Kenia
Tiere, Kaffee und Korruption im Vielvölkerstaat
Das auch von vielen deutschen Touristen besuchte ostafrikanische Tierparadies Kenia gilt als einer der korruptesten Staaten der Welt.
Das Land grenzt an Tansania, Uganda, den Sudan, Äthiopien, Somalia und den Indischen Ozean. Der 582.000 Quadratkilometer große Staat am Äquator ist etwa so groß wie die Iberische Halbinsel. Die frühere britische Kolonie ist seit 1963 unabhängig und hat 31,5 Millionen Einwohner. Kenia gilt als das industriell am besten entwickelte Land Ostafrikas.
Die Industrie verarbeitet vor allem Agrarprodukte. Der Tourismus ist der zweitgrößte Devisenbringer. Neben den Stränden am Indischen Ozean sind Wildreservate wie Tsavo und Masai-Mara Attraktionen für Besucher. Nach einem Anschlag auf ein Hotel im November 2002 in Mombasa und Terrorwarnungen ist der Tourismus zurückgegangen. 2006 reisten etwa 200.000 Deutsche nach Kenia, 85.000 weniger als vier Jahre zuvor.
Präsident Mwai Kibaki hatte 2003 die als korrupt verrufene Regierung unter Daniel Arap Moi abgelöst. Inzwischen wird auch Kibaki Vetternwirtschaft vorgeworfen. Die Organisation "Transparency International" weist Kenia mit Platz 144 von 159 Ländern als einen der korruptesten Staaten der Welt aus.
In Kenia leben rund 40 Volksgruppen und Stämme. Die größte Gruppe sind die im zentralen Hochland siedelnden Kikuyu, die etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Kikuyu, traditionell Bauern, wurden während der britischen Kolonialzeit aus ihren traditionellen Wohngebieten vertrieben, um britischen Siedlern Platz zu machen. Im Bemühen um die Unabhängigkeit des ostafrikanischen Landes spielten die zu den Bantu gehörenden Kikuyu eine wichtige Rolle.
Die Luo, denen Oppositionskandidat Raila Odinga angehört, leben im Westen Kenias in der Region am Victoriasee. Sie sind mit einem Anteil von etwa 13 Prozent an der Gesamtbevölkerung eine der größeren ethnischen Gruppen. Sie konkurrieren schon lange mit den Kikuyu um Machtpositionen in Staat und Gesellschaft und konnten dabei auf Unterstützung verwandter Volksgruppen rechnen.
Eine kleine Gruppe sind die traditionell als Rinderzüchter tätigen Massai. Die Massai sind Kenias bekanntestes Volk und werden am häufigsten auf Touristenfotos abgebildet. Sie stellen etwa 1,6 Prozent der Bevölkerung. Die meisten von ihnen leben noch heute als Nomaden oder Halbnomaden im Süden Kenias. Die Kalenjin wiederum sind bekannt für ihre Langstreckenläufer, die Kenia schon zahlreiche Medaillen und Weltrekorde eingebracht haben. Auch Daniel arap Moi, der zwischen 1978 und 2002 Präsident in Kenia war, gehört den Kalenjin an.