Blick auf ein Atom
Hinter der sichtbaren Materie verstecken sich Teilchen, Kräfte und Wellen
Das Standardmodell
Ein mögliches "Rezept" für das Universum
Physiker haben in jahrzehntelanger Forschung eine Art Rezept für das Universum zusammengetragen. Es hat den Namen Standardmodell und enthält viele "Zutaten".
Quarks und Elektronen Von der kleinsten Mikrobe bis zum größten Hochhaus bestehen sämtliche Atome der uns vertrauten Materie aus nur drei verschiedenen Elementarteilchen: Zwei Quarks und dem Elektron. Die beiden "Up"- und "Down"-Quarks sind die Grundbausteine aller Atomkerne. Um den Atomkern herum schwebt eine Wolke aus Elektronen. Als viertes Mitglied dieser Teilchenfamilie zählen die Physiker das flüchtige Neutrino, das bindungslos durch das gesamte Universum geistert - fast ohne jemals irgendwo hängenzubleiben. Es ist kein Bestandteil der Atome.
Weitere Teilchenfamilien Im Baukasten der Welt finden sich neben der uns vertrauten Materie noch zwei weitere Teilchenfamilien, aus denen jedoch keine beständige Materie bekannt ist, weil diese schnell zerfällt: Das "Charm"- und "Strange"-Quark bildet mit dem Myon und ebenfalls einem zugehörigen Neutrino eine Familie, das "Bottom"- und "Top"-Quark mit dem Tauon und einem passenden Neutrino eine dritte.
Anti-Teilchen Jedes dieser zwölf Elementarteilchen besitzt im Standardmodell noch ein sogenanntes Anti-Teilchen, das die entgegengesetzte elektrische Ladung trägt. Treffen sich ein Teilchen und sein Anti-Teilchen, zerstrahlen sie zu reiner Energie.
Vier fundamentale Kräfte Zusammengeklebt werden die Quarks im Atomkern von der starken Kraft und ihren Klebeteilchen, den Gluonen. Das Atom wiederum wird von der elektromagnetischen Kraft zusammengehalten. Aus deren Teilchen, den Photonen, besteht auch alles Licht, das wir sehen. Die schwache Kraft sorgt für die Radioaktivität, ihre Teilchen heißen W und Z. Ob die Schwerkraft über ein eigenes Teilchen namens Graviton vermittelt wird, ist nicht geklärt.
Higgs Das gegenwärtige Weltbild der Physiker hat allerdings einen gewichtigen Schönheitsfehler: Im Standardmodell haben die Teilchen keine Masse. Ohne Masse wären jedoch alle Partikel schnell wie das Licht, es gäbe keine Zusammenballungen, keine Atome, keine Sterne, Planeten oder Menschen. Um dieses Dilemma zu lösen, ersannen der britische Physiker Peter Higgs und Kollegen einen Mechanismus, der den Teilchen ihre Masse verleihen soll: Das Universum ist demnach erfüllt von einer Art Sirup, der unterschiedlich stark an den Elementarteilchen klebt und sie somit bremst.

Der Sirup kann der Theorie zufolge auch selbst Klumpen bilden. Nach diesen Klumpen im kosmischen Sirup fahnden die Physiker schon lange, denn die Beobachtung würde den Higgs-Mechanismus beweisen und damit das Standardmodell komplettieren. Zu Ehren von Peter Higgs wurden diese theoretischen Sirupklumpen Higgs-Teilchen getauft. Mit dem weltgrößten Teilchenbeschleuniger ("Large Hadron Collider", LHC) hoffen die Forscher, die Higgs-Teilchen erzeugen zu können.

Cern
Wissendes Nichtwissen
"Wir wissen relativ viel, aber auch wieder relativ wenig über Materie", sagt Rolf Dieter Heuer, Leiter des "Centre Européen pour la Recherche Nucléaire" (Cern).
Glossar
Der Urknall Large Hadron Collider Cern
mehr zum Thema
Eine Simulation, was die Welt im Innersten zusammenhält Reise zum Urknall - Sebastian Zimmer geht mit "ich bin nano" ins Cern Elementare Teilchen und Kräfte halten das All zusammen Flüchtige Teilchen und starke Kräfte sind asymmetrisch