Wolf © dpa
Die Wölfe sind aus Osteuropa wieder bis nach Deutschland vorgedrungen
Der Wolf - ein soziales und scheues Raubtier
Er kehrte nach 150 Jahren nach Deutschland zurück
Der Wolf (Canis lupus) gehört zur Ordnung der Fleischfresser und ist verwandt mit den Hunden. Sein Fell ist grau bis bräunlich, er wird bis zu 1,60 Meter lang und hat eine Schulterhöhe von 50 bis 100 Zentimetern.
Er wird 28 bis 38 Kilogramm schwer. Wölfe sind soziale Tiere und leben in Rudeln mit starken Bindungen. Ihre Reviere sind 200 bis 300 Quadratkilometer groß, die Tiere können in Freiheit acht bis 13 Jahre alt werden. Ursprünglich lebten Wölfe auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel. Während der Wolf im Osten und Süden Europas überlebt hat, wurde er in Westeuropa und Skandinavien in der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Er galt als gefährlicher Räuber und wurde gnadenlos verfolgt. Der letzte Wolf Deutschlands wurde 1904 in Sachsen geschossen.

Heute kommen Wölfe wieder vereinzelt in Südskandinavien, den französischen Alpen, der Schweiz, Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik vor. In Europa leben insgesamt noch 20.000 Wölfe, davon 11.000 in Russland und 550 in Polen. Laut Umweltstiftung "World Wide Fund for Nature" (WWF) gibt es in 19 EU-Staaten Wolfsvorkommen. In keinem der Länder sei in den vergangenen 50 Jahren ein Mensch von Wölfen angegriffen worden. In Ostdeutschland leben derzeit 50 Wölfe, die meisten in drei Rudeln in der Lausitz, zusätzlich sind einzelne in anderen Regionen bekannt. Im gesamten Bundesgebiet ist die Jagd auf die Tiere verboten.

Wölfe jagen bevorzugt Rehe, Wildschweine, Hirsche und Elche. Zwar sind sie in der Lage, gesunde ausgewachsene Tiere zu töten. Doch haben Feldstudien nach Angaben der WWF gezeigt, dass mehr als 60 Prozent ihrer Beute junge, schwache oder alte Tiere sind. Auch Hasen, Kaninchen, Murmeltiere, Füchse sowie Insekten, Vögel, Reptilien, Früchte und Aas werden gefressen. Wölfe erbeuten aber auch Haustiere, besonders Schafe und Ziegen, wenn diese ungeschützt sind. Drei bis vier Kilogramm Fleisch braucht ein erwachsener Wolf pro Tag.

Ein Truppenübungsplatz in Sachsen als Startpunkt
Der Ausgangspunkt für die in Sachsen wieder freilebenden Wölfe ist der Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Bad Muskau. 1996 wurde dort erstmals nach einem Jahrhundert wieder ein Wolf gesichtet. Vier Jahre später kamen in Sachsen die ersten Welpen seit fast 200 Jahren zur Welt. Zwischen 2000 und 2008 sind in der Oberlausitz mehr als 80 Wolfswelpen geboren worden.

Zwischen Februar 2006 und Januar 2009 wurden acht tote Wölfe in der Lausitz gefunden. Fünf wurden überfahren, ein Tier wurde illegal erschossen. "Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, den wahren Täter zu finden", sagte Umweltminister Frank Kupfer (CDU). Ein Wolf ist möglicherweise verhungert, ein Tier starb wohl bei einem Angriff durch Wildschweine. Seit 2002 wurden 201 Nutztiere von Wölfen gerissen. Sachsen zahlte dafür 34.300 Euro Schadenausgleich.

Kein herzliches Willkommen
Wölfe in Deutschland begeistern nicht jeden
"Der Wolf - eine streng geschützte Tierart - ist weit davon entfernt, regelmäßig bejagt werden zu können", sagt die Biologin Ilka Reinhart. Darum mache es keinen Sinn, ihn unter Jagdrecht zu stellen.
Pflegeleicht
Eine Gebrauchsanleitung für Wölfe in Sachsen
Angesichts der steigenden Zahl von Wölfen in Deutschland hat Sachsen ein detailliertes Regelwerk zum Umgang mit den geschützten Tieren erarbeitet. Ziel sei das weitgehend konfliktfreie Nebeneinander.
Sage und Märchen
In früheren Zeiten galt der Wolf als eines der edelsten Tiere Mitteleuropas. Der Sage nach sind Romulus und Remus, die Gründer der Stadt Rom, von einer wilden Wölfin aufgezogen worden. Später sollen sie die italienische Metropole zur Ehre ihrer Wolfs-Mutter erschaffen haben. Gleichzeitig stand der Wolf als Sinnbild für unbezähmbare Freiheit und Stärke. Jahrhundertelang gehörte er zu den am meisten gefürchteten und gehassten Raubtieren. Kaum ein anderes Tier geistert so oft durch Mythen und Märchen - zumeist als blutrünstige Bestie wie im Grimm'schen "Rotkäppchen".
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15.09.2009 / dpa / mp