Neandertaler-Nachbildungen Video
So schnell kann man Neandertaler nicht von H. sapiens unterscheiden
Der Neandertaler
Homo neanderthalensis
Der Neandertaler entwickelte sich vor 300.000 Jahren aus dem Homo erectus, dem Stammvater der reich verzweigten Menschheitsfamilie.


  • Alter: Die Neandertaler erreichten im allgemeinen ein Lebensalter von gut 40 Jahren. Auch der Namensgeber aus dem Neandertal starb in diesem Alter und nicht, wie früher angenommen, erst als fast 60-Jähriger.
  • Entwicklung: Der Neandertaler hatte eine kürzere Kindheit als der moderne Mensch, er war bereits mit etwa 15 Jahren ausgewachsen. Die langsamere Entwicklung und die damit einhergehende längere Lernphase könnte dem Homo Sapiens einen Vorteil in der Evolution gegenüber dem Neandertaler gegeben haben.
  • Körperbau: Neandertaler wurden im Durchschnitt etwa 1,65 Meter groß, der Körperbau war wesentlich muskulöser als beim heutigen Menschen. Der Brustkorb war rund, so dass der gedrungene Körper weniger Wärme abstrahlte. Neben den Knochenwülsten über den Augen sind eine fliehende Stirn und große Augen auffällig. Die vergleichsweise große Nase diente möglicherweise als "Vorwärmer" für die eiszeitliche Kaltluft beim Einatmen.
  • Ernährung: Die Isotopen-Untersuchungen der Knochen mehrerer Neandertaler im Vergleich zu Alles- und Pflanzenfressern der Eiszeit haben gezeigt, dass sich dieser Urmensch zu rund 95 Prozent von Fleisch ernährt hat. Den Rest dürften Blätter, Wurzeln, Nüsse, Schnecken oder vielleicht auch Fische und Muscheln ausmachen.
  • Verbreitung: Der klassische Neandertaler lebte etwa zwischen 70.000 und 30.000 Jahren vor unserer Zeit in Europa, im Nahen und Mittleren Osten. In oft nur kleinen Knochen-Fragmenten sind 300 Neandertaler entdeckt worden, etwa ein Dutzend der Fundstellen liegt in Deutschland. Funde auf Gibraltar deuten darauf hin, dass es sogar bis 24.000 v. Chr. dort eine Restpopulation gegeben haben könnte.
  • Aussterben: Über den Grund für das Verschwinden der Neandertaler zuletzt aus Südeuropa vor etwa 27.000 Jahren kann nur spekuliert werden. Wahrscheinlich kamen mehrere Ursachen zusammen wie etwa die Überlegenheit der eingewanderten modernen Menschen bei der Jagd, generelle Fleischknappheit oder eingeschleppte Infektionskrankheiten. Die gewaltsame Ausrottung durch den modernen Menschen, der in Europa mehrere Jahrtausende lang mit dem Neandertaler lebte, gilt heute als eher unwahrscheinlich.
  • Kultur: Die Neandertaler fertigten bei ihren Steinwerkzeugen neben den typischen runden Kratzern auch überraschend feine Steinklingen, die in großer Zahl bei Grabungen im Neandertal entdeckt worden sind und die Fingerfertigkeit des Urmenschen belegen. Die winzigen Steinsplitter wurden vermutlich mit kompliziert hergestelltem Birkenpech in Holzgriffe geschäftet. Mehrfach fanden sich Mineralfarben, die wohl zur Bemalung von Haut oder Kleidung dienten. Schnitzkunst oder Höhlenmalerei kannte der Neandertaler mit großer Sicherheit noch nicht; umstritten ist die Herkunft von einfachem Schmuck.
  • Religion: Bestattungen waren unter Neandertalern zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte üblich und scheinen für gewisse Vorstellungen von Tod und Leben zu sprechen. Die Toten wurden in Hock- oder Schlafstellung beigesetzt. Erst die geregelte Bestattung begünstigte die heutige Entdeckung der Neandertaler-Skelette, unter denen sogar ein Fötus ist.
  • Ethik: Es gibt Hinweise darauf, dass die Neandertaler verletzte Artgenossen gepflegt haben. So konnten sie auch schwere Knochenbrüche überleben, die sie sich bei der Jagd zugezogen haben.
  • Sprache: Die Weitergabe entwickelter Jagdmethoden und Techniken zur Herstellung von Steinwerkzeugen machen es sehr wahrscheinlich, dass der Neandertaler sprechen konnte. Auch die anatomischen Voraussetzungen waren gegeben, wenn auch die Sprache wegen des anders gearteten Kehlkopfes anders als heutige Formen geklungen haben mag. In Israel wurde sogar das fragile Zungenbein eines Neandertalers ausgegraben - Voraussetzung für Sprache. Nach Expertenansicht gibt es keinen Grund, an der Sprachfähigkeit der Neandertaler zu zweifeln.

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