "Diese Technik ist sehr speziell, denn sie ist schnell und ermöglicht einen maßgeschneiderten Ansatz für jeden Patienten", sagte Levy. Die Impfung könne allerdings nicht bei der Krebsvorbeugung eingesetzt werden, schränkte der Forscher ein.

Immer mehr Menschen von Krebs betroffen
Rund jeder zweite Mann und mehr als jede dritte Frau erkranken im Laufe ihres Lebens an Krebs. Jeder vierte Mann und jede fünfte Frau sterben daran. Wegen der verbesserten Überlebenmsaussichten stieg zudem von 1990 bis heute die Zahl der Menschen enorm an, die mit einer Krebserkrankung leben. Bei den betroffenen Männern hat sie sich den Angaben zufolge seit 1990 etwa verdoppelt, bei den Frauen beträgt der Anstieg etwa 40 Prozent. Diese Zahlen sind nach Ansicht des Robert-Koch-Instituts von hoher gesundheitspolitischer Bedeutung, da sie die Belastung der Gesellschaft und des Gesundheitssystems durch Krebserkrankungen verdeutlichten.

Zu den häufigsten Tumorarten bei Frauen zählt Brustkrebs. Die nächsthäufigsten Tumorarten bei Frauen sind Darm- und Lungenkrebs. Bei Männern ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung, gefolgt von Darmkrebs und Lungenkrebs.

Zahl der Krebspatienten hat steigende Tendenz
Obwohl sich die Überlebenschancen für viele Tumorarten deutlich gebessert haben, rechnen Mediziner allein wegen des steigenden Alters der Bevölkerung mit einer weiteren Zunahme der Krebserkrankungen. Aber auch der Lebensstil beeinflusst die Krebsraten. Zwischen einem Viertel und einem Drittel der Krebstodesfälle wird dem Robert-Koch-Institut zufolge durch Rauchen verursacht. Falsche Ernährung, chronische Infektionen und hoher Alkoholkonsum gelten ebenfalls als Risikofaktoren.

Glossar
Lymphdrüsenkrebs
Unter Lymphdrüsenkrebs (malignes Lymphom) fassen Ärzte verschiedene Krebsleiden des lymphatischen Systems zusammen. Das lymphatische System ist über den ganzen Körper verteilt.
Pflanzen gegen Krebs
Forscher setzen auf pflanzlichen Impfstoff gegen Krebs
US-Forscher haben einen Impfstoff auf Pflanzenbasis entwickelt, der das Immunsystem von Krebspatienten anfeuern soll. Ob das Mittel stark genug ist, um Tumore zu zerstören, sei noch nicht sicher, hieß es in einer Studie der Universität Stanford.
Krebsimpfung
Gentechnisch hergestellter Antikörper gegen Blutkrebs
Deutsche Wissenschaftler haben eine neue Blutkrebs-Therapie aus einem gentechnisch hergestellten Antikörper entwickelt. Der neue Antikörper bringe das körpereigene Immunsystem dazu, den Krebs zu bekämpfen, so Forscher um Ralf Bargou von der Universität Würzburg.
Schwerpunkt
© RingsdorfMit Biologie gegen Krebs
Zahlreiche Forschergruppen arbeiten daran, das körpereigene Immunsystem im Kampf gegen Tumoren zu aktivieren.
Literatur
McCormick AA et al (2008) Plant-produced idiotype vaccines for the treatment of non-Hodgkin’s lymphoma: Safety and immunogenicity in a Phase I clinical study. Proc Nat Acad Sci U S A: DOI 10.1073 / pnas. 0803636105
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22.07.2008, zuletzt aktualisiert am 24.03.2010 / jus, mp mit Material von afp und dpa